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Immuntherapie gegen Krebs Der Tumor ist eine Festung - doch man kann sie durchbrechen

Die Krebsmedizin hofft schon lange auf Impfstoffe, die auf den individuellen Antigenen eines Tumors basieren. Der Erfolg scheint in greifbare Nähe zu rücken.

© dpa Vergrößern Krebs-Prüfzentrum: Hier werden neue Immuntherapien getestet.

Es war Ende 1975, er war gerade 21. Bei Anton Wulf* war ein malignes Melanom diagnostiziert worden. Der schwarze Hautkrebs hatte sich bereits in den Lymphknoten ausgebreitet, die Ärzte versuchten, die Metastasen zu entfernen. Allerdings gelang es ihnen nicht vollständig. Damit sich der Verlauf des aggressiven Tumors verlangsamt, wurde der junge Patient mit intensiver Chemotherapie behandelt, außerdem erhielt er eine der ersten „Krebsimpfungen“: Die eigenen entfernten Tumorzellen wurden abgetötet und ihm alle zwei Wochen wieder verabreicht. Mit diesem letzten Versuch erhofften sich die Forscher um Lloyd Old vom Sloan-Kettering Cancer Center in New York, das Immunsystem des Patienten gegen den Krebs zu aktivieren, so dass es die restlichen bösartigen Zellen zerstört. Doch zwei Jahre später kehrte der Krebs zurück. Wieder versuchten die Ärzte, die Geschwüre vollständig zu entfernen - ohne Erfolg. Dennoch hörten sie mit den Tumor-Impfungen nicht auf. Und trotz düsterer Prognose blieb die Krankheit in den folgenden Monaten und in den folgenden Jahren aus.

In der klinischen Praxis ist ein solcher Fall heute immer noch eine Ausnahme. Ein Melanom, das schon gestreut hat, gilt als unheilbar. Der Erfolg beim Patienten Wulf wurde aber nicht als solcher publiziert, weil nicht zu beweisen war, dass die Heilung - wenn auch nur teilweise - auf die Impfungen zurückzuführen war. Der erste eindeutige Beweis einer Reaktion des Immunsystems gegen Krebs kam erst später. Im Jahr 1991 gelang es der Gruppe um den Genetiker Thierry Boon am Ludwig Institute for Cancer Research (LICR) in Brüssel, auf den Tumorzellen einer anderen Melanom-Patientin eine Zielstruktur zu identifizieren, die von ihren Immunzellen erkannt wurde. Die sogenannten zytotoxischen T-Lymphozyten dockten an das aus der Oberfläche herausragende Stück Protein an und töteten die Tumorzelle in der Petrischale. Das Protein, aus dem das Bruchstück stammte, nannten die Forscher „Mage-1“ (Melanoma-Antigen 1).

krebs © dpa Vergrößern Eine wandernde Krebszelle: Nahezu jede Minute erkrankt in Deutschland ein Mensch neu an Krebs

Das Bruchstück selbst war das erste der etwa 400 Tumorantigene, die man mittlerweile bei den unterschiedlichsten Krebsarten entdeckt hat. Mit einigen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren Tausende von Patienten geimpft, mit dem Ziel, die eigenen Immunzellen gegen das Antigen und somit auch gegen den Krebs zu richten. Doch die Erfolge blieben spärlich: Weniger als vier Prozent der Behandelten zeigten eine deutliche Rückbildung der Tumore, geschweige denn Heilung - diese gibt es bis heute so gut wie nicht. Auch bei dem seit 2010 in den Vereinigten Staaten zugelassenen ersten Impfstoff „Sipuleucel-T“ kann von Heilung keine Rede sein: Beim fortgeschrittenen Prostatakrebs strebt man eine Erhöhung der Lebenserwartung um vier Monate an.

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