28.11.2005 · Bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Malaria spielen auch auf die immunologischen Verstärker eine wichtige Rolle. In Afrika durchgeführte Tests an Kindern zeigten bereits erste Erfolge.
Von Barbara HobomBei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Malaria kommt es nicht nur auf die Auswahl der Parasiten-Antigene an, die das Immunsystem gegen den Erreger abwehrbereit machen sollen. Auch die immunologischen Verstärker, die sogenannten Adjuvantien, spielen eine wichtige Rolle. Durch geschickte Kombination beider Bestandteile ist es Forschern um Pedro Alonso von der Universitätsklinik in Barcelona gelungen, eine Malaria-Schutzimpfung für Kinder zu entwickeln, die so lange wirksam ist wie bislang noch kein anderer Impfstoffkandidat.
Die Wissenschaftler wählten als Impfantigen eine Oberflächenstruktur der Zirkumsporozoiten, jener Parasitenform des Erregers Plasmodium falciparum, die bei einem Stich von einem Moskito auf den Menschen übertragen wird, in seine Blutbahn gelangt und schließlich Leberzellen befällt. Mit Abwehrreaktionen gegen diese Proteinstruktur will man den Erreger am Befall der Leber hindern und auf diese Weise seine weitere Entwicklung blockieren.
Impfstoff vorher an Erwachsenen getestet
Die Forscher haben die Immunabwehr erheblich verstärkt, indem sie das Parasiten-Antigen an die Oberflächenstruktur des Hepatitis-B-Virus (HBsAg) koppelten und dem Impfstoff als Adjuvans außerdem lösliches Hepatitis-B-Antigen zusetzten. Zudem verwendeten sie eine Wasser-in-Öl-Immersion als Impfflüssigkeit, der sie weitere Adjuvantien zufügten.
Nachdem der Impfstoff vor acht Jahren zunächst an einigen freiwilligen Erwachsenen auf seine Verträglichkeit und Wirksamkeit untersucht worden war, hatte man mit Versuchen bei Kindern in Malariagebieten Afrikas begonnen. Die meisten der zwei bis drei Millionen Todesopfer, welche diese Krankheit in jedem Jahr fordert, sind kleine Kinder mit noch nicht ausgereiftem Immunsystem.
Geimpfte Kinder erkrankten nicht lebensbedrohlich
Erste Impfversuche, die sich zunächst über ein halbes Jahr erstreckten, hatten gezeigt, daß man mit der von der Firma GlaxoSmithKline entwickelten Vakzine RTS, S/AS02A bei etwa der Hälfte der Kinder im Alter von einem bis vier Jahren eine besonders schwere Erkrankung verhindern konnte. Eine jetzt online in der Zeitschrift „Lancet“ veröffentlichte Studie, die sich auf Schutzimpfungen an zweitausend Kindern in ländlichen Gebieten Mocambiques bezieht, bestätigt die Schutzwirkung der Vakzine nun über einen längeren Zeitraum.
Auch achtzehn Monate nach der Impfung hatte der Schutz nicht nachgelassen. Zwar vermochte die Vakzine nur bei jedem dritten Kind eine Malariaerkrankung zu verhindern, aber entscheidend war, daß die Hälfte der infizierten Kinder nicht mehr lebensbedrohlich erkrankte. Die Wissenschaftler werten dies als einen wichtigen Erfolg auf dem Weg zu einer Schutzimpfung gegen die Malaria.
Alle Parasitenformen lahmlegen
Der Weg ist indessen noch weit, denn die Forschung hat gezeigt, daß es wohl kaum gelingen dürfte, eine Schutzimpfung zu entwickeln, die nur gegen eine Form des sich in seinem Lebenszyklus mehrfach wandelnden Erregers gerichtet ist. Die Wissenschaftler sind inzwischen überzeugt, daß möglichst viele Strukturelemente des Erregers zu verwenden sind, will man einen sicheren Impfschutz erzielen.
So kombinieren sie in neueren Formen von Vakzine-Kandidaten mitunter fast ein Dutzend Plasmodium-Antigene. Anfangs hatte man vor allem den in die Blutbahn eindringenden Parasiten im Visier. Nun versucht man stärker auch jene Parasitenform lahmzulegen, die sich, aus der Leber kommend, in den roten Blutzellen vermehrt, die Erythrozyten zerstört und so das eigentliche Krankheitsbild auslöst.