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Jeder Tag zählt Auch späte Frühgeburten sind riskant

 ·  Babys sollten so lange wie möglich im Bauch bleiben. Um Hirnschäden möglichst sicher zu vermeiden, zählt jeder Tag. Sind vorgezogene Kaiserschnitte bedenklich?

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Kinder, die „nur“ einige Wochen vor dem Geburtstermin zur Welt kamen, entgingen lange Zeit der Aufmerksamkeit der Ärzte. Anders als die extremen Frühgeburten mit einem Kilogramm Körpergewicht und unübersehbarer Mangelentwicklung schienen diese Kinder deutlich robuster zu sein. Dass der Eindruck trügt, belegt der Neonatologe Christian Poets von der Universitätsklinik Tübingen zusammen mit Kollegen aus der Frauenheilkunde in einer in wenigen Tagen

im „Deutschen Ärzteblatt“ erscheinenden Analyse (Bd. 109, S. 721). Die Mediziner haben Studien gesichtet, die sich mit den erhöhten Gesundheitsrisiken derer befassten, die zwar nicht extrem unreif, aber doch erkennbar zu früh auf die Welt kommen, meist zwischen der 34. und der fast vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Anhand von Kriterien wie Sterblichkeit um den Geburtstermin, Hirnschäden, körperliche Erkrankungen oder schulische Leistungen wird deutlich, dass offenbar jeder Tag länger im Mutterleib die Dinge zum Besseren wendet.

Das Risiko der späten Frühchen, eine Lähmung aufgrund von Nervenschäden im Gehirn zu erleiden, ist dreifach höher als dasjenige ganz reif geborener Babys. Liegt die Geburt zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche, verdoppelt sich im Vergleich zu reif geborenen Kindern das Risiko, eine Schulklasse wiederholen zu müssen. In Deutschland kommen inzwischen zwanzig Prozent aller Neugeborenen zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt, fünf Prozent werden vier bis sechs Wochen zu früh geboren.

Vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse ist die Praxis, beim geplanten Kaiserschnitt zwei Wochen vor dem Termin zu entbinden, zumindest bedenklich. In den Vereinigten Staaten feilt man schon an Konzepten, den Ungeborenen mehr Zeit zu erkämpfen: Dort zeigte eine Studie, dass das Verbot in einer Klinik, eine Schwangerschaft um mehr als eine Woche zu früh zu beenden, den Anteil der Neugeborenen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, erkennbar zurückgehen ließ.

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