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Interview mit Michael de Ridder Sterben gehört nicht ins Krankenhaus

Der Notfallmediziner Michael de Ridder leitet das neugegründete Hospiz des kommunalen Krankenhausunternehmens Vivantes in Berlin. Im Interview erklärt er, worum es am Lebensende geht: um umfassende Symptomlinderung zum einen, vor allem aber um Gespräche und die großen Fragen des Lebens.

© Monique Wuestenhagen Vergrößern Das neue Vivantes-Hospiz auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums

Herr de Ridder, Sie haben sich öffentlich immer wieder dafür eingesetzt, dem Sterbeprozess und seiner Gestaltung mehr Aufmerksamkeit und mehr Ressourcen zukommen zu lassen und die Patientenautonomie gerade im Hinblick auf das Lebensende ernst zu nehmen. Wie konnten Sie mit Ihren Vorstellungen mitwirken an der Gestaltung des ersten Vivantes-Hospizes?

Ich war in alle Aspekte der Gründung und Planung des Hospizes, die auch die künstlerische Ausgestaltung des denkmalgeschützten Gebäudes durch den namhaften Künstler Anton Henning umfasste, eingebunden. Primär aber geht es um das Versorgungs- und Pflegekonzept: Neben bester medizinischer und pflegerischer Versorgung sind für uns Wunsch und Wille des Patienten, seine Hoffnungen und Erwartungen, soweit er sie noch auszudrücken vermag, Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit. Nicht wenige Menschen wollen am Lebensende jedoch am liebsten all ihr eigenes Wollen „abgeben“ und sich völlig in die Obhut anderer begeben. Auch das nehmen wir an und erfüllen es so gut wie möglich: Achtsamkeit, Respekt und Herzenswärme - diese drei Säulen tragen die Arbeit unseres Hospizes.

In Ihrer Eröffnungsrede sagten Sie, dass Sie sich wünschen, das neue Hospiz stoße auch eine allgemeine Debatte an. Wo steht die Debatte über die Betreuung Sterbender derzeit?

Man kann derzeit feststellen, dass neben dem kurativen Auftrag der Medizin auch ihr palliativer Auftrag zunehmend ernst genommen wird: Palliativmedizin ist ärztliches Prüfungsfach geworden, wir haben mehr Palliativstationen, wir haben mehr Ärzte mit der Zusatzausbildung Palliativmedizin, die Hospizbewegung ist dabei, einen großen Aufschwung zu nehmen. Von der Gesellschaft selbst wird das Anliegen einer besseren Versorgung am Lebensende immer vernehmlicher formuliert. Von daher gerät die kurative Medizin unter einen gewissen Druck, im Übrigen natürlich nicht zuletzt durch den demographischen Wandel. Wir werden künftig eine wachsende Zahl Schwerstkranker und chronisch Kranker sowie Pflegebedürftiger zu versorgen haben. Für diese Menschen - und die Krebskranken machen nur einen kleinen Teil von ihnen aus - gilt der palliative Auftrag. Wenn wir ihn wirklich ernst nehmen, werden wir den Pflegeberuf aufwerten müssen, was primär eine Aufgabe der Politik ist. Das bedeutet auch, dass es künftig eine Verschiebung der Ressourcen wird geben müssen, personell wie finanziell, weg von der Akutmedizin - die an Bedeutung verlieren wird - und hin zu einer palliativ orientierten Medizin.

Wie viele Plätze hat das Vivantes-Hospiz für solche schwerkranken Patienten am Lebensende?

Sechzehn Plätze sind von den Kostenträgern vorgeschrieben, und das ist richtig so. Der intime Charakter, den solche Einrichtungen haben sollten, ginge sonst verloren.

Dr. Michael de Ridder - Der Chefarzt der Rettungsstelle im Vivantes-Klinikum in Berlin ist ein Experte für Hospize und beantwortet die Fragen von Christina Hucklenbroich in der Berliner F.A.Z.-Redaktion © Lüdecke, Matthias Vergrößern Michael de Ridder

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Hospiz wie dem, was Sie in Berlin gerade eröffnet haben, und Palliativstationen an Krankenhäusern?

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