05.01.2005 · Bereits seit geraumer Zeit ist bekannt, daß das Aidsvirus schwerwiegende Augenerkrankungen hervorrufen kann. Afrikas Sonne beschleunigt den Prozeß zum Bindehautkrebs.
Weltweit sind mehr als 40 Millionen Menschen mit dem Aidserreger HIV infiziert. Davon leben rund 30 Millionen in Afrika südlich der Sahara. Man weiß seit langem, daß eine Infektion mit dem Aidsvirus auch schwerwiegende Augenerkrankungen hervorrufen kann. Zusammen mit der Sonne Afrikas bereitet die Infektion offenbar einen Nährboden für Krebs und Krebsvorstufen der Augenbindehaut. Das führt dazu, daß HIV-Infizierte oft schon früh an einem Bindehautkarzinom erkranken, wie in der Zeitschrift "Der Ophthalmologe" (Bd. 101, S. 941 u. 1011) berichtet wird.
An der Universitätsklinik in Rostock hat man das Tumorgewebe von 34 in der Universitätsklinik in Kinshasa (Kongo) operierten Patienten feingeweblich untersucht. Dabei fiel auf, daß die 18 HIV-positiven Patienten im Durchschnitt erst 41 Jahre alt waren. Eine Arbeitsgruppe der Universitätsaugenklinik in Halle fand in Zusammenarbeit mit amerikanischen Kollegen und Ärzten der Acha Annex Eye Clinic in Bafoussam in Kamerun ebenfalls, daß alle 23 Patienten, bei denen sie ein Karzinom der Bindehaut operierten, HIV-positiv und deutlich jünger waren, als üblicherweise zu erwarten wäre.
Nur wenige Betroffene lassen sich operieren
Die Beobachtungen tragen weitere Puzzleteile zu dem noch äußerst lückenhaften Bild bei, das man von Augenerkrankungen infolge von HIV-Infektionen hat. Seit Jahren beobachtet man, daß die Plattenepithelkarzinome der Bindehaut früher entstehen und in vielen Gegenden Afrikas viel häufiger vorkommen als früher. Überdies sind die Tumoren ungewöhnlich aggressiv. Nicht nur die ultraviolette Strahlung, sondern auch eine Beeinflussung des Tumorsuppressorgens p53 durch das Virus könnte hierbei eine Rolle spielen. Die Zusammenhänge sind auch deshalb schwer zu ergründen, weil ohnehin nur ein Teil der Patienten in eine Klinik kommt und sich viele von ihnen nicht operieren lassen, hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Da die überwiegende Zahl der Kranken ohnehin zu Heilern geht und ihr Leiden eher mit einem bösen Zauber als mit einer HIV-Infektion erklärt, kann man das wahre Ausmaß des Tumorbefalls kaum richtig abschätzen.