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Diabetestherapie Optimale Zuckerkur

21.07.2008 ·  Bislang war man der Auffassung, dass die möglichst engmaschige Regulierung des Blutzuckerwerts auf Werte im Bereich der Norm allen Diabetikern gleichermaßen nützt. Doch nun widerlegen zwei Studien diese Vorstellung.

Von Nicoala von Lutterotti
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Eine Senkung des Blutzuckerspiegels auf das Niveau von Gesunden scheint Patienten mit einem auch Alterzucker genannten Typ-2 Diabetes mellitus kaum zu nützen, ja teilweise sogar zu schaden. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommen zwei aktuelle internationale Studien, an denen jeweils mehr als 10 000 Betroffene teilgenommen haben ("New England Journal of Medicine", Bd. 358, S. 2545 u. 2560). Die Resultate der beiden in der Fachwelt unter den Akronymen "Accord" und "Advance" bekannten Erhebungen sind für die Diabetestherapie insofern von Belang, als sie eine verbreitete Vorstellung widerlegen. Bislang war nämlich die Annahme verbreitet, eine engmaschige Kontrolle des Blutzuckergehalts auf Werte im Bereich der Norm würde allen Diabetikern gleichermaßen zugute kommen.

Was für Zuckerkranke mit Diabetes Typ 1, die als Jugenddiabetes bekannte Frühform der Zuckerkrankheit, zutreffen mag, scheint für jene mit Diabetes vom Typ 2 nicht oder nur bedingt zu gelten. In einer der beiden Großstudien, jener mit der Bezeichnung "Accord", erwies sich die intensive Blutzuckertherapie der moderaten Behandlung jedenfalls nicht als überlegen. So konnte sie weder die Gefahr von Herzinfarkten und Gehirnschlägen vermindern, noch die Sterblichkeit senken.

Unterzuckerung als möglicher Effekt

Im Gegenteil: Die Patienten erlitten sogar mehr tödlich verlaufende Komplikationen als jene Betroffenen der Vergleichsgruppe, die auf herkömmliche Weise versorgt wurden. Auch sank ihr Blutzuckergehalt häufiger auf ein zu tiefes Niveau ab. Eine solche Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt, erhöht unter anderem das Risiko schwerer Durchblutungsstörungen und Nervenschäden. Aufgrund dieser schlechten Bilanz, die sich schon nach wenigen Jahren abzeichnete, wurde die ursprünglich auf fünf Jahre anberaumte Studie bereits nach dreieinhalb vorzeitig abgebrochen.

Wenig besser erging es den intensiv behandelten Patienten in der zweiten Untersuchung, dem Projekt namens "Advance". Zwar erlagen die Betroffenen nicht öfter einem tödlichen Ereignis als die Teilnehmer des Vergleichskollektivs. Die Normalisierung des Blutzuckergehalts zeigte aber auch nicht die erhoffte Wirkung, nämlich eine Verminderung der bei Diabetikern deutlich erhöhten Gefahr von Herzinfarkten und Gehirnschlägen.

Der Einfluss des Blutdrucks

Einen günstigen Aspekt schien die engmaschige Blutzuckerkontrolle gegenüber der herkömmlichen Überwachung gleichwohl zu besitzen. So trugen die intensiver behandelten Patienten ein vergleichsweise geringeres Risiko, an einer Nierenschwäche zu erkranken. Ob die schützende Wirkung allerdings ausschließlich dem geringeren Blutzuckergehalt zu verdanken war oder auch auf dem - bei den Patienten dieses Kollektivs beobachteten - tieferen Blutdruck beruhte, lässt sich schwer beantworten. Sicher ist nur, dass eine Normalisierung erhöhter Quecksilberwerte den besten Schutz vor diabetischen Nierenschäden bietet.

Für den Kardiologen Erland Erdmann von der Universität Köln sind die Ergebnisse der beiden Großstudien keineswegs überraschend. Vor einiger Zeit sei auch eine britische Studie zu dem Schluss gekommen, dass Patienten mit Typ-2 Diabetes von einer nachhaltigen Senkung des Blutzuckergehalts nur bedingt profitieren. Keinen Einfluss habe eine solche Behandlung jedenfalls auf das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen gehabt - Durchblutungsstörungen, die den Blutfluss in den großen und damit lebenswichtigen Schlagadern zum Erliegen bringen. Andererseits sei die intensive Therapie in der Lage gewesen, die Häufigkeit von Sehstörungen und Nervenschäden - diabetische Folgeschäden, die auf die Zerstörung kleiner Blutgefäße zurückgehen - einzudämmen.

Wie der Diabetologe Hans Hauner von der Technischen Universität München in einem Gespräch anmerkte, zerstört eine anhaltende Überzuckerung des Bluts vornehmlich die äußersten und damit kleinsten Verästelungen des Gefäßbaums. Schäden dieser Art können die Lebensqualität zwar merklich beeinträchtigen, führen aber - anders als Herzinfarkte und Gehirnschläge - nur selten zu tödlich verlaufenden Komplikationen. Das erhöhte Risiko lebensbedrohlicher Herzkreislaufattacken müsse man daher auf andere Weise angehen, kommentiert Hauner. Zu den wirkungsvollsten Maßnahmen zählen demnach die Behandlung zu hoher Blutdruckwerte und die Entfettung des Bluts.

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