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Hautkrebstherapie Melanomzellen wehren sich gegen den Tod

27.01.2009 ·  Tumorzellen gelingt es, das Selbstzerstörungsprogramm von Zellen zu unterlaufen. Wissenschaftler bemühen sich nun, genau diese Blockade außer Kraft zu setzen und Melanomstammzellen aus dem Verkehr zu ziehen.

Von Martina Lenzen-Schulte
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Noch immer gehen 90 Prozent aller Todesfälle, die durch Hauttumoren verursacht werden, auf den schwarzen Hautkrebs zurück. Die Aggressivität des Tumors tritt offen zutage, wenn er sich bereits auf andere Organe ausgebreitet hat. Damit ist bei etwa einem Drittel der Betroffenen schon zu rechnen, wenn die Diagnose gestellt wird. Für Chemotherapie und Bestrahlung ist es dann oft zu spät. Auch eine Operation verspricht nur eine Chance auf Heilung, wenn der Tumor früh genug entdeckt wird. Daher dürften viele Länder dem Beispiel Deutschlands folgen, das im Sommer als erstes Land der Welt eine Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Hautkrebs als Leistung der Krankenkassen eingeführt hat.

Angesichts der Hartnäckigkeit der bösartigen Melanomzellen hat man neue, auf das Immunsystem zielende Therapien entwickelt. Mit Interferonen oder Impfungen wird hierbei die Körperabwehr auf direktem Weg gestärkt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, aus dem Blut des Patienten sogenannte T-Abwehrzellen vom Typ CD-8 herauszufischen, sie im Reagenzglas für den Kampf gegen das Melanom zu trainieren und die Zellen dann wieder in die Blutbahn zu überführen. Solche Strategien sind aber ebenfalls nur bedingt wirksam. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Krebszellen über ausgeklügelte Strategien verfügen, den programmierten Zelltod, die Apoptose, zu verhindern. Dass es dennoch Hoffnung gibt, diesen Schutzschild künftig unterlaufen zu können, erläutert Martin Leverkus von der Universitätshautklinik in Magdeburg in der Fachzeitschrift "Acta Dermatologica" (Bd. 34, S. 313).

Die Blockade der Apoptose bei Melanomzellen unterlaufen

Apoptose bezeichnet ein uraltes Programm von Zellen, gezielt den eigenen Untergang herbeizuführen, etwa wenn sie überaltert sind. Tumorzellen können sich diesem Schicksal entziehen. Wie immer laufen entsprechende Programme in Stoffwechselkaskaden ab, bei denen zahlreiche Rädchen ineinandergreifen müssen. Ein solches Rädchen ist das als cFLIP bezeichnete Molekül an einer bedeutsamen Schaltstelle in der Zelle. Es ist in der Lage, die Weitergabe des Befehls zur Selbstzerstörung zu blockieren. Normalerweise wird ein solcher Befehl, der der Zelle von den Todesrezeptoren auf der Zellmembran diktiert wird, verlässlich ausgeführt. Neue Behandlungsansätze - und nicht nur solche gegen Melanomzellen - zielen deshalb darauf ab, den Todesrezeptoren der Krebszelle das Blockadesignal zu übermitteln. Solche Liganden, die an die Todesrezeptoren gebunden sind, zählen zur großen Familie der Tumor-Nekrose-Faktoren.

Unlängst hat Leverkus mit seiner Arbeitsgruppe zeigen können, dass die Wirkung dieser Substanzen von den bösartigen Zellen des schwarzen Hautkrebses unterlaufen werden ("Oncogene", Bd. 27, S.3211). Ihre todbringende Botschaft wird von Melanomzellen nur dann akzeptiert, wenn man dafür sorgt, dass nicht zu viele cFLIP-Moleküle vorhanden sind - wie dies für manche Melanomzelllinien charakteristisch ist. Deshalb muss man womöglich künftig ein Doppelteam gegen maligne Melanozyten zu Felde ziehen lassen - die einen überbringen den Todesbefehl, die anderen sorgen dafür, dass seine Weitergabe nicht verhindert wird. Zwar sind all diese Erkenntnisse noch weit entfernt von einer Anwendung. Es gibt aber schon eine Reihe von Kandidaten, die in der Lage sind, in die Steuerung der Produktion von cFLIP-Molekülen in der Zelle hemmend einzugreifen.

Tumorstammzellen das Leben unmöglich machen

Einen anderen Weg, die hartnäckigen bösartigen Melanomzellen zu eliminieren, verfolgt die Arbeitsgruppe um Jürgen Becker an der Universitätshautklinik in Würzburg. Er beruht auf der Vorstellung, dass der Tumor eigene Stammzellen hat. Sie sorgen immer wieder für Nachschub an Krebszellen, so wie gesunde Stammzellen das Gewebe ebenfalls ständig erneuern. Tumorstammzellen sind ebenso wie gesunde Stammzellen für die Abwehrzellen des Organismus schwer zu erkennen, weil sie noch nicht über die differenzierten Merkmale einer erwachsenen Zelle verfügen. So können sie lange unerkannt und unbehelligt bleiben.

Das ist eine attraktive Erklärung dafür, dass mitunter selbst viele Jahre nach einer zunächst scheinbar erfolgreichen Melanomoperation der Tumor wie aus dem Nichts wieder aufflammt. Das böte eine weitere Deutung der Tatsache, dass die bisherigen Immuntherapien des Melanoms nicht den erwünschten Erfolg mit sich brachten: Sie rücken demnach zwar erwachsene Tumorzellen ins Visier der Abwehr, nicht jedoch die Melanomstammzellen.

Die Würzburger Forscher bekämpfen die Tumorstammzellen deshalb nicht direkt, stattdessen entziehen sie ihnen gleichsam die Lebensgrundlage. Man weiß nämlich, dass Stammzellen - auch solche eines Tumors - einer besonderen Nische bedürfen, sie gedeihen nicht überall. Sie benötigen in ihrer Umgebung etwa Fibroblasten oder andere Bindegewebszellen, die für ein optimales Mikroklima sorgen. In Würzburg hat man seit dem Jahr 2003 in einer Studie untersucht, inwieweit die Störung dieser Umgebungsfaktoren das Krebswachstum zu beeinflussen vermag.

Erste Ergebnisse von insgesamt 79 Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium, darunter 61 Melanompatienten, hat Becker im vergangenen Jahr auf dem internationalen Krebskongress in Chicago vorgestellt. Man sei von dem Rückgang der Tumoren äußerst überrascht gewesen, sagte er in einem Gespräch. Allerdings sind auch diese Ansätze erst im Erprobungsstadium und noch lange kein Behandlungsstandard. Vor allem gilt es, langfristige Nebenwirkungen auf das Immunsystem genau zu beobachten. Martina Lenzen-Schulte

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