01.07.2003 · Ein neues Verfahren, das Bilder mit Kernspin- oder Magnetresonanz-Tomographie abwandelt, ist offenbar hervorragend geeignet, selbst kleinste Tochtergeschwülste in Lymphknoten zu entdecken.
Von Martina Lenzen-SchulteWie man den Prostatakrebs am erfolgreichsten angeht, hängt davon ab, ob der Tumor schon in die Lymphbahnen gestreut hat oder nicht. Ein neues Verfahren, das die herkömmliche Bildgebung mit der Kernspin- oder Magnetresonanz-Tomographie abwandelt, ist offenkundig hervorragend geeignet, selbst kleinste Tochtergeschwülste in Lymphknoten zu entdecken. Das belegen jedenfalls neue Ergebnisse, die an der Harvard Medical School in Boston und dem Universitätsklinikum in Nijmegen erzielt worden sind.
Die Mediziner haben 80 Männer, bei denen ein Prostatakarzinom festgestellt worden war, mit verschiedenen bildgebenden Verfahren untersucht und ihnen danach in einem chirurgischen Eingriff verdächtige Lymphknoten entfernt, die alle feingeweblich nach Metastasen durchmustert wurden. Bei 33 Tumorkranken wurde man fündig. In knapp einem Fünftel der insgesamt rund 300 entfernten Lymphknoten ließ sich bösartiges Gewebe nachweisen. Mehr als 70 Prozent dieser Metastasen waren mit den traditionellen Suchverfahren nicht entdeckt worden. Auf den Bildern, die man nach der neuen Methode gewonnen hatte, war hingegen kein einziger der befallenen Lymphknoten verborgen geblieben.
Lymphknoten sind Überwachungsstationen
Lymphknoten stellen äußerst effektive Überwachungsstationen für gefährliche Eindringlinge wie Erreger oder Krebszellen dar. Das macht man sich bei dem neuen Verfahren zunutze, indem man vor der Untersuchung Nanopartikeln in den Blutkreislauf spritzt, die einen superparamagnetischen Kern aus Eisenoxyd enthalten ("New England Journal of Medicine", Bd. 348, S. 2491). Freßzellen nehmen das fremde Material auf und gelangen im Laufe von etwa 24 Stunden in die Lymphknoten. Diese Freßzellen - und somit auch die signalgebenden Nanopartikeln - verteilen sich normalerweise gleichmäßig über den gesamten Lymphknoten. Die Metastase läßt hingegen eine solch homogene Verteilung nicht zu, so daß sich der Krebsherd gleichsam als Aussparung des Signals bemerkbar macht.
Da kein anderes bildgebendes Verfahren eine derartig verläßliche Aussage über die Besiedelung der Lymphknoten gestattet, konnte ein möglicher Befall bislang nur anhand einer Gewebeuntersuchung geklärt werden. Diese Maßnahme birgt indes Risiken, denn die Krebszellen können breit gestreut sein, so daß für die Suche nach den befallenen Lymphknoten ein verhältnismäßig großer chirurgischer Eingriff notwendig ist. Zudem verbergen sich manche Herde in Regionen, in denen der Chirurg üblicherweise nicht sucht. Neun derartig versteckt liegende Lymphknoten-Metastasen hat man bei den in Boston und Nijmegen untersuchten 80 Patienten gefunden.
Lage der Lymphknoten erfaßbar
Ein weiterer Vorteil des neuen Verfahrens besteht darin, daß sich die Lage der befallenen Lymphknoten und ihre Beziehung zu wichtigen Gefäßen und Nerven hervorragend räumlich darstellen läßt. Das erleichtert dem Chirurgen eine exakte Planung des Eingriffs. Angesichts der vielversprechenden Möglichkeiten testet man das Verfahren nun auch bei anderen Tumoren im Bauchraum sowie bei Krebserkrankungen, die Kopf, Hals oder Brust betreffen.