Die Acetylsalicylsäure, am besten bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin, steht derzeit besonders hoch im Kurs. Glaubt man der wachsenden Zahl an wissenschaftlichen Publikationen, scheint das Potential des alten Mittels keine Grenzen zu kennen. Ursprünglich aus der Weidenrinde gewonnen und inzwischen synthetisch erzeugt, gehören Präparate mit Acetylsalicylsäure ohnehin seit langem zur Grundausstattung jeder Hausapotheke. Denn Erkältungen, Fieber und Entzündungen lassen sich hiermit ebenso gut angehen wie Menstruationsbeschwerden und das Kopfbrummen nach einer durchzechten Nacht. Als nutzbringend gilt die regelmäßige Einnahme von Aspirin und seinesgleichen zudem für Patienten, die in erhöhtem Maße von einem akuten Gefäßverschluss im Herzen oder Gehirn bedroht sind.
Als sogenannter Plättchenhemmer unterdrücken diese Medikamente nämlich die Verklumpung der Blutplättchen und verringern somit die Gefahr, dass das Blut ins Stocken gerät. In den Vereinigten Staaten genießt das vielseitig einsetzbare Hausmittel daher schon seit langem den Status einer Allzweckwaffe, die, in Großpackungen verkauft, im Zweifelsfall gegen jegliche Art von Unwohlsein eingesetzt wird. Aspirin für alle und gegen alles? Die Flut an guten Nachrichten über den angeblichen Tausendsassa reißt jedenfalls nicht ab. Erst kürzlich fanden amerikanische Wissenschaftler neue Indizien für die alte Vermutung, dass die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure das Risiko für Krebserkrankungen und für die Ausbildung von Tochtergeschwülsten verringert. Wie zudem aus einem aktuellen Bericht schwedischer Forscher hervorgeht, bewahrt die regelmäßige Anwendung von Aspirin ältere Frauen mit fortgeschrittener Arteriosklerose möglicherweise vor einem Abbau der geistigen Fähigkeiten. Die Möglichkeit, mit einem zumal in der untersten Preiskategorie angesiedelten Wirkstoff mehreren Plagen der Menschheit gleichzeitig beizukommen, hat durchaus Charme - allerdings auch einen Haken: So lässt sich bislang nicht mit Sicherheit sagen, ob das Mittel tatsächlich die Anfälligkeit für Krebsleiden verringert und einem kognitiven Verfall im Alter vorbeugt. Aus methodischen Gründen sind die bisherigen Studien nicht in der Lage, diese Fragen abschließend zu beantworten. Auch kann man noch nicht erklären, über welchen Mechanismus der Stoff die Zellentartung verhindern könnte. Angesichts der vielen Heilsversprechen gerät zudem leicht aus dem Blick, dass das alte Hausmittel ein teilweise hohes Risiko für Blutungen birgt. Bei „normalen“ Personen sollen solche Nebenwirkungen zudem merklich häufiger auftreten als bei den meist engmaschig überwachten Teilnehmern wissenschaftlicher Studien. Besser, als Aspirin ins Trinkwasser zu mischen, ist es daher, die Ergebnisse zukünftiger Studien abzuwarten.
Bezugsländer für Aspirin
Heiko Gebhardt (hgebhardt)
- 10.10.2012, 18:49 Uhr
Nebenwirkungen?
Peter Gorski (petertogo)
- 10.10.2012, 12:45 Uhr
Acetylsalicylsäure
Claus Behrens (chipin)
- 10.10.2012, 12:06 Uhr
