19.01.2006 · Der Magenkeim Helicobacter pylori ist krebserzeugend. Mit regelmäßiger Kontrolle durch Gewebeentnahmen der Magenschleimhaut kann der Keimbefall behandelt und so das Krebsrisiko eingeschränkt werden.
Von Martina Lenzen-SchulteBereits 1994 hat die Weltgesundheitsorganisation den Magenkeim Helicobacter pylori als definitiv krebserzeugend eingestuft. Obwohl man inzwischen gelernt hat, wirksame Maßnahmen gegen den schädlichen Keim zu ergreifen, ist die Lage verzwickt, wenn es darum geht, ihn auf breiter Front auszurotten.
Das geht aus einer Analyse des irischen Helicobacter-Experten Colm O'Morain hervor. Den aktuellen Stand der Forschung hat Burkhard von Rahden von der Chirurgischen Universitätsklinik der Technischen Universität München unlängst im Fachblatt „Der Chirurg“ (Bd.76, S.1181) erläutert.
Der Helicobacter mag salzreiche Ernährung
Durch Helicobacter steigt das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, auf das Drei- bis Sechsfache. Das ist inzwischen in mehreren Studien überzeugend nachgewiesen worden. Zahlreiche Einflüsse unterstützen die bösartigen Zellen bei ihrem bedrohlichen Werk. Anlagefaktoren wie etwa jene Veränderungen an bestimmten Entzündungsmediatoren, die die Magensäure hemmen - und dem Keim damit das Überleben erleichtern -, steigern das Krebsrisiko.
Gleiches gilt für eine salzreiche Ernährung, weil Salz die Ansiedlung von Helicobacter pylori begünstigt. Schließlich findet man, wie bei einer Vielzahl anderer krankmachender Erreger, auch innerhalb der Helicobacter-Spezies besonders aggressive Typen, die dann im Magen in höherer Dichte ihre Kolonien bilden und auch eine stärkere Entzündung der Schleimhaut hervorrufen.
Jährliche Kontrolle durch Gewebeentnahme
Da der Keim eine wesentliche Voraussetzung für die Karzinomentwicklung ist, stellt die konsequente Eliminierung mit Antibiotika - sowie die Ausheilung eventuell vorhandener Geschwüre - eine sinnvolle Vorbeugung dar. Allerdings muß so früh wie möglich gehandelt werden. Hat die Magenwand unter dem Einfluß der Keime und der Entzündung bereits ihr typisches Aussehen verändert, kann die Entwicklung eines Karzinoms nicht mehr ganz so leicht abgewendet werden.
Eine derartige Veränderung zeigt nämlich an, daß Gewebestrukturen, die eigentlich nicht in den Magen gehören, dort aufgrund von radikalen Umbauprozessen entstanden sind - und das ist besonders verdächtig. Empfohlen wird neben der unverzichtbaren Therapie der Helicobacter-Infektion auch eine jährliche Kontrolle, bei der Gewebeproben an mehreren vorgegebenen Stellen entnommen werden.
Verwandte von Erkrankten sollten auf Vorsorge achten
Patienten, die trotz einer solch engmaschigen Überwachung an einem Magenkarzinom erkranken, haben wenigstens vergleichsweise gute Heilungschancen. Weil der Krebs bei ihnen schon im Frühstadium entdeckt wird, sind ihre Überlebensaussichten um ein vielfaches höher als bei jenen Patienten, deren Magenkrebs eher zufällig bei einer Endoskopie aufgespürt wurde.
Ist jemand aus der Familie oder der sonstigen näheren Verwandtschaft bereits an einem Krebs am Magenausgang erkrankt, sind die Angehörigen besonders gefährdet und sollten sich auf einen möglichen Befall mit Helicobacter hin untersuchen lassen. Ein landesweites Screening, bei dem jeder Einwohner im Alter von 40 Jahren routinemäßig auf eine Helicobacter-Infektion untersucht würde, gilt indes nach wie vor nicht als sinnvoll.
Sterblichkeit durch Magenkrebs ist rückläufig
Zum einen läßt sich der Keim durch eine Antibiotikatherapie nicht in jedem Fall sicher eliminieren. Zum anderen steht zu befürchten, daß eine so breit angelegte Antibiotikabehandlung zu Resistenzen bei den Bakterien führen würde, die ihrerseits die Behandlungserfolge weiter einschränkten.
Immerhin ist die Sterblichkeit durch Magenkrebs in vielen industrialisierten Ländern rückläufig. Das trifft vor allem auf Japan zu. Der Rückgang wird darauf zurückgeführt, daß bei den Patienten, die durch ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür aufgefallen sind oder bei denen man womöglich zufällig eine Helicobacter-Infektion nachgewiesen hat, der Krebsentwicklung durch eine Behandlung des Keimbefalls nachhaltig vorgebeugt wurde.