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Generation Y Der alte Arzt hat ausgedient

 ·  Sie lehnen Hierarchien ab und wollen lieber geregelte Arbeitszeiten als steile Karrieren: Die nach 1980 geborenen Ärzte werden zur Herausforderung im deutschen Klinikalltag.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (49)
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Gernot Meyer
Gernot Meyer (gernot99) - 29.04.2012 22:34 Uhr

Die Frage, die sich sofort stellt

Wer soll das bezahlen?! Wenn diese Einstellung der sog Generation Y weit verbreitet ist, bedeutet das, dass das Gesundheitssystem gnadenlos ausgebeutet wird, auf Kosten nachfolgender Generationen. Im Grunde ist das die deutsche Version der griechischen Mentalität. Prassen bis zum Geht-nicht mehr. Zahlen sollen die anderen.

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Lene Lohse
Lene Lohse (Leeelooo) - 29.04.2012 21:01 Uhr

Mehr als nur "Y"

Sechs Jahre Studium sind eine lange Zeit, jedoch eine recht kurz bemessene für das zu internalisierende "Wissen". Ständig kommt Neues hinzu, das ist auch Anreiz für mein Studium gewesen - die Tatsache des „nie Auslernens“.
Freude an dem Tun ist aber nur in ausgewogenem Verhältnis zu ausreichenden Freizeitressourcen möglich - hier stimme ich dem durch den Artikel vermittelten Grundtenor meiner „Generation Y“ zu.

Ich denke jedoch, dass wir durchaus in der Lage sein werden, „unsere Medizin“ nicht nur auf personalpolitischer Ebene zu gestalten, sondern vielmehr auch durch Kreativität und vielseitiges Interesse - mit dem Blick über neonbeleuchtete Krankenhausflure hinaus - zu bereichern.

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Christoph Oberwittler

Nicht die Generation Y, sondern Ärztemangel und das Honorarzt-unwesen sind das größere Problem der K

Auf die geänderten Sichtweisen der Generation Y (die teilweise richtig beschrieben wurde) kann und muss man sich in den Kliniken einstellen. Bessere Weiterbildungscurricula, mehr Anleitung statt Autodidaktentum, weniger Arbeit pro Monat, das ist nicht unvernünftig. Aus der Sicht eines heute in der Klinik medizinisch Verantwortlichen (Generation X) gibt es ein anderes Problem: Es fehlen Mediziner in den Kliniken, zu viele der Generation X und Y haben die Kliniken mit ihren kräftezehrenden Anforderungen und zeitlichen Einschränkungen (Dienste 24/7) verlassen. Wir aus der Generation X sind ja bereit, die Mehrarbeit zu schultern. Ganz Schlaue kündigen und kommen als (über)bezahlte Honorarärzte in den OP und die Stationen zurück, ohne Dienste machen zu müssen, frei von Identifikation mit den Kollegen und dem Haus. Diesen Trend sollten die Kliniken nicht mitmachen. Dann lieber mehr Nachwuchs aus der Gen. Y.

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Jonas Müller-Hübenthal

Der Vorgänger....

den hier mehrfach und wohlwollend zitierten Prof. Schmidt hat sich gerade mit Bezug auf die Altersdiskriminierung mehrere Jahresgehälter Abfindung erklagt. Ist das nicht eine Ironie der Geschichte? Fakt ist doch daß alleine die Organisation der (m.W. ständig wechselnden) Wünsche von Teilzeitmitarbeitern, morgens, nicht Donnerstags, aber vielleicht mal Samstags zu arbeiten, ein Heer von Bürokraten beschäftigen wird, die schon immer genau diese Privilegien eines menschenwürdigen Lebens genossen haben. Ob sich daber aber immer noch am Ende eine gute Ergebnisqualität für den Patienten sicherstellen läßt oder auch nur ein verläßlicher Ansprechpartner, das möchte ich doch bezweifeln.
In meiner AIP-Zeit 1992 habe ich mich riesig darüber aufgeregt, daß ich mit meiner 60-90 Stunden-Woche weniger verdient habe als die Halbtags- oder sogar Vierteltags-Schreibkraft. Ich mußte meine Befunde sogar selber schreiben wenn ich einem Patienten zugsagt hatte, daß der Befund bis dann und dann fertig ist

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 22:56 Uhr
Andrea Mayer

"Ist das nicht eine Ironie der Geschichte?"

Nö, eigentlich nicht, denn es war klar - auf Grund seiner negativen Beurteilung bezüglich der "Generation Y" -, dass er ein persönlich motiviertes Negativ-Erlebnis mit in seine Beurteilung einfließen ließ.
Was ich im Übrigen von allen Ärzten behaupten wollen würde, ob nun "Generation X" oder "Babyboomer", denn wer die Forderungen der "Generation Y" völlig frei von den eigenen Opfern die man bringen muss(te), also rein objektiv, betrachten kann, der kann an diesen Wünschen nicht viel auszusetzen haben. Und um die Patienten sollte man erst Recht nicht bangen müssen, denn ich bin überzeugt davon, dass ein 8-Stunden-Dienst keineswegs aus einem Arzt ein schlechter Arzt machen wird. Im Gegenteil, denn wenn dieser eine ganze Woche lang immer im Frühdienst wäre, so bekommt er mehr von seinen Patienten auf Station mit als ein anderer mit 24/36-Stunden-Dienst und zwei Tage frei oder in der Ambulanz eingeteilt, etc.
Lasst mal die Ärzte organisieren und Dienstpläne schreiben, anstatt ein Büro...

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Carolus Doomdey
Carolus Doomdey (Domday) - 29.04.2012 14:41 Uhr

Die Argumente stimmen und stimmen nicht, aber

es geht momentan doch nur um Ausnutzung der Marktmacht. In diesem speziellen Interessenskampf sind natürlich Argumente auf 'ethischer Ebene' besonders willkommen und werden hergeholt, wo immer sie sich bieten. Dem Gegner wird dann die Ethik abgesprochen. Eine typische Vorgehensweise. So what!

Die Marktmacht wird sich natürlich wieder ändern - immer. Das haben die Gewerkschaften erfahren müssen und auch die Ärzteschaft der 60er Jahre. Wer von den jungen Ärzten den vorgebrachten Argumente tatsächlich vertraut, wird dann möglicherweise in einer Falle sitzen.

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Eberhard Stoeckel

Eine deutsche Tasgeszeitung?

„hands-on“, "Nine-to-five-Job", "Work-Life-Balance" - Das lässt sich alles sehr gut auf Deutsch formulieren. Man muss nicht ständig während der Zeitungslektüre, die meist eine s c h n e l l e Lesegeschwindigkeit voraussetzt, zum "Leo"-Tab umspringen müssen. Besonders schlimm ist es dann, wenn sog. Ökonomen loslegen. Da kommen dann noch Abkürzungen in Großbuchstaben hinzu. Oder bin ich etwa kein Multikulti trotz meiner 7fachen Sprachkenntnisse?

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Martin Culemeyer

als arzt darf man also nicht leben ?!

Wie kommen unter den Kommentatoren ausgerechnet Ärzte zu der Auffassung, die Einhaltung der Arbeitszeiten beeinträchtige die Qualität der medizinischen Ausbildung ? Entweder sind solche Beiträge "gefaket" oder aber ärztliche Kollegen der älteren Generation rechtfertigen mit fraglichen Argumenten ihren verkorksten Lebenswandel und gönnen der jungen Ärztegeneration aus lauter Missgunst keine besseren Arbeitsbedingungen.
Ich leiste als Assistenzarzt pro Tag im Schnitt 2 Überstunden, während derer ich nicht etwa medizinisch tätig bin sondern Briefe diktiere bzw. am PC sitze und Dokumentationsarbeiten verrichte. Manches hat sich sicherlich an den Kliniken verbessert im Vergleich zu früher, einiges aber auch verschlechtert. Heutzutage betreibt man eine high throughput Medizin, in welcher so viele Patienten so schnell wie möglich durch die Maschinerie geschleust werden müssen. Kaum Zeit für Gespräche, permanenter Zeitdruck, so mancher Kollege haut deshalb in patientenferne Fachrichtungen ab

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Feraydoon Niroomand

Konsequenzen nicht bedacht

Der Artikel gibt die Realität in deutschen Kliniken wider. Aber sollen wir uns dieser Entwicklung fügen, oder zumindest versuchen ihr entgegen zu wirken?
Zwei Punkte gebe ich zu bedenken:
1. Medizin ist eine Disziplin, in der die Qualität ganz massgeblich durch praktische Erfahrung bestimmt wird. Wenn Ärzte schon zu Beginn ihrer Laufbahn nur 8-Stunden Tage akzeptieren, werden sie wichtige Erfahrungen niemals sammeln, zum Beispiel den akuten Krankheitsverlauf von der Notaufnahme über die initiale Diagnostik bis zum frühen Ansprechen auf die eingeleitete Therapie.
2. Kranke Menschen zu Behandeln setzt ein hohes Maß an Identifikation mit dieser Aufgabe voraus. Um Leid, Schmutz und Krisensituationen zu ertragen und das nötige Maß an Altruismus, dass eben nunmal hierzu nötig ist aufbringen zu können, muss eine Identifikation mit dem Beruf bestehen, die es nicht zulässt, den Lebensschwerpunkt in der Freizeitgestaltung zu pflegen.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 09:17 Uhr
Eberhard Stoeckel

"Konsequenzen nicht bedacht"

Bravo! Doch es gäbe vielleicht einen Kompromiss: "8 Std.-Ärzte" kommen in eine niedrigere Gehaltsklasse und werden eher "ökonomisch optimiert" (d. h. wegrationalisiert), die anderen steigen in eine höhere Gehaltsklasse auf und werden als Stammbelegschaft auch in gesundheitsökonomischen Krisen gehalten - um jeden Preis.

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Klaus Michael Strauss

@Birgit Zendel (korrigiert)

Danke für Ihre Anmerkungen. Ich bitte um Nachsicht, wenn meine vereinfachte Formulierung Sie irritiert hat.
In der Fortsetzung des Beitrages versuche ich ergänzend, organisatorische und kulturelle Erschwernisse von gewünschten Merkmalen der Berufsausübung zu abzugrenzen.
Letztlich bestimmt die Aufgabe Zeitaufwand und Teilbarkeit. Grundsätzlich erfordert klinische Teamarbeit genauso geduldige Zurückhaltung wie tatkräftige Initiative.
Ansatzpunkte für persönlich verletzende Fremdbestimmung.
Entscheidend für die Organisationskultur ist Kameradschaft, wie sie von Volker Zastrow in "Die Vier" beschrieben wurde.
Menschliche Vernunft hilft auch, wie der Chirurg Michael Trede (*1928) in "Der Rückkehrer" zum Thema bekennt: in Form des Mittagsschlafes.
Schädlich und zerstörerisch sind Konkurrenzdenken und persönliche Isolation. Oder korrumpierende Netzwerke.
Vorbildliches wie Abschreckendes dazu zeigt der Blick über die Landesgrenzen.

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Florian Thevissen

Jetzt mal konkret

Vorab: Ich bin Jahrgang 86, falle also wohl genau in diese "Generation Y".

Eine gute Freundin von mir ist Frauenärztin in einem Kölner Krankenhaus; und die Menge an Überstunden die "einfach so" erwartet werden sind einfach nur UNMÖGLICH. Sie hat keinen geregelten Zeiten, kann nicht längerfristig planen, hat den Kopf seltenst für sich, an Familie ist nicht zu denken... und für was? Ja, an Geld hat sie mehr als genug - nur hat sie NICHTS davon.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Diskussion hier etwas lächerlich finde. SELBSTVERSTÄNDLICH möchte ich (als Ingenieur übrigens) ein Leben neben dem Beruf haben. Genauso wie JEDER andere im Kopf gesunde Mensch auch.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.04.2012 09:26 Uhr
Eberhard Stoeckel

"Jetzt mal konkret"

Auch Banken oder Schulen zeigen solches Fehlverhalten mit der "Mehrarbeit". Die gesellschaftlichen Kräfte sollten alle am 1. Mai s c h ä r f s t e n dagegen vorgehen, dass ein solches m e n s c h e n v e r a c h t e n d e s Verhalten, das m. E. aus der verkehrten Lebensweise unserer sog. demokratischen Vollzeitpolitiker herrührt, endlich gestoppt wird. Die Generation "Y" wird sonst nur noch eine Generation "Z" erleben und die "Ausgebrannten" werden zuhauf unsere öffentlichen Räume füllen.

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Silke Groß-Lesch

Jammern auf hohem Niveau

Es hat mich amüsiert, dass ich noch zur Babyboomer-Generation gehöre- im Klinikalltag- als Assistenzärztin -habe ich es dagegen mit der beschriebenen Generation Y zu tun, die ich aufgrund dieses gut recherchierten Artikels jetzt ein bisschen besser verstehe. Unsere Gehälter - insbesondere an den Unikliniken - sind sehr anständig, obwohl kaum noch jemand an Wissenschaft interessiert ist, zumindest erlebe ich es so. Wenn ich mir die Arbeitswelt meiner Patienten oder auch von Nicht-Medizinern mit akademischen Berufen anschaue, wundert es mich schon häufig, welche Erwartungen an das ärztliche Arbeitsumfeld gestellt werden. Wehe, es zeigt ein Lehrer nicht Einsatz über die vorgeschriebenen Zeiten hinaus. Glauben wir Ärzte wirklich, es wäre in der Industrie besser? Ob meine jungen Kollegen Hierarchien ablehnen- da bin ich mir auch nicht so sicher. Beklagt wird dagegen, dass man nicht ständig an die Hand genommen wird, sowohl in der Ausbildung als auch im Klinikalltag.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.04.2012 09:22 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 28.04.2012 09:22 Uhr

"Jammern auf hohem Niveau" ???

Oh je, was ich Sie so alles gerade "gerne" fragen und mitteilen wollen würde..., aber dafür reichen 1000 Zeichen nicht.
Doch schon alleine für Ihre Überschrift, hier mein Kommentar dazu.
Sollten Sie mal ein Problem mit den Zuständen in ihrem Job bekommen, und dafür bei irgendwem etwas Verständnis suchen, dann wünschte ich, dass Ihnen jeder zur Antwort gäbe:
"Bitte, steck dir dein Gejammer sonst wo hin!",
denn hier gegen junge, mit Recht verängstigte Kollegen die großen Töne spuken, obwohl doch auch Sie schon zu wissen scheinen, um welche Angst es hintergründig bei all diesen Forderungen wirklich geht.
Denn umsonst haben Sie diesen Satz ja sicher nicht geschrieben:

"Ob meine jungen Kollegen Hierarchien ablehnen- da bin ich mir auch nicht so sicher."

Richtig:
HIERARCHIE und nicht Autorität,
ganz nach dem Motto: "FÜR DEN KÖNIG müssen wir unser Leben geben!",
all "die Leichen im Keller" mitdecken; uns mit rein ziehen lassen - uns den gesunden Schlaf dadurch rauben lassen, etc.

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Marvin Parsons
Marvin Parsons (mapar) - 27.04.2012 16:42 Uhr

Generationen-Gegensätze, die keine sind

Ich bin selber Babyboomer. In meiner Generation gibt es sehr viele, die nicht eine berufliche Tretmühle als Lebenszweck sehen, sondern lieber sich um ihre Kinder kümmern und ähnliches. Der Hauptunterschied: Wir haben das nicht als Generationen-Lifestyle vermarktet und uns nicht als den Mittelpunkt des Universums gesehen.

Leider waren wir immer viel zuviele, so daß wir nicht alles hinterhergetragen bekamen. Aus diesem Grund konnte man eine Zeit lang diejenigen von uns, die für diesen Beruf opferbereit genug waren, im Krankenhaus ausbeuten (einschließlich AiP und ähnlichen Frechheiten). Daß dies so nicht mehr möglich ist, liegt aber neben dem Mangel an Nachwuchs auch an uns: Wir sind nämlich schon in Scharen in nichtklinische Tätigkeiten oder ins Ausland gegangen, so daß innerhalb weniger Jahre aus einer "Ärzteschwemme" ein Mangel wurde.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.04.2012 19:07 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 19:07 Uhr

"Der Hauptunterschied: Wir haben das nicht als Generationen-Lifestyle vermarktet und uns nicht

als Mittelpunkt des Universums gesehen."

Habe ich nun den Artikel falsch verstanden oder Sie?
Entschuldigung,
aber diese "Generation Y" verkauft hier mal gar nichts, und diese sieht sich auch ganz sicher nicht als Mittelpunkt des Universums, denn derart Empfinden/Ansicht war doch wohl eher in diesen Generationen möglich, welche andere bis über die Erschöpfung hinaus engagiert sehen wollten, auf Kosten von Partnerschaft, soziale Kontakte & Familie.
Dieser Herr Schmidt ist "Generation X", jene Generation, welche den größten "Alptraum" miterleben musste. Dass er die Vorstellungen von "Generation Y" ins negative Licht mit seiner Ausführung rückt, das liegt vermutlich daran, dass er selbst "all die Leichen im Keller" decken und mittragen musste, während "Generation Y" schon vorher ausreichend informiert zu sein scheint... und all ihre Forderungen finden ihren Ursprung in der blanken Angst... und dass diese berechtigt ist, das zeigen die Veränderungen in der Klinik von Herrn Haas klar auf.

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Nikolaus Neininger

Berufe ohne Engagement

Es sieht ganz so aus, als sei das ein weiteres Beispiel, wo vom einen Extrem direkt ins andere gewechselt wird, ohne sich lange bei einem vernünftigen Mittelwert aufzuhalten. Früher jahrelanges Knechten, wobei die „Assistenz“ die Arbeit machte und der „Chef“ das Geld einstrich – heute so etwas wie: Arzt ja, aber bitte kein persönliches Engagement für den Beruf.

All die, die lieber die ausgeruhte Ärztin bevorzugen: würden die es auch begrüßen, wenn sie mitten in der OP ginge und jemand anderes ganz frisch, aber ohne Kenntnis des bisherigen Verlaufs das Skalpell in die Hand nähme?

Man braucht dem „göttergleichen Chefarzt“ nicht nachzutrauern, auch nicht den 1er-Abiturienten, die Medizin studieren „mußten“. Aber ein Notarzt, der erklärt, er habe jetzt leider Dienstschluß?
Wenn alle nicht planbaren Berufe mangels Engagement aussterben, haben wir halt keine Chirurgen, keine Landtierärzte, keine Forscher und keine Unternehmer mehr - sollte uns das stören, so lange es uns gut geht?

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.04.2012 17:25 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 17:25 Uhr

Ich musste grinsen als ich Ihr "knechten" las, denn diese Bezeichnung lehrten mich Ärzte!

Und Ihr Beispiel des Wechsels während einer Operation:
Nun ja, darüber sollte man auch schmunzeln können, denn ernst kann das sicher nicht gemeint sein.
Dass man in Sachen Organisation, auch bisher nie Meister gewesen war, sondern eher unterer Durchschnitt, das besagen vielerlei Fakten im Klinikalltag, aber nicht nur die Fakten, sondern viel mehr noch die Ärzte, welche fast mehr darunter litten als an ihren langen Dienstzeiten.
Ebenso wie an all dem "Papierkram"... Ärzte sollten diktieren, das Schreiben können andere tun, allerdings auch nicht die Assistentsärzte.
Diesen "vernünftigen Mittelwert" hätte die Klinikleitung einst in der Hand gehabt, als Überstunden nicht mehr bezahlt wurden, hätte diese darauf achten müssen, dass nun auch nicht mehr so viele wie zuvor gemacht werden müssen.
Wer die Erwartungen und das Wohl seiner Arbeitnehmer ignoriert, der sollte sich über ein eventuelles Extrem nicht wundern und schon gar nicht echauffieren wollen.

Das ging schon viel zu lange...

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Michael Muscholl

Die Klinikverwaltungen haben dieses "Problem" selbst geschaffen

Als in den 80er Jahren noch alle Überstunden bezahlt wurden, wurde versessen gearbeitet und das Gemecker hielt sich in den Kliniken in Grenzen- auch wenn die meisten Wochenenden beim Teufel waren. Die Klinikverwaltungen fingen dann an, Nachtdienste als Bereitschaftsdienste zu deklarieren und deutlich schlechter zu vergüten. Damit kam die Diskussion in Gang, Dienste lieber abzufeiern. Das sog. Arbeitszeitschutzgesetz brach den Klinikverwaltungen dann das Genick. Nach 10h war Schluß mit Arbeiten. Dann wurde heimgegangen. Dadurch kam es zu einer sagenhaften Kostenexplosion an den Kliniken, weil plötzlich viel mehr Personal gebraucht wurde. Die jetzige Situation ist die Folge eines langen Weges.
Medizin lebt von der Dichte persönlicher Erfahrungen. Die Lernkurve ist flacher, wenn die Verläufe der Patienten nicht komplett mitgenommen werden. Ich habe diese archaische Zeit nicht geliebt, aber ich habe davon profitiert.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.04.2012 15:41 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 15:41 Uhr

Herr Dr. Muscholl: Sie haben diese archaische Zeit nicht geliebt, noch hat Ihnen diese Zeit,

Zeit genug gelassen, um einen anderen zu lieben - oder habe ich Unrecht!?
Vielleicht haben Sie ja tatsächlich davon profitiert, doch noch steht überhaupt nicht fest, ob diese "Generation Y" nicht auch von deren gewünschtes System profitieren werden, ebenso wie heute auch noch keiner sagen können wird, ob von dem gewünschten System nicht noch viel mehr Menschen profitieren werden, als nur praktizierende, in 24 Stunden Dienst absolvierende Krankenhaus-Ärzte, so wie Sie es schildern.

Das Arbeitsschutzgesetz mag der "Klinikverwaltung" zum Problem geworden zu sein, aber laut Ihrer Beschreibung war dieses für die Ärzte eher Seegen, denn Überstunden wurden ja derzeit schon nicht mehr bezahlt... Wobei es doch sehr zu bedenken geben sollte, dass Ärzte nur wegen der Überstundenbezahlung so motiviert waren viel zu lange zu arbeiten, doch als es um's Abfeiern ging, da... kam die Wahrheit zu Tage. Da traute sich plötzlich der eine oder andere zu äußern, wie risikoreich der viel zu lange Dienst...

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Klaus Michael Strauss

Berufung oder Job

Wesentlich sind die Versäumnisse bei ablaufoptimierter Betriebsausstattung und Organisationskultur. Bequemer Mitarbeiter statt gutsherrlichem Chef ist kein Fortschritt, sondern Untergang. Mit sogenannter Kurklinikmentalität läßt sich keine angemessene Akutmedizin betreiben. Erfolg- und segensreiche operative Medizin erfordert Sports- und Teamgeist. Zähigkeit und Ausdauer verbunden mit Wagemut und Demut. Eher Expeditionsbergsteigen als Linienflug. Bei jedem Wetter. Kurios administrative Vorstellungen auch aus Fachkreisen, daraus taggewichteten Schichtdienst nach dem Vorbild von Fastfood-Ketten zu machen. Stichwort Universitätsklinikum Gießen-Marburg, hier wehrt sich die Tradition professioneller Substanz. Nicht gegen bequeme Nachwuchsmentalität, sondern gegen Auszehrung durch Ökonomisierung. Bequemer einheimischer Nachwuchs und Ökonomisierung könnten zur Beruf für Arbeitsmigranten führen. Nun ja, die Besten davon gehen nach USA und sonstwo hin, wo man noch Arzt sein darf.

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Suzana Mayr

Im Zweifel

werde ich lieber von einem Arzt behandelt, der von den vielen Überstunden nicht vollkommen überlastet und überfordert ist. Dass die jüngere Generation Wert auf ein Leben außerhalb der Klinik legt, ist doch mehr als verständlich und nachvollziehbar.

Und da sie in der Position sind, zu fordern, sollten sie das auch nutzen.

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Daniel Mayer
Daniel Mayer (Datze) - 27.04.2012 11:44 Uhr

Normalerweise...

würde nur eine niveaulose Zeitung, wie zum Beispiel die BILD, eine ganze Generation über einen Kamm scheren.
Verallgemeinern kann man leider nicht, auch wenn es sich um eine ,,wissenschaftliche Studie" handeln soll.
Allein durch die Aussagen, die diese Studie macht, kann man sie als unnütz und schwachsinnig abstempeln.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.04.2012 15:59 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 15:59 Uhr

Man kann alles und jeden über einen Kamm scheren,

denn viel wichtiger als solch eine Aktion, ist die Reaktionen darauf - letztere setzt den Maßstab...

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Klaus Michael Strauss

Berufung oder Job

Alle medizinischen Berufe erfordern hohe intrinsische Motivation. Fachwissen, Übung und Berufserfahrung beanspruchen viel Zeit, sehr lesenswert von Malcolm Gladwell in "Die Überflieger" dargestellt.
Ausbeutung hochmotivierter Kollegen(!) durch leitende Ärzte wie Klinikverwaltungen mittels Vergabeprivilegien ist ein kulturelles Problem.
Der Marburger Bund versteht sich daher auch als Berufsverband zur Gewährleistung traditioneller Werte der ärztlichen Arbeit. "Nine to Five" ist mit Akutmedizin nicht vereinbahr

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.04.2012 07:49 Uhr
Klaus Michael Strauss

@Birgit Zendel

Danke für Ihre Anmerkungen. Ich bitte um Nachsicht, wenn meine vereinfachte Formulierung Sie irritiert hat.
In der Fortsetzung des Beitrages versuche ich ergänzend, organisatorische und kulturelle Erschwernisse von gewünschten Merkmalen der Berufsausübung zu gewährleisten.
Letztlich bestimmt die Aufgabe Zeitaufwand und Teilbarkeit. Grundsätzlich erfordert klinische Teamarbeit genauso geduldige Zurückhaltung wie tatkräftige Initiative.
Ansatzpunkte für persönlich verletzende Fremdbestimmung.
Entscheidend für die Organisationskultur ist Kameradschaft, wie sie von Volker Zastrow in "Die Vier" beschrieben wurde.
Menschliche Vernunft hilft auch, wie der Chirurg Michael Trede (*1928) in "Der Rückkehrer" zum Thema bekennt, in Form des Mittagsschlafes.
Schädlich und zerstörerisch sind Konkurrenzdenken und persönliche Isolation. Oder korrumpierende Netzwerke.
Vorbildliches wie Abschreckendes dazu zeigt der Blick über die Landesgrenzen.

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Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 17:07 Uhr

"9 to 5 – Days in Porn" - was hat die Pornoindustrie mit den verkürzten Dienstzeiten eines Arztes

zu tun ?

Ist reiner Zynismus gewesen... wer hat dies überhaupt in die Welt gesetzt, das "nine to five" etwas ist, was man gering schätzen kann/darf ?
Und wenn diese Studie in hiesigem Artikel tatsächlich eine NORMALE Arbeitszeit, auch für Krankenhaus-Ärzte oder auch niedergelassene Ärzte (denn Fachärzte genehmigen sich diese schon, lediglich die Allgemeinmedizin / der Hausarzt traut sich noch nicht...), abwertend als "nine to five" Job bezeichnet, dann unterstelle ich diesem Studien-Ergebnis mal eben, Befangenheit bis Neid...

Wie qualitativ der Mensch seine Arbeit verrichtet, das ist sicher nicht an der Arbeitszeit und noch weniger an der Uhrzeit der Arbeitszeit zu bemessen!
Es sollten mal alle ihre Arbeit niederlegen, welche "nine to five" Jobs haben, damit diese abwertende Bezeichnung mal ganz schnell aufgehoben und revidiert werden würde, denn dann...

Ich Herr Strauss glaube eher,
dass sich diese "traditionellen Werte" an der Ausbeutung stoßen, nicht an "nine to five".

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Michael Scheffler

Herr Bund und Frau Zendel

Mediziner sind nicht mittelmäßig bezahlt, vergleichen Sie bitte die Gehälter der Jungmediziner mit denen anderer wissenschaftlicher Mitarbeiter. Und: Lehrjahre sind keine Herrenjahre, sagt ein altes Sprichwort. Sie sollten sich lieber mal darüber Gedanken machen, warum junge Mediziner nicht mehr aufs Land gehen und in der Fläche schon teilweise Zustände wie in Afrika herrschen.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.04.2012 14:39 Uhr
Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 14:39 Uhr

Herr Schraube, aber ich möchte von dieser "Generation Y" behandelt werden!

Denn nur wer KEINE untragbaren Überstunden auf dem Buckel hat, der ist auch in der Lage bei einem (seinem) Fehlverhalten / einer (seiner) Fehlbehandlung, den Fehler bei sich zu suchen, denn NUR dieser wird sich nicht (mehr!) auf untragbare Arbeitszeiten und somit einer verständlichen Konzentrationsschwäche berufen und rechtfertigen können.
Schon die "Generation X" wollte das eigentlich auch gar nicht, aber diese war noch zu..."schwach"... und tatsächlich zeitlich gesehen zu lange am Stück am Arbeiten.

Und was den Genuss seiner Freizeit betrifft, so ist dieser enorm wichtig!
Genau das haben nämlich viel zu viele schon lange verlernt.
Und wir können von Glück reden,
wenn unsere Mediziner die ihrige nicht vor dem Laptop und mit Videospielen verbringen wollen, sondern mit Freunden im realen Leben, anstatt sich immer weiter und weiter zu isolieren...

Sie können sich aber gerne weiter von den "Babyboomer" behandeln lassen - wenn Sie Privatpatient sind :) viel Glück ;)

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Kai Schraube

Da gebe ich Ihnen Recht:

manch ein Leserbriefschreiber sollte sich vor Betätigen der Enter-Taste Gedanken machen - es reicht selten aus, mit vielen Ausrufezeichen nur dagegen zu sein...

PS:
Und von der kritikunfähigen (= lernunfähigen), dafür genuß- und freizeitorientierten "Generation Y" möchte ich im Ernstfall nicht behandelt werden.

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Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 12:21 Uhr

Das ist eine der größten Schwächen vom deutschen Volk...

...alles an der Bezahlung zu bemessen!
Was hat - gerade hier, hier wo es um das HÖCHST GUT des Menschen geht, nämlich um dessen Gesundheit und Unversehrtheit! - hier die Bezahlung Gewichtung? Wenn wir's genau nehmen, dann müssten die praktizierenden Mediziner das höchste Gehalt überhaupt bekommen, und danach gleich all jene, welche es mit Kindern (Kindergärtnerinnen u.s.w.) beruflich zu tun haben.
Bevor ich mir über die Situationen auf dem Land Gedanken machen soll, da machen Sie sich doch vorher erst einmal Gedanken, weshalb es selbst auch in den Großstädten zu viele freie Arzt-Stellen zu besetzen gibt.
Ich persönlich kann jetzt sehr froh darüber sein, denn das ist wohl einer der wichtigsten Gründe, weshalb es der besagten, letzten Generation erst möglich ist, sich zu verweigern, bzw. wieder der mächtigsten Verbindung auf Erden Aufmerksamkeit zu schenken, und zwar dieser:
Körper & Geist (Seele)!

Lehrjahre sind keine Herrenjahre?
Ist ein Facharzt oder ein Oberarzt in der Lehre?

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Birgit Zendel
Birgit Zendel (BAZen) - 27.04.2012 11:17 Uhr

Hoch lebe die „Generation Y“, denn die „Generation X“ hat unter der Machtbesessenheit…

… und der strikten Hierarchie-Ordnung der „Babyboomer“ nicht nur genug gelitten, sondern diese hat auch ihre „Seele“ (Überzeugung) verkaufen müssen. Wird im Text doch hiermit sogar bestätigt:
„Die Generation Y „wechselt/riskiert eher den Job als sich anzupassen.“,
was im übertragenen Sinne ja die FRÜHERE Realität aufzeigt:
Strikte Unterwerfung der Professoren-Diktatur, oder den Arbeitsvertrag nicht verlängert zu bekommen.

Einerseits eine Frechheit, diese „Generation Y“ indirekt als faul, bequem oder gar arbeitsscheu hinzustellen, doch andererseits völlig verständlich, dass die „Babyboomer“ sich nun „beugen“:
Wer keine Chance mehr sieht seine Macht darin auszuüben, indem er die Zügel feste anzieht, der lockert einfach die Zügel und verkauft seine neue Form der Machtausübung als Verständnis, ohne das eigene menschliche Versagen einzugestehen.
Alle Patienten & zukünftige Mediziner, werden dieser „Generation Y“ zu tiefem Dank verpflichtet sein!
Der Traum vom "Leben retten" ist gerettet.

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27.04.2012, 06:00 Uhr

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