Home
http://www.faz.net/-gwz-73tkr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.10.2012, 16:50 Uhr

Jeder Tag zählt Auch späte Frühgeburten sind riskant

Babys sollten so lange wie möglich im Bauch bleiben. Um Hirnschäden möglichst sicher zu vermeiden, zählt jeder Tag. Sind vorgezogene Kaiserschnitte bedenklich?

© dpa In Deutschland kommen inzwischen zwanzig Prozent aller Neugeborenen zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt.

Kinder, die „nur“ einige Wochen vor dem Geburtstermin zur Welt kamen, entgingen lange Zeit der Aufmerksamkeit der Ärzte. Anders als die extremen Frühgeburten mit einem Kilogramm Körpergewicht und unübersehbarer Mangelentwicklung schienen diese Kinder deutlich robuster zu sein. Dass der Eindruck trügt, belegt der Neonatologe Christian Poets von der Universitätsklinik Tübingen zusammen mit Kollegen aus der Frauenheilkunde in einer in wenigen Tagen

im „Deutschen Ärzteblatt“ erscheinenden Analyse (Bd. 109, S. 721). Die Mediziner haben Studien gesichtet, die sich mit den erhöhten Gesundheitsrisiken derer befassten, die zwar nicht extrem unreif, aber doch erkennbar zu früh auf die Welt kommen, meist zwischen der 34. und der fast vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Anhand von Kriterien wie Sterblichkeit um den Geburtstermin, Hirnschäden, körperliche Erkrankungen oder schulische Leistungen wird deutlich, dass offenbar jeder Tag länger im Mutterleib die Dinge zum Besseren wendet.

Das Risiko der späten Frühchen, eine Lähmung aufgrund von Nervenschäden im Gehirn zu erleiden, ist dreifach höher als dasjenige ganz reif geborener Babys. Liegt die Geburt zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche, verdoppelt sich im Vergleich zu reif geborenen Kindern das Risiko, eine Schulklasse wiederholen zu müssen. In Deutschland kommen inzwischen zwanzig Prozent aller Neugeborenen zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt, fünf Prozent werden vier bis sechs Wochen zu früh geboren.

Vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse ist die Praxis, beim geplanten Kaiserschnitt zwei Wochen vor dem Termin zu entbinden, zumindest bedenklich. In den Vereinigten Staaten feilt man schon an Konzepten, den Ungeborenen mehr Zeit zu erkämpfen: Dort zeigte eine Studie, dass das Verbot in einer Klinik, eine Schwangerschaft um mehr als eine Woche zu früh zu beenden, den Anteil der Neugeborenen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, erkennbar zurückgehen ließ.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zika Globaler Kampf gegen ein explosives Virus

Das Zika-Virus in Lateinamerika befeuert die Debatte um ein Verbot des Schwangerschaftsabbruchs. Denn in den meisten Staaten ist Abtreibung äußerst streng geregelt - und unter sicheren Umständen kann die sich nur die Oberschicht leisten. Mehr Von Matthias Rüb, SÃO PAULO

04.02.2016, 09:33 Uhr | Gesellschaft
Schussfahrt im Schnee Mit dem Fatbike die Piste hinunter sausen

Im Schweizer Skiressort Gstaad fand am vergangenen Wochenende das Mountain Biking Snow Festival statt. Mit sogenannten Fatbikes lassen sich viele Pisten auch im Schnee wunderbar fahren. Die Räder sind mit großen Ballon-Reifen und Spikes ausgestattet. Mehr

26.01.2016, 17:52 Uhr | Sport
Zika-Virus WHO erklärt globalen Gesundheitsnotstand

Die Folgen des Zika-Virus’ für Neugeborene können tödlich sein. Um der Verbreitung des Erregers Herr zu werden, hat die Weltgesundheitsbehörde WHO nun reagiert – und den globalen Notstand ausgerufen. Mehr

01.02.2016, 19:43 Uhr | Gesellschaft
Virus in Texas Erste Zika-Infektion durch ungeschützten Sex

Im amerikanischen Bundesstaat Texas ist ein Zika-Fall bekannt geworden, bei dem das Virus durch Sexualkontakte übertragen wurde. Die Seuchenschutzbehörde der Vereinigten Staaten geht zwei weiteren Zika-Fällen nach, die mit Sexualkontakten zu tun haben könnten. Schwangere können das Virus an ihre ungeborenen Kinder weitergeben, bei denen es offenbar Fehlbildungen wie Mikrozephalie verursachen kann. Mehr

03.02.2016, 17:32 Uhr | Gesellschaft
Neue Erkenntnisse zum Virus Zika verursacht wohl tatsächlich Schädelfehlbildungen

Der Verdacht auf eine Schädel-Fehlbildung bei Säuglingen durch das Zika-Virus erhärtet sich. Wissenschaftler konnten einen Zusammenhang zwischen Virus-Erkrankung der Mutter und Mikrozephalie beim Kind nachweisen. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt

11.02.2016, 16:55 Uhr | Gesellschaft