25.04.2009 · Ein neues Grippevirus geht um. Ist das ein Grund zur Sorge? Der jetzt in den Vereinigten Staaten und in Mexiko beim Menschen isolierte Erreger gehört zum Subtyp A H1N1. In dieser Form wurde er allerdings noch nie beobachtet.
Dass Schweine Grippe bekommen, ist nichts Ungewöhnliches. Genau wie Menschen und Vögel können sie sich mit verschiedenen Influenzaviren anstecken. Atemwegserkrankungen sind die Folge, doch sind die Tierbestände selten bedroht, weil die Symptome innerhalb einer Woche meist von selbst wieder abklingen. In Deutschland ist die Schweinegrippe deshalb nicht einmal meldepflichtig.
Der jetzt in den Vereinigten Staaten und in Mexiko beim Menschen isolierte Erreger gehört zum Subtyp A H1N1. In dieser Form wurde er allerdings noch nie beobachtet. Es handelt sich um eine sogenannte Reassortante, das heißt, er besteht aus einer Kombination von Viruselementen verschiedener Herkunft. Die amerikanische Seuchenbehörde Centers of Disease Control (CDC) fand Erbsegmente, die aus nordamerikanischen Schweinen, aus Schweinen euro-asiatischer Herkunft, aus nordamerikanischen Vögeln und vom Menschen stammen.
1918/19 rund vierzig Millionen Opfer
Das Überspringen eines Schweinegrippevirus auf den Menschen ist gelegentlich schon beobachtet worden; normalerweise ist dazu ein mehr oder weniger enger Kontakt mit den Tieren notwendig. 1976 kam es jedoch zu einem Fall von Übertragung zwischen Menschen; damals steckten sich in Fort Dix in New Jersey fünf Soldaten untereinander an, einer davon starb an Lungenentzündung. Bei den sieben jetzt genauer untersuchten Fällen in Kalifornien und Texas scheint es ebenfalls keinen Kontakt zwischen den Infizierten und Schweinen gegeben zu haben.
Der Virustyp A H1N1 war im vergangenen Jahrhundert bereits zweimal für den Ausbruch einer weltweiten Grippepandemie verantwortlich. Die sogenannte Spanische Grippe forderte in den Jahren 1918/19 rund vierzig Millionen Opfer; in schwächerer Form trat der Erreger noch einmal 1977/78 bei der sogenannten russischen Grippe auf.
Opfer vorwiegend junge Erwachsene
Amerikanische Forscher haben den Erreger der Spanischen Grippe vor vier Jahren in einem Hochsicherheitslabor rekonstruiert. Ein exakter Vergleich mit dem jetzt isolierten Schweine-Virus ist noch nicht durchgeführt worden. Besorgt zeigt sich die Weltgesundheitsorganisation WHO allerdings durch die Tatsache, dass unter den bisherigen Opfern ähnlich wie 1918 vorwiegend junge Erwachsene waren. Damals führte eine Überreaktion des Immunsystems, das in diesem Alter besonders gut funktioniert, zu den fatalen Folgen.
Die in dieser Saison eingesetzten Impfstoffe schützen zwar vor einem anderen H1N1-Typ, aber sehr wahrscheinlich nicht vor der neuen Virusvariante. Nach ersten Erkenntnissen der CDC könnten bei einer Erkrankung aber die Grippemedikamente Tamiflu und Relenza wirken.