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Einfluss auf das Immunsystem Gängige Herzmittel wirken gegen Krebs

 ·  Digitalisglykoside lassen Tumorzellen auf dem Radar des Immunsystems erscheinen. Damit eignen die gängigen Herzmedikamente sich vielleicht auch zur Behandlung von Krebs.

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Die Digitalisglykoside, gängige Medikamente gegen Herzschwäche, eignen sich möglicherweise auch zur Behandlung von Krebs. Hinweise auf ein solches Potential der altbewährten Herzmittel haben französische Wissenschaftler um Oliver Kepp und Guido Kroemer vom Nationalen Institut für Gesundheit und Medizinische Forschung „Inserm“ in Villejuif gerade im Fachjournal „Science Translational Medicine“ (doi: 10.1126/scitranslmed.3003807) vorgelegt.

Zunächst sind die Forscher der Frage nachgegangen, welche der auf dem Markt erhältlichen Medikamente die Fähigkeit besitzen, das körpereigene Abwehrsystem gegen bösartige Tumore in Stellung zu bringen. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf ein als immunogener Zelltod bezeichnetes Phänomen, das im Zusammenhang mit manchen Krebstherapien beobachtet wird. Danach sind einige Chemotherapeutika in der Lage, entartete Zellen nicht nur direkt zu zerstören, sondern auch indirekt über eine Aktivierung des Abwehrsystems. Dies gelingt ihnen, indem sie die sterbenden Krebszellen gleichsam nötigen, Farbe zu bekennen und damit auf dem immunologischen Radarschirm sichtbar zu werden. So zwingen sie die Tumorzellen unter anderem dazu, ein Calreticulin genanntes Protein zu präsentieren. Erscheint dieser Eiweißstoff auf der Oberfläche der entarteten Zellen, erkennt das Immunsystem die Bedrohung und geht zum Angriff über. Krebszellen, die eine solche Immunantwort auslösen, wirken wie ein Impfstoff. Denn sie erzeugen eine anhaltende Immunität gegenüber gleichartigen Wucherungen.

Das Immunsystem aufwiegeln

Wie die französischen Autoren berichten, behandelten sie isolierte Tumorzellen der menschlichen Brust, Prostata, Lunge und einiger anderer Gewebe mit mehr als tausend Medikamenten unterschiedlichster Gattung und Anwendungsart. Insgesamt zehn Wirkstoffe erfüllten demnach die gesuchte Anforderung. So gelang es hiermit, das Immunsystem gegen die entarteten Zellen aufzuwiegeln. In diese Rubrik fielen einerseits verschiedene Chemotherapeutika - darunter die Anthrazykline und Oxaliplatin - und andererseits die beiden häufig verordneten Digitalisglykoside Digoxin und Digitoxin. In tierexperimentellen Studien konnten die Wissenschaftler dann zeigen, dass die Herzmittel insbesondere in Kombination mit Chemotherapeutika krebstötende Wirkungen entfalteten - allerdings nur in Verbindung mit solchen, die das Immunsystem selbst nicht zu stimulieren vermochten. In einem weiteren Schritt versuchten die Wissenschaftler dann zu klären, ob Krebskranke länger leben, wenn sie außer Chemotherapeutika auch Herzglykoside erhalten haben. Im Datenarchiv ihres Instituts fahndeten sie hierzu nach Personen, die mit beiden Therapien gleichzeitig versorgt worden waren. Wie sie schreiben, traf dies für insgesamt 145 Patienten zu. Eingehende Analysen ergaben dann, dass die 145 Personen eine durchschnittlich vierzig Prozent bessere Lebenserwartung aufwiesen als 290 vergleichbare Krebskranke, die nur Chemotherapeutika angewandt hatten. Fünf Jahre nach Beginn der Krebstherapie lebten in dem mit beiden Mitteln versorgten Kollektiv noch 65 Prozent der Patienten, im anderen hingegen nur noch 52 Prozent.

Solche lebensverlängernden Effekte übten die Herzmittel allerdings nur aus, wenn sie zusammen mit ganz bestimmten Chemotherapeutika verabreicht wurden. Wie in den Tierstudien handelte es sich dabei um jene vergleichsweise große Gruppe von Krebsmedikamenten, die selbst nicht in der Lage sind, das Immunsystem gegen die Tumorzellen aufzuhetzen. In Studien mit größeren Patientenzahlen gilt es nun zu klären, ob sich die ermutigenden Beobachtungen bestätigen lassen.

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