29.06.2004 · Studien zeigen: Bei einer Malaria-Impfung könnten die gefährlichsten Parasiten überleben. Bei dem entstehenden Selektionsdurck findet eine Evolution der Erreger statt.
Von Hildegard KaulenZahlreiche Wissenschaftler bemühen sich zwar intensiv um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria. Sie haben aber mit prinzipiellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die größte Hürde besteht in der Vielgestaltigkeit der Erreger, der Plasmodien. Werden durch die Impfung nicht alle Malariaparasiten beseitigt, führt das unweigerlich zur Selektion von noch gefährlicheren Stämmen. Eine Impfung, die nicht zu hundert Prozent wirkt, erreicht damit letztlich das Gegenteil: Statt die Parasiten zurückzudrängen und schließlich auszurotten, hilft sie ihnen. Die Plasmodien können unter dem hohen Selektionsdruck der Impfung optimiert und konditioniert werden - mit verheerenden Folgen. Auf diese Gefahr weisen Margaret Mackinnon und Andrew Read von der Universität Edinburgh in der Online-Zeitschrift "PloS Biology" hin.
Mit einem Experiment haben die schottischen Wissenschaftler eindrucksvoll belegt, daß es sich um kein theoretisches, sondern um ein höchst reales Risiko handelt. Eine Gruppe von Mäusen wurde zunächst mit dem Malariaerreger infiziert und dann medikamentös behandelt. Die Tiere galten danach als immun. Eine zweite Gruppe von Mäusen war zunächst nicht mit dem Malariaerreger in Kontakt gekommen, konnte also keine Immunität entwickeln.
Evolution der Erreger
Beide Gruppen wurden anschließend mit Malariaparasiten infiziert und in regelmäßigen Abständen für die Infektion weiterer Tiere herangezogen. Dabei zeigte sich, daß die Parasiten, die sich in den immunisierten Tieren vermehrt hatten, weitaus virulenter waren als jene in den nicht immunisierten Tieren. Unter dem Selektionsdruck hatte also eine Evolution bei den Erregern stattgefunden. Mackinnon und Read plädieren nun dafür, gegen die Malariaparasiten lieber nicht mit Impfungen vorzugehen. Es sei eher angebracht, sie in den Stechmücken zu bekämpfen oder nach einem Weg zu suchen, wie die Übertragung auf den Menschen von vorneherein verhindert werden kann.