25.06.2008 · Amerikanische Ärzte berichten von der ersten erfolgreichen Behandlung von fortgeschrittenem Hautkrebs durch die Infusion körpereigener geklonter Abwehrzellen. Die Forscher vermuten, dass die aufwendige Therapie für ein Viertel aller Patienten mit einem fortgeschrittenen Melanom in Frage kommen könnte.
Von Hildegard KaulenIn den Vereinigten Staaten wurde erstmals ein Patient mit fortgeschrittenem Hautkrebs ausschließlich durch die Infusion eigener Immunzellen geheilt, die man außerhalb des Körpers auf die Tumorabwehr vorbereitet hatte. Zwei Monate nach der Infusion waren selbst mit empfindlichen nuklearmedizinischen Verfahren keinerlei Anzeichen der Erkrankung mehr nachzuweisen, obwohl das Melanom bereits in die Lunge, das Rippenfell und in verschiedene Lymphknoten gestreut hatte. Auch 22 Monate später war der Krebs nicht wieder aufgetaucht. Zuvor war jede andere Therapie fehlgeschlagen.
Trotz dieses Erfolgs dämpfen die Wissenschaftler um Cassian Yee vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle die Erwartungen an die neuartige Immuntherapie. Der 52 Jahre alte Patient, dessen Krankengeschichte in der jüngsten Ausgabe des „New England Journal of Medicine“ (Bd. 358, S. 2698) vorgestellt wird, war der einzige Kranke einer neunköpfigen Studiengruppe, der durch die Therapie geheilt wurde. Bei den anderen Patienten wurde der Zustand bestenfalls stabilisiert.
Aufwendige Therapie
Weil die Immunzellen außerhalb des Körpers für ihre Aufgabe vorbereitet werden müssen, ist die Therapie zeitaufwendig und teuer. Außerdem müssen die Tumorzellen ein Merkmal - ein tumorspezifisches Antigen - aufweisen, das sie von den Körperzellen unterscheidet und für das Immunsystem erkennbar macht. Yee vermutet, dass die Therapie wegen dieser Einschränkungen für höchstens ein Viertel der Patienten mit einem fortgeschrittenen Melanom in Frage kommt. Zuvor müssen andere unabhängige Studien zeigen, dass die Heilung des 52 Jahre alten Mannes kein Einzelfall ist.
Das Besondere an dem neuen Verfahren ist die Auswahl der Immunzellen, die im Labor auf die Tumorabwehr vorbereitet werden. Während man bei früheren Versuchen Killerzellen verwendete, haben Yee und seine Kollegen Helferzellen genutzt. Killerzellen töten die Tumorzellen zwar direkt ab, gehen nach ihrer Rückkehr in den Körper aber auch schnell wieder zugrunde. Ihre Lebensdauer beträgt höchstens drei Wochen. Deshalb ist die Therapie mit tumorspezifischen Killerzellen - falls sie überhaupt wirkt - nur von kurzer Dauer.
Die Wirkung von Helferzellen
Außerdem sind die Zellen auf die Unterstützung von Helferzellen und deren Botenstoffe angewiesen, weshalb letztere immer mit verabreicht werden müssen. Yee und seine Kollegen setzten deshalb von Anfang an auf die Wirkung tumorspezifischer Helferzellen, die ihre Botenstoffe selbst produzieren. Sie vermuteten, dass diese Helferzellen nach der Infusion in die Blutbahn die für das Abtöten der Tumorzellen notwendigen Killerzellen rekrutieren, was bei dem geheilten Patienten auch tatsächlich der Fall war.
Die Helferzellen erhielten ihre Prägung durch die Konfrontation mit dem tumorspezifischen Antigen des Patienten. Dafür wurden aus dem Blut des Mannes zunächst zwei Sorten von Zellen isoliert: T-Zellen, zu denen auch die Helferzellen gehören, und Zellen, die ein Antigen präsentieren können. Letztere wurden mit dem tumorspezifischen Antigen beladen, so dass sie es anschließend unter den T-Zellen darbieten konnten. Die Helferzellen, die das Antigen erkannten, wurden vermehrt und dem Patienten in großer Zahl in die Blutbahn injiziert. Der Mann reagierte auf die Infusion lediglich mit grippeähnlichen Symptomen und zeigte auch später keine Nebenwirkungen.
Früherkennung bleibt wichtig
Anders als scharf gemachte Killerzellen ließen sich die Helferzellen, die auf das tumorspezifische Antigen abgerichtet worden waren, auch achtzig Tage später noch im Blut nachweisen. Obwohl nicht alle Tumorzellen des Patienten das für die Prägung verwendete Antigen trugen, wurde der gesamte Tumor ausgerottet. Offensichtlich setzte das Massensterben der Krebszellen so viele andere Antigene frei, dass der Körper in der Lage war, weitere Angriffe zu organisieren und den Krebs zu beseitigen.
Obwohl dieser Erfolg zeigt, dass schwarzer Hautkrebs durch eine Zelltherapie beseitigt werden kann, bleibt die Früherkennung ein wichtiges Standbein. Das Hautkrebs-Screening wird vom kommenden Monat an eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen sein. Allen Versicherten über 35 Jahren steht dann im Rhythmus von zwei Jahren eine standardisierte Untersuchung der Haut durch einen speziell geschulten Hausarzt oder Dermatologen zu.
Unklar ist allerdings noch, wie viel Geld die Ärzte dafür erhalten. Weil sich die zuständigen Gremien bisher noch nicht auf eine feste Vergütung einigen konnten - im Gespräch sind zwanzig bis vierzig Euro pro Untersuchung -, wird es vermutlich am 1. Juli auch noch keine Abrechnung über die Chipkarte geben. Die Patienten werden das Hautkrebs-Screening dann zunächst selbst bezahlen und ihre Krankenkasse um Kostenerstattung bitten müssen. Deutschland ist damit weltweit das erste Land, in dem das flächendeckende Screening für Hautkrebs eingeführt wird.
Endlich
Christian Studtrucker (studi0815)
- 20.06.2008, 11:35 Uhr
Hoffnungsschimmer
Markus Moll (mmoll)
- 20.06.2008, 17:25 Uhr