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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Immer öfter: Zweitmeinung Vorsicht Arzt!

 ·  Die Hälfte der Diagnosen falsch oder zu spät. Und das beim Verdacht Krebs. Können Tumorboards für Klarheit sorgen? Ein Markt für Zweitmeinungen entsteht.

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thomas röver

vorsicht arzt

als niedergelassener kassenarzt kann ich nur müde lächeln. bei einem massenansturm von patienten müssen wir unsere kostbare zeit genau einteilen(44 euro in hessen pro quartal).mit notdienstbereitschaft die wir auch zahlen etc.
nun der krebspatient : es gibt wenige parameter die uns helfen bei krebs eine nähere diagnose zu stellen. habe ich nun als spürhund einen patienten rausgefischt, verweigert ermir oft weitere untersuchungen.
ach und die tumorboards der uni: sie sollen uns erst mal die arztbriefe für die laufende behandlung schicken, man wartet manchmal monate.....usw, usw.

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Michael Kirsch
Michael Kirsch (mk-dd) - 01.05.2012 15:45 Uhr

Frag drei Ärzte und Du hörst vier Meinungen!

Was viele ignorieren wollen - Medizin ist keine exakte Wissenschaft!

Auch bei Karzinomen kann man mit guten Grund verschiedene Ansichten vertreten, beim Prostatakarzinom wurde das ja hier schon beschrieben.
Wer sagt, dass die Ärzte, die die vorbehandelnden kritisierten, Recht hatten? Wer sagt, selbst wenn sie Recht hatten, dass sie das Bessere gemacht hätten?
So einfach ist das in der Medizin leider nicht.

Tumorboards können also die Diagnose und die Therapieempfehlung ändern. Gut, das kann ich problemlos akzeptieren. Aber hätten sie damit auch die bessere Empfehlung?
Das liegt so sehr bei dem Patienten, dass ich da voller Zweifel bin.
Ist es besser, Chemotherapie zu bekommen, 2-3 Jahren voller Nebenwirkungen und Leid um 1 Jahr länger zu leben?
Ist es besser, keine Therapie zu bekommen, 1 Jahr eher zu sterben aber von den 2 Jahren Restleben etwas zu haben?
Kann das eine Spezialistencrew entscheiden?

Nebenbei - die Überschrift ist m.E. peinlich reißerisch!

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Helmut Beermann

Das finde ich nun gemein

"Vorsicht Arzt!" ist mein Markenzeichen, natürlich nicht geschützt
Spaß beiseite: in der Tat wäre eine höhere diagnostische Qualität machbar, nur bezahlbar muss sie sein. Man sollte nicht vergessen, dass unser Gesundheitssystem als eines der besten der Welt gilt. Eine supergenaue Diagnose zu kennen und dann den alteren Menschen die Behandlung privat zu überlassen wie in England oder sie auf nicht endende Warteliste zu setzen wie in Skandinavien, wäre auch nicht die Lösung.
Perfekte Medizin im Solidarsystem ist einfach nicht möglich. Damit würden zu viele Interessen von weniger bedrohlich erkrankten Menschen unter den Tisch gekehrt. Oder sollte man die Krankschreibung bei einer Erkältung voll privat bezahlen?

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Wolfgang Ebel

auch Ärzte

können sich irren. Erhält ein Patient eine positive Diagnose, so sollte er sich nicht klaglos in sein Schicksal fügen, sondern immer eine Zweitmeinung einholen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Arzt auf eine OP drängt. Dies gilt insbesondere auch bei der " Altherrenkrankheit Prostata ". Wir wird zu oft und zu schnell operiert. Nur selten erhält der operierte Patient dadurch mehr Lebensqualität. Im Schnitt ist eher das Gegenteil richtig. Viele Urologen sagen den Patienten einfach nicht die Wahrheit über die aktuellen und nachweisbaren Erfolge. Das Risiko trägt immer letztlich der Patient selbst.

Die Patienten haben fast immer eine gewisse Scheu davor, ihren Arzt des Vertrauens zu wechseln. Das ist aber zu kurz gedacht. Als Betroffener weiss ich sehr genau, worüber ich schreibe.

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Harald HEINZ
Harald HEINZ (willer3) - 30.04.2012 19:02 Uhr

Fehlinfo brauchte bei dem aktuellen Stand der Technik und den Möglichkeiten der Datenvernetzung

absolut nicht mehr zu sein. Es müsste nur in stärkerem Masse der Wille zu Offenheit und Öffentlichkeit in die Tat umgesetzt zu werden. Das hiesige Saarland hat ein anonymes Krebsregister und vermutlich existieren noch mehrere in unserer Republik.
All diese Informationen zu vernetzen machte Sinn und um dazu beitragen, dass schneller und umfassender Entscheidungen in der Diagnose und Behandlung möglich würden.

Ferner trägt die Entwicklung von HANAN - Gründer Hasso Plattner vom Team der SAP - einem Echtzeit-Datenbanksystem mit der Möglichkeit sehr viele Einzeldaten in kürzester Zeit verfügbar zu machen, dazu bei. Soweit mir bekannt, arbeitet die Charité Berlin mit diesem System - nur was nützen diese punktuellen Datensammlungen - es gehören andere Zentren eingebunden, um auf grosser Basis möglichst passende Leitlinien für den individuellen Fall zu finden.

Hier könnte die Medizin noch punkten und den Ärzten viel Aufwand in der Entscheidung abnehmen - nur wer koordiniert?

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Claus-Peter Leonhardt

Iatrogene Schäden

Den Beginn "vor drei Jahren" zu datieren ist kühn. Davor lag die Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde "to err is human" in den 90er Jahren und davor lagen die Studien des Ivan Illich in den 70er Jahren. Ungehört alles. Inzwischen zählen ernstzunehmende Autoren die ärztliche Kunst unter den Todesursachen bei Platz 4 oder 5. Welche Dramen und Schmerzen hinter den Zahlen stecken, kann sich nur jemand vorstellen, der solches durch- und überlebt hat.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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