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Glosse: Vorbild Hollywood? Wo Rauch ist

In den großen Kinostreifen wird wieder mehr geraucht. Schlechtes Vorbild Hollywood? Kommt drauf an, wann man hinsieht: Offenbar gibt es eine Raucherkonjunktur.

© Sony Pictures Vergrößern Cool die Hand in der Tasche statt Glimmstengel in der Hand: James Bond alias Daniel Craig in „Skyfall“.

Bei James Bond tun es inzwischen nur noch die Frauen, Bogart tat es mit seiner Filmpartnerin, Bourne tut es gar nicht und Belmondo dürfte es heutzutage nicht, mehr so oft tun - die Rede ist vom Rauchen im Kinofilm. Das behauptet jedenfalls Stanton A. Glantz vom Center for Tobacco Control Research and Education an der University of California in San Francisco. Er und sein Team haben 134 Filme analysiert, und zwar die Blockbuster. Wer analysiert, der findet, Trends und Gegentrends notabene: Nachdem die Anzahl der Raucherszenen in Kinofilmen jahrelang rückläufig war, ging es im Jahre 2011 bergab mit den guten Absichten der Filmindustrie - sieben Prozent mehr Raucherszenen wurden in jugendfreien Filmproduktionen des letzten Jahres im Vergleich zum Vorjahr gefunden. Die Gesamtzahl der einzelnen Raucherszenen, die der Zuschauer zu sehen bekam, hatte sich auf den Kinoleinwänden mit knapp über zehn Milliarden Sequenzen gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2010 nahezu verdoppelt. Ein Anlass zur Sorge. Rauchende Filmhelden verleiten zum Nachahmen, wusste schon 2005 das Kinderheilkundefachblatt „Pediatrics“ zu melden und natürlich ebenfalls mit einer Studie zu belegen. Als diese News sich dann endlich nach Europa durchgekämpft hatten, forderte 2007 auch die hiesige Drogenbeauftragte das rauchfreie Kinderfernsehen.

aber sind sie denn nun, die Raucher? Nicht unter den Avengers, denn wie sollte Ironman mit einer Raucherlunge diese Beschleunigungen aushalten. Im Twilight vor Morgengrauen gelüstet es einen ohnehin nach anderer Art der Stärkung. Und Bond wurde ebenfalls nicht rückfällig. Überhaupt scheint Rauchen bei den harten Typen der Leinwand inzwischen tabu. Solche Antirauchzeichen passen so gar nicht zum wissenschaftlichen Befund. Erst recht verdächtig kommt es uns vor, dass just die gleiche Arbeitsgruppe um Herrn Glantz mindestens schon einmal - im Jahr 2004 - meldete: Filmhelden rauchen wieder mehr, hieß es vor acht Jahren bereits, nachdem in den Jahren zuvor rauchende Leinwandgrößen immer seltener in Hollywoodproduktionen zu sehen waren. Auch der Wissenschaftler will den Serienerfolg - und kann damit ebenso auf die Nase fallen wie das Kino. Die zweiten Aufgüsse können den Zauber des Anfangs eben selten wiederholen - oder frei nach Yoda: Eine starke Erschütterung der wissenschaftlichen Macht ich spüre.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 30.10.2012, 17:10 Uhr