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Blutverdünner Entgleiste Herzen

Ein starker Blutverdünner gegen Vorhofflimmer: Mit einem neuen Gerinnungshemmer lassen sich Hirnattacken und andere teilweise tödliche Komplikationen offenbar noch nachhaltiger zurückdrängen als mit der gängigen Therapie. Doch auch der neue Wirkstoff birgt Risiken.

© www.profeel-werbung.de Vergrößern Der kleine Trommler stets im Takt

Für Patienten mit Vorhofflimmern, einer die Entstehung von Schlaganfällen begünstigenden, häufigen Herzrhythmusstörung, gibt es einen Lichtblick. Mit einem neuen Gerinnungshemmer namens Apixaban lassen sich Hirnattacken und andere teilweise tödliche Komplikationen offenbar noch nachhaltiger zurückdrängen als mit der gängigen Therapie. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie, an der mehr als achtzehntausend betagte Männer und Frauen mit Vorhofflimmern teilgenommen haben. Der neue Blutverdünner wirkt der Entstehung von Gefäßverschlüssen entgegen, indem er den Gerinnungsfaktor Xa daran hindert, das die Blutverklumpung fördernde Protein Thrombin zu aktivieren. Apixaban ist bislang nur zur Behandlung von Patienten zugelassen, die aufgrund einer Gelenkersatzoperation vermehrt von Thrombosen bedroht sind.

Apixaban versus Warfarin

In der aktuellen Untersuchung wollten der Kardiologe Christopher Granger von der Duke-Universität in Durham (North Carolina) und seine Kollegen herausfinden, ob Apixaban auch Patienten mit Vorhofflimmern zugutekommt und wie sich seine Wirkung mit jener von Warfarin, einem Vertreter der altbewährten Cumarine, vergleichen lässt. Nach den Regeln des Zufalls verordneten sie hierzu rund der Hälfte der Teilnehmer Apixaban und der anderen Hälfte, der Kontrollgruppe, Warfarin. Wie die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine" (Bd. 365, S. 981) berichten, verstarben innerhalb eines Zeitraums von knapp zwei Jahren 603 der mit Apixaban und 669 der mit Warfarin versorgten Probanden. Die Zahl der am Schlaganfall erkrankten Patienten betrug entsprechend 199 und 250 und fiel bei Anwendung des neuen Wirkstoffs ebenfalls geringer aus. Ähnliches galt auch für die Häufigkeit von Herzinfarkten. Hier war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen allerdings so gering, dass sich eine Laune des Zufalls nicht ausschließen lässt.

Was die Sicherheit angeht, traten Blutungen - eine gefürchtete Nebenwirkung blutverdünnender Medikamente - bei beiden Therapiegruppen recht häufig auf. Die mit Apixaban behandelten Patienten waren hiervon allerdings seltener betroffen. So erlitten in diesem Kollektiv 2356 Teilnehmer eine Blutung, davon 613 Personen eine schwere. In der Kontrollgruppe lagen die entsprechenden Zahlen bei 3060 und 877, waren also deutlich höher. Abschließend ging man der Frage nach, wie groß der zu erwartende therapeutische Nutzen ist, wenn tausend Patienten mit Vorhofflimmern Apixaban statt Warfarin einnehmen. Wie Hochrechnungen ergeben, müssten sich dadurch sechs Schlaganfälle, fünfzehn schwere Blutungen und acht Todesfälle verhindern lassen.

Unbeliebte Cumarine

Apixaban ist freilich nicht der einzige Gerinnungshemmer, der die bislang unangefochtenen Cumarine vom Podest stoßen könnte. Dass die einschlägigen Pharmafirmen großes Interesse daran haben, dem jeweils eigenen Medikament einen Platz auf dem Podest zu sichern, hat einen einfachen Grund: Den Siegern winken Milliardengewinne. Denn die Zahl der Patienten, die kurzfristig oder dauerhaft einen Gerinnungshemmer einnehmen müssen, ist riesig. Freilich, auch die Betroffenen profitieren, wenn die einschlägige Forschung Früchte trägt. So erfreuen sich die Cumarine keiner großen Beliebtheit, da ihre Handhabung eine erhebliche, für manche Patienten nicht zu bewältigende Herausforderung darstellt. In Abhängigkeit von der Lebensführung kann die blutverdünnende Wirkung nämlich erheblich schwanken. Ist sie zu schwach, steigt das Risiko für Gefäßverschlüsse, ist sie zu stark, nimmt das Risiko für Blutungen zu. Regelmäßige Bluttests sind bei Einnahme der Cumarine daher unerlässlich.

Mehr Nutzen als Gefahren?

Keine solchen Mühen bereitet dagegen die Behandlung mit den neuen Gerinnungshemmern. Allerdings sind auch diese nicht frei von Mängeln. Als ein erheblicher Nachteil gelten einerseits die hohen Therapiekosten, die jene für die Cumarine um ein Mehrfaches übersteigen. Andererseits müssen Apixaban und die meisten seiner Mitstreiter zweimal am Tag angewandt werden, die Cumarine hingegen nur einmal täglich. Je größer aber die einzunehmende Pillenzahl, desto eher kommt es zu Therapielücken und damit zu einem Versagen der Behandlung. Dies gilt freilich vornehmlich für den Alltag und weniger für wissenschaftliche Studien, in denen die Patienten meist engmaschig begleitet werden. Nicht unerwähnt bleiben darf schließlich, dass Apixaban nicht allen Personen mit erhöhtem Thromboserisiko gleichermaßen zugutekommt. So scheint es Patienten mit akuter Herzattacke sogar eher zu schaden als zu nutzen. Hinweise darauf liefern jedenfalls die unlängst publizierten Ergebnisse einer weiteren Studie ("New England Journal of Medicine", Bd. 365, S. 699). Demnach kann die Behandlung mit Apixaban das Risiko für weitere Herzanfälle nicht stärker zurückdrängen als die herkömmliche Therapie. Obendrein führt sie vergleichsweise häufiger zu Blutungen. Ein wichtiges Ziel zukünftiger Untersuchungen dürfte daher darin bestehen, den Nutzen und die Gefahren der neuen Gerinnungshemmer genau abzustecken.

Quelle: F.A.Z.

 
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