25.02.2009 · Zwei internationale Studien wecken Zweifel am Erfolg der Stents bei schweren Herzleiden. Im Fall deutlicher Verengungen der Kranzarterien sind Bypass-Operationen demnach ein besserer Schutz vor Herzattacken.
Von Nicola von LutterottiEine Bypass-Operation scheint Patienten mit ausgeprägten Verengungen der Kranzarterien nachhaltiger vor Herzattacken zu schützen als die Implantation von metallenen Gefäßstützen, den sogenannten Stents. Hinweise auf einen solchen Zusammenhang liefern zumindest die Ergebnisse einer großen klinischen Studie namens Syntax, an der insgesamt 85 Zentren in Europa und den Vereinigten Staaten beteiligt waren ("New England Journal of Medicine", Bd. 360, S. 961). Dass eine Herzoperation Patienten mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit eher zugute kommt als eine Kathetertherapie, belegen zwar auch die Resultate früherer Untersuchungen. Da die Stents eine enorme technische Entwicklung durchlaufen haben, war gleichwohl ungewiss, ob sich die Situation inzwischen geändert hat.
Um eine Antwort auf diese Frage bemüht, haben Ärzte um den niederländischen Kardiologen Patrick Serruys von der Universität in Rotterdam 1800 Männer und Frauen mit schwerem Engpass in entweder einem Hauptstamm oder drei Seitenästen des arteriellen Herzgefäßbaums nach den Regeln des Zufalls auf jeweils eine von zwei Arten behandelt: Mit einer Bypass-Operation oder mit Stents, die das Zellwachstum hemmende Medikamente freisetzen. Ziel der Beschichtung mit Zytostatika ist es, den überschießenden Wucherungen in der gestützten Ader - einem häufigen Grund für Rückfälle - entgegenzuwirken. Wie die Autoren im "New England Journal of Medicine" (Bd. 360, S. 961) berichten, erlitten im Verlauf eines Jahres 17,8 Prozent der mit Gefäßstützen versehenen, aber nur 12,4 Prozent der operierten Patienten eine schwere Herz-Kreislauf-Attacke.
Sparsamer Umgang mit Stents geboten
Der gesundheitliche Rückstand der mit Stents versorgten Herzkranken beruhte dabei in erster Linie auf einem erhöhten Risiko von Rückfällen. So mussten sich in dieser Gruppe 13,5 Prozent der Patienten aufgrund anfallartiger Herzschmerzen abermals einem Eingriff an den Kranzarterien unterziehen, im operierten Kollektiv demgegenüber nur sechs Prozent. Andere Arten von Herzattacken, etwa Infarkte und ein Herztod, kamen indes in beiden Gruppen gleich oft vor. Hirnschläge ereigneten sich etwas öfter bei den chirurgisch behandelten Patienten - vermutlich, weil diese vergleichsweise selten Gerinnungshemmer erhalten hatten. Wie der amerikanische Kardiologe David Hillis von der University of Texas in Austin in einem Kommentar hervorhebt, dürfe man auch nach einer Bypass-Operation keineswegs auf solche Mittel verzichten.
Herzchirurgen monieren schon seit längerem, dass Patienten mit koronarer Herzkrankheit häufig erst zu ihnen gelangen, wenn sie schon geradezu gespickt mit Stents sind. Je größer aber die Zahl solcher Implantate, desto schwieriger wird es, Umgehungsgefäße einzunähen. Ein sparsamer Umgang mit den metallenen Stützen erscheint auch deshalb geboten, weil eine solche Behandlung zwar die Angina pectoris umgehend lindert, die Lebenserwartung der Betroffenen aber nicht bessert. Mit der Anzahl an implantierten Gefäßstützen scheint sich diese sogar zu verschlechtern. Das legen jedenfalls die Ergebnisse einer weiteren europäisch-amerikanischen Studie nahe.
Kontrolle und Augenmaß
In dem Fame genannten Projekt wurde untersucht, wie sich eine den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechende Kathetertherapie im Vergleich zur praxisüblichen auf die Prognose von Patienten mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit auswirkt. Angeraten ist die Implantation von Stents nämlich nur in Gefäßengpässen, die für die Angina pectoris verantwortlich sind. Im klinischen Alltag werden aber vielfach auch weniger schwerwiegende Engstellen mit den metallenen Implantaten versehen. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass sich die Schmerz auslösenden Gefäßverengungen nicht immer ohne weiteres von den harmloseren unterscheiden lassen. Wie Kritiker monieren, sollten Patienten mit mehreren ausgeprägten Arterienengpässen im Herzen aber ohnehin häufiger an den Chirurgen überwiesen werden.
Die Teilnehmer der vorliegenden Studie, mehr als tausend Männer und Frauen mit mindestens zwei verengten Kranzarterien, unterzogen sich alle einem Eingriff mit dem Herzkatheter. Bei einer Hälfte der Probanden überließen die Autoren es den behandelnden Kardiologen, welche Engstellen sie mit Stents versorgen wollten. Bei den übrigen Patienten waren die Ärzte angehalten, das Ausmaß des Strömungshindernisses in der verlegten Ader mit einem speziellen Verfahren, dem Druckdraht-Verfahren, zu erfassen.
Wie der niederländische Kardiologe Pim Tonino vom Catharina-Hospital in Eindhoven und die anderen Forscher im gleichen medizinischen Journal schreiben (Bd. 360, S. 213), erhielten die "nach Augenmaß" behandelten Patienten durchschnittlich knapp drei und die anderen zwei Stents pro Person. Was die Häufigkeit von schweren Herz-Kreislauf-Attacken anging, erwies sich das zurückhaltende Vorgehen als deutlich vorteilhafter. In diesem Kollektiv erlitten 67 Patienten innerhalb eines Jahres einen Herzinfarkt, einen Herztod oder einen behandlungsbedürftigen Rückfall, in der anderen Gruppe waren es 91. Was die Therapie mit Stents betrifft, scheint mehr somit oftmals weniger zu sein.
Lebensgewohnheiten,
Walter Russell (fritzjosef)
- 25.02.2009, 21:25 Uhr
So weit wird es bei mir nicht kommen...
kristian kroflin (kroflin)
- 26.02.2009, 12:48 Uhr