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Sonntag, 12. Februar 2012
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Frühwarnsystem für Diabetes

03.07.2006 ·  Amerikanischen Forschern ist es gelungen, ohne Gewebeproben aus der Bauchspeicheldrüse den Schwund insulinproduzierender Zellen zu bestimmen. Eine Art Frühwarnung für Diabetes wird damit möglich.

Von Martina Lenzen-Schulte
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Wenn sich ein Diabetes in stetig erhöhtem Nüchternblutzucker bemerkbar macht, sind bereits rund drei Viertel der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse ausgefallen. Die Gewebeinseln, in denen sich die Beta-Zellen konzentrieren, liegen bevorzugt im mittleren Teil der Verdauungsdrüse und produzieren Insulin, um den Blutzucker in Schach zu halten. Während es beim früh auftretenden Typ-1-Diabetes („Jugenddiabetes“) nur einige Jahre währt, bis die Beta-Zellen einer entzündlichen Autoimmunreaktion zum Opfer gefallen sind, nimmt die hauptsächlich auf Überernährung und Übergewicht zurückzuführende Erschöpfung der Insulinproduktion beim Typ-2-Diabetiker („Altersdiabetes“) Jahrzehnte in Anspruch.

Für beide Krankheitsformen wäre es wünschenswert, bereits über das Ausmaß der Schäden in der Bauchspeicheldrüse Bescheid zu wissen, bevor es keine Rettung mehr gibt. Der Gruppe um Paul E. Harris von der Columbia-Universität in New York ist es gelungen, bei Ratten den kontinuierlichen Ausfall der Inselzellmasse mit Hilfe eines raffinierten Markierungsverfahrens festzuhalten, wie in der Zeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“ berichtet wurde.

Kaum belastendes Verfahren

Die Forscher machten sich zunutze, daß es in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse ebenso wie in Nervenzellen des Gehirns ein besonderes Transportprotein für Neurotransmitter gibt. Obwohl man die Rolle dieses Transporters für die Insulinproduktion noch überhaupt nicht kennt, weiß man dennoch aus der Hirnforschung, daß sich die Substanz Dihydrotetrabenazin ganz spezifisch daran bindet und dieser Komplex selbst in winzigen Mengen in der Positron-Emissions-Tomographie darstellbar ist. In genetisch veränderten Ratten, die vorhersagbar eine Zuckerkrankheit entwickeln, konnten die Wissenschaftler das Ausmaß des Beta-Zell-Ausfalls fortlaufend und lange vor dem offenbar werdenden Diabetes quantifizieren. Es ließ sich zudem nachweisen, daß die Abnahme an Transporterprotein das Entgleisen des Zuckerstoffwechsels spiegelt. Damit steht erstmals eine Meßmethode zur Verfügung, die nicht mehr Gewebeproben aus der Bauchspeicheldrüse benötigt, um die Schwundstufe der insulinproduzierenden Zellen zu bestimmen.

Beim Typ-1-Diabetes könnte man mit diesem kaum belastenden Verfahren den bislang nicht beeinflußbaren Zerstörungsprozeß der Beta-Zellen in seinem Verlauf besser beobachten und den Nutzen von Therapien wie zum Beispiel einer Inselzelltransplantation bereits in den ersten Phasen der Erkrankung überprüfen. Beim Typ-2-Diabetes böte das Verfahren eine Möglichkeit, das funktionelle Versagen während der frühen und sich über Jahrzehnte hinziehenden Entgleisung im Zuckerhaushalt mit den anatomischen Defekten in den Inselzellen zu vergleichen.

Quelle: F.A.Z., 03.07.2006, Nr. 151 / Seite 38
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