Home
http://www.faz.net/-gwz-7h4y9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Demenz-Risiko Daten erhellen die Zukunft

Diabetiker können mit Hilfe einiger weniger Kriterien ihr Demenz-Risiko vergleichsweise exakt berechnen. Für diese Möglichkeit interessieren sich auch die Krankenversicherungen.

© AP

Das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, ist bei Typ-2-Diabetikern höher als bei Personen, die nicht an Diabetes leiden. Das weiß man zwar schon länger, aber jetzt wurde eine Liste von Kriterien veröffentlicht, die es dem einzelnen Zuckerkranken erlaubt, dieses Risiko vergleichsweise exakt vorauszuberechnen. Die neu ins Leben gerufene Fachzeitschrift

„The Lancet Diabetes & Endocrinology“ machte an ihrem ersten Erscheinungstag mit einer großangelegten Kohortenstudie an fast 30000 Teilnehmern im Alter über 60 Jahren auf (doi: 10.1016/S2213- 8587(13)70048-2). Darin konnte die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Demenz innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren anhand von Alter, Ausbildungslevel und insgesamt sechs medizinischen Kriterien sehr genau beziffert werden.

Schlaganfall als Kriterium

Zu diesen Kriterien zählten Erkrankungen der kleinsten Gefäße, die sich etwa als Mikroangiopathie und diabetisches Augenleiden bemerkbar machen. Auch ein so genannter diabetischer Fuß mit Geschwüren sowie Herzkrankheiten und Depressionen lassen das Risiko einer Demenz ansteigen. Ungünstig wirken sich schließlich auch Probleme mit dem Stoffwechsel aus und gefäßbedingte Erkrankungen im Gehirn, etwa ein leichter und vorübergehender Schlaganfall.

Wer anhand dieser Kriterien in den höchsten von vierzehn Risikograden eingeordnet wurde, den ereilte eine Demenz 37-mal häufiger als jene, die in die niedrigste Risikokategorie gehörten. Konkret tritt in diesem Fall eine Demenz mit einer Wahrscheinlichkeit von 73,3 Prozent ein, häufig bereits nach fünf Jahren. Unabhängig von der Frage, ob die Patienten selbst es so genau wissen möchten, macht die Herkunft der Studie hellhörig: Die Forschergruppe, die diese Hochrechnungen ermöglicht hat, setzt sich aus Mitarbeitern verschiedener Universitäten in den Vereinigten Staaten und den Niederlanden zusammen, aber auch aus Angestellten einer der größten privaten Krankenversicherungen in den Vereinigten Staaten, der Kaiser Permanente.

Konsequenzen für Versicherungsprämien

Diese Versicherung hat die Studie auch finanziert. In einem Kommentar zu diesen neuen Möglichkeiten, das Demenzrisiko eines einzelnen zu berechnen, thematisiert Anna-Maija Tolppanen von der Universität in Kuopio in Finnland das mögliche Interesse von Versicherern am Gesundheitsrisiko ihrer Klientel - und den Konsequenzen für die Versicherungsprämien - jedoch nicht. Sie betont vielmehr optimistisch die Bedeutung für die Prävention: Man kenne jetzt die wichtigsten Risikofaktoren und könne an ihnen ansetzen, um das Demenzrisiko von Typ-2-Diabetikern zu verringern.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Das Streitgespräch: Alzheimer Heilung - wie nah ist man wirklich dran?

Ein Durchbruch im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit - oder wieder eine Hoffnung, die enttäuscht wird? Immer öfter heißt es: Schon das zugrundeliegende Modell ist fragwürdig. Ein Streitgespräch aus aktuellem Anlass. Mehr Von Joachim Müller-Jung

02.08.2015, 13:12 Uhr | Wissen
Trailer Der blinde Fleck

An diesem Mittwochabend läuft der Film Der blinde Fleck in der ARD: Anhand der Recherchen von Journalist Ulrich Chaussy rollt er die Geschehnisse um das Oktoberfest-Attentat von 1980 neu auf. Mehr

04.02.2015, 12:12 Uhr | Feuilleton
Kampf gegen die Seuche Ebola-Impfstoff erfolgreich getestet

Fieberhaft wird an Impfstoffen gegen das Ebola-Virus geforscht. Die WHO berichtet nun von einem großen Fortschritt. Ist das Wundermittel gegen die Seuche gefunden? Mehr

31.07.2015, 15:22 Uhr | Wissen
Russland Putin augenscheinlich gesund und munter

Nach Spekulationen über eine Erkrankung des russischen Präsidenten hat das Staatsfernsehen angeblich aktuelle Aufnahmen des 62-Jährigen veröffentlicht. Mehr

13.03.2015, 15:39 Uhr | Politik
Sterbehilfe Aus Respekt vor der Selbstbestimmung

Warum ein schwerkranker Patient am Lebensende die Möglichkeit haben soll, sich mit Unterstützung eines Arztes das Leben zu nehmen. Mehr Von Professor Dr. Dr. Jochen Vollmann

27.07.2015, 11:42 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 08.09.2013, 08:00 Uhr