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Krebstherapie Das richtige Signal

 ·  Ein Wirkstoff gegen das bösartige T-Zell-Lymphom ist gefunden worden. Vorausgegangen sind langwierige biomolekulare Studien am Mausmodell.

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Das anaplastische großzellige Lymphom gilt als heimtückische Erkrankung, die häufig bei Kindern, aber auch bei jungen Erwachsenen anzutreffen ist. Dabei vermehren sich weiße Blutzellen vom Typ der T-Zellen ungehemmt im Knochenmark und den Lymphdrüsen. Zwar gelingt es oft, die Krankheit zurückzudrängen. Gefürchtet sind aber Rückschläge, da eine Heilung dann nicht mehr möglich ist. Eine internationale Forschergruppe hat nun bei der Behandlung des aggressiven Lymphdrüsenkrebses ein Durchbruch erzielt, nachdem sie zuvor in einem Mausmodell molekulare Grundlagen des Krankheitsmechanismus entschlüsseln konnten. Die Wissenschaftler um den Spezialisten für molekulare Pathologie Lukas Kenner vom Ludwig Boltzmann Institut in Wien berichten jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Nature Medicine“ (doi: 10.1038/nm2966) über die Behandlung und ihre Ergebnisse.

Schneller Erfolg

Ein junger Mann, der auf die konventionelle Chemotherapie nicht mehr angesprochen hatte und einen Rückfall nach einer Knochenmarktransplantation erlitt, erhielt das Medikament Imatinib. Die Ärzte beobachteten einen verblüffenden Verlauf: Zehn Tage nach Behandlungsbeginn hatte die Krankheit sich nahezu vollständig zurückgebildet, 22 Monate danach ist der Patient weiterhin in exzellentem Zustand. Aufgrund der Analyse von molekularen Vorgängen an transgenen Mäusen vermuteten die Wissenschaftler eine Beteiligung eines für die Signalkette in der Zelle wichtigen Rezeptors. Imatinib hemmt diesen als Platelet-derived-Growth-Factor vom Typ Beta (PDGFR) bezeichneten Rezeptor. Die Substanz wird bereits als Hemmstoff der Rezeptor-Thyrosinkinase KIT erfolgreich bei der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie und zur Therapie der seltenen Stromatumoren im Magen-Darm-Trakt verwendet.

Neue Therapie bei schlechter Prognose

Bislang war die zentrale Rolle von PDGFR beim anaplastischen großzelligen Lymphom nicht bekannt. Offenbar kommt ihm bei der Krankheitsentstehung eine zentrale Bedeutung zu. Das Lymphom zeichnet sich in der Mehrzahl der Fälle durch eine Translokation in den Chromosomen aus, die zur Expression eines Onkoproteins führt. Über die Zwischenstationen zweier Aktivatorpoteine - JUN und JUNB - wird der Rezeptor reguliert. An dieser Stelle greift Imatinib ein und unterbricht die für das Tumorwachstum notwendige Signalkette. Noch sind nicht alle molekularen Schritte identifiziert, die bei der Erkrankung ebenfalls eine Rolle spielen könnten. Doch schon jetzt zeichnet sich ein neuer Therapieansatz für Patienten mit bislang schlechten Prognosen ab.

Kein Erfolg ohne Tierversuche

Im Gespräch weist der Leiter der Wiener Arbeitsgruppe noch auf einen weiteren Aspekt hin. Derzeit wird in Österreich intensiv über Tierschutz debattiert. Die exakte Entschlüsselung der Krankheitsmechanismen dieses Lymphdrüsenkrebses konnte aber nur mit einem transgenen Mäusemodell gelingen, in dem die Krankheit gleichsam simuliert wurde. Dass dieser Weg zum Segen der Patienten erfolgreich war, solle jenen zu denken geben, die Tierversuche nahezu gänzlich verbieten wollen.

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