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Mammographie-Studie Werden Brusttumoren zu häufig übersehen?

Erstmals lässt sich die Qualität des deutschen Screening-Programms einschätzen. Die neuen Mammographie-Daten sollen Orientierung bieten für Patientinnen und Ärzte.

© dpa MRT-Bild eines Brust-Tumors

In Deutschland werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Durch diese Früherkennungsmaßnahme sollen mit der Zeit immer weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Ob dies tatsächlich gelingen wird, lässt sich frühestens zehn Jahre nach dem Beginn eines bevölkerungsweiten Programms feststellen. Weil das bundesdeutsche Mammographie-Screening erst zwischen 2005 und 2009 eingerichtet worden ist, wird man sich bei der Beurteilung seiner Effektivität noch eine Zeitlang auf Behelfsgrößen stützen müssen. Eine der Wichtigsten ist die Zahl der Intervallkarzinome. Das sind die Brustkrebserkrankungen, die nicht beim Screening entdeckt werden, sondern zwischen zwei Reihenuntersuchungen.

Diese Zahl kann nur durch einen aufwendigen Datenabgleich mit den Landeskrebsregistern ermittelt werden. Das setzt voraus, dass die Bundesländer entsprechende Gesetze erlassen haben, was längst nicht überall der Fall ist. Deshalb wird diese Zahl auch nicht von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie erhoben, die das Programm regelmäßig evaluiert und für die Qualitätssicherung zuständig ist. Oliver Heidinger vom Epidemiologischen Krebsregister Nordrhein-Westfalen und seine Kollegen haben jetzt erstmals einen Datenabgleich für das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland gemacht und damit einen der wichtigsten Qualitätsparameter für das deutsche Mammographie-Screening vorgelegt (“Deutsches Ärzteblatt“, Bd. 109, S. 781). Ausgewertet wurde die Zeit zwischen 2005 und 2008, was der ersten Screening-Runde und dem anschließenden Zwei-Jahres-Intervall in Nordrhein-Westfalen entspricht. In diesem Zeitraum nahmen 885 940 Frauen an dem Programm teil. 7176 Frauen erhielten beim Screening die Diagnose Brustkrebs. Das sind 81 Erkrankungen pro zehntausend Teilnehmerinnen.

Jeder fünfte Tumor ist ein Intervallkarzinom

2036 von 878764 Frauen, deren Brustgewebe beim Screening als unauffällig eingestuft worden war, wurden vor der nächsten anstehenden Reihenuntersuchung mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Damit hatten 23 von zehntausend Frauen ohne Auffälligkeiten im Mammographie-Screening wenig später ein Intervallkarzinom. 78 Prozent der Brustkrebserkrankungen wurden beim Screening entdeckt, 22 Prozent zwischen zwei Reihenuntersuchungen. Damit war jeder fünfte in Nordrhein-Westfalen entdeckte Brusttumor ein Intervallkarzinom. „Die beobachteten Intervallkarzinomraten sind mit den Resultaten langjährig etablierter Mammographie-Screening-Programme in anderen europäischen Ländern vergleichbar“, schreiben Heidinger und seine Kollegen im „Deutschen Ärzteblatt“.

Was bedeutet dies nun für die Qualität des deutschen Programms? Zunächst einmal heißt es, dass die an der Behelfsgröße „Intervallkarzinome in Nordrhein-Westfalen“ festgemachte Güte der Güte anderer europäischer Programme entspricht. Für eine weiter reichende Qualitätsdebatte müsste aber die Frage nach den Ursachen für die Intervallkarzinome beantwortet werden. „Wie kann es passieren?“, fragen auch Maria Blettner vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik an der Universität Mainz und Sylke Ruth Zeissig vom Krebsregister Rheinland-Pfalz in einem begleitenden Kommentar, „dass innerhalb von weniger als zwei Jahren nach einer Mammographie mit unauffälligem Befund ein Tumor mehr oder weniger zufällig, zum Beispiel durch eine Selbstuntersuchung, entdeckt wird?“

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