28.08.2007 · Ein plötzlicher Abbruch einer cholesterinsenkenden Therapie mit Statinen kann verheerende Konsequenzen haben. Stickoxidmangel führt zu Abbau der Hirnsubstanz und erhöht das Risiko pflegebedürftig zu werden dramatisch.
Von Nicola von LutterottiDer jähe Abbruch einer Therapie mit Statinen, gängigen Cholesterinsenkern, kann mitunter schwerwiegende Folgen haben. Riskant scheint er unter anderem für Personen zu sein, die an einem akuten Schlaganfall leiden. Hinweise auf eine solche Gefahr liefern zumindest die Ergebnisse einer Studie, die José Castillo von der Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum in Santiago de Compostela zusammen mit anderen spanischen Wissenschaftlern vorgenommen hat.
In die Untersuchung wurden 215 Männer und Frauen einbezogen, bei denen es infolge eines Blutgerinnsels zu einem Gehirnschlag, einem Hirninfarkt, gekommen war. Vierzig Prozent der Teilnehmer hatten bis zum Zeitpunkt der Hirnattacke ein Statin eingenommen. Eine Hälfte dieser Patienten behandelten die Ärzte anschließend weiterhin mit solchen Mitteln, während sie bei der anderen Hälfte darauf verzichteten, um die Ergebnisse vergleichen zu können.
Das Absetzen hat verheerende Konsequenzen
Wie aus dem Bericht der Wissenschaftler in der Zeitschrift „Neurology“ (Bd. 69, S. 904) hervorgeht, hatte das Absetzen der Cholesterinsenker verheerende Konsequenzen. Denn in diesem Kollektiv wurden innerhalb von drei Monaten sechzig Prozent der Patienten pflegebedürftig oder erlagen den Folgen ihres Schlaganfalls. In der anderen Gruppe waren es „nur“ vierzig Prozent. Die Ursache dürfte nach Ansicht der Autoren ein ausgeprägtes Absterben von Hirnsubstanz gewesen sein.
So führte der Gefäßverschluss im Gehirn der Patienten, bei denen die Statintherapie nicht weiter fortgeführt worden war, zu einem zwei- bis dreimal so großen Verlust an Hirngewebe wie bei den Teilnehmern des Vergleichskollektivs. Patienten, bei denen eine Statintherapie abgebrochen wurde, hatten durchweg schlechtere Chancen als solche, die niemals solche Mittel eingenommen hatten. Das gilt sowohl in Bezug auf die Sterblichkeit als auch hinsichtlich der neurologischen Ausfälle.
Erhöhtes Risiko schwerer Folgeschäden
Auch Patienten mit Herzinfarkt tragen ein erhöhtes Risiko schwerer Folgeschäden, wenn man die Statintherapie im akuten Erkrankungsstadium aussetzt. Welche Gründe hierfür im Einzelnen verantwortlich sind, ist noch unklar. Eine wichtige Rolle dürfte ein Mangel an Stickoxid spielen - einem Botenstoff, der die Gefäße vor Thrombosen und entzündlichen Einflüssen schützt. Wie aus mehreren Untersuchungen hervorgeht, führt die Anwendung von Statinen unter anderem zur vermehrten Freisetzung von Stickoxid. Werden die Medikamente plötzlich abgesetzt, geht die Produktion des gefäßschonenden Signalmoleküls im Körper vorübergehend stark zurück.
Besonders ungünstig scheint sich die verminderte Stickoxidproduktion bei akuten Gefäßverschlüssen, etwa Herzinfarkten und Schlaganfällen, auszuwirken - möglicherweise, weil bei solchen Ereignissen große Mengen an Entzündungsstoffen ausgeschüttet werden, der Mangel an Stickoxid daher besonders ins Gewicht fällt. Bei Patienten mit akuten Gefäßverschlüssen im Gehirn, aber auch im Herzen erscheint es daher ratsam, auf eine Fortsetzung der Statintherapie zu achten.
Und die Konsequenz?
Tilko Dietert (tdietert)
- 29.08.2007, 14:39 Uhr