11.02.2009 · Eine Liste einfacher Fragen, die vom Operationsteam während einem Eingriff gemeinsam durchgegangen werden: Eine solche Checkliste lässt die Zahl der Komplikationen und Todesfälle deutlich sinken, wie eine Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt.
Von Hildegard KaulenEine einfache Checkliste macht Operationen sicherer. Die Zahl der Komplikationen sinkt um ein Drittel und die Zahl der Todesfälle um nahezu fünfzig Prozent, wenn das Team dreimal während der Operation innehält und einige Fragen beantwortet, und zwar vor dem Einleiten der Narkose, vor dem ersten Schnitt und vor dem Entlassen aus dem Operationssaal.
Das hat jetzt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gezeigt, die das New England Journal of Medicine in seiner neuesten Ausgabe vorstellt (Bd. 369, S. 491). Der Erfolg der Checkliste war unabhängig davon, ob sie in einem westlichen Großstadtkrankenhaus oder einer entlegenen Klinik in Afrika verwendet wurde.
Einfache Fragen
Der Fragenkatalog gehört zu der "Safe Surgery Saves Lives"-Initiative der WHO und besteht aus neunzehn Punkten. Die Beantwortung erfordert nur wenige Minuten. Es geht um Fragen wie: Operieren wir den richtigen Patienten? Haben wir die richtigen Unterlagen? Weiß jeder, was er zu tun hat? Funktioniert die Überwachung? Sind wir auf Komplikationen vorbereitet? Haben wir alles sorgfältig erledigt?
Die WHO sah sich zu dieser Initiative gezwungen, weil chirurgische Eingriffe wegen des hohen Aufkommens - weltweit werden jährlich 234 Millionen Menschen operiert - zu einer wachsenden Gesundheitsgefahr werden. Krankenhäuser in Jordanien, Indien, Kanada, England, Neuseeland, Tansania, den Philippinen und den Vereinigten Staaten haben die Liste jetzt einige Monate lang getestet. Die Einrichtungen waren so ausgewählt worden, dass sie ganz unterschiedliche sozioökonomische Bedingungen repräsentierten.
Deutliche Effekte
Es wurden Daten zu achttausend Operationen erhoben. Eine Hälfte der Patienten war mit, die andere ohne Hilfe der Checkliste operiert worden. Die Komplikationsrate fiel durch die einfache Beantwortung der Fragen von durchschnittlich elf Prozent auf sieben Prozent, die Sterberate von durchschnittlich 1,5 Prozent auf 0,8 Prozent. Die Krankenhäuser schnitten alle ähnlich gut ab, was zeigt, dass die Liste eine sinnvolle Funktion hat.
Auch in Deutschland wächst der Druck, mit der Checkliste der WHO zu arbeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat ihren Mitgliedern wiederholt nahegelegt, sie nach Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten zu benutzen. Der Fragenkatalog decke sich allerdings weitgehend mit den Empfehlungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, die von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie ebenfalls unterstützt werden, so Hartwig Bauer, Generalsekretär der Gesellschaft, im Gespräch. Diese Empfehlungen seien entwickelt worden, um Verwechselungen im Operationssaal zu verhindern und sicherzustellen, dass keine Instrumente in der Wunde zurückgelassen werden.
Die Kliniken sind vermutlich auch aus juristischer Sicht gut beraten, sich an den Fragenkatalog der WHO zu halten. "Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen muss nachgewiesen werden, dass sorgfältig gearbeitet wurde. Wer eine Checkliste vorweisen kann, ist sicher im Vorteil", so Bauer. Weltweit unterstützen mehr als zweihundert medizinische Fachgesellschaften, Gesundheitsorganisationen und politische Gremien die Checkliste.