Home
http://www.faz.net/-gx3-7hkpi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bedrohliche Resistenzen Die Zerstörer der Antibiotika

Ist Massentierhaltung wirklich der Grund für die zunehmenden Resistenzen? Ein neuer Befund aus Schottland will das widerlegen. Doch so einfach ist die Sache nicht.

© dapd Vergrößern Rindvieh macht Mist und bläst Methan in die Luft.

Zu den wichtigsten Aufgaben der Zukunft gehört die Eindämmung der Antibiotika-Resistenzen unter den krank machenden Bakterien. Damit die Weichen richtig gestellt werden, muss allerdings klar sein, was die wesentlichen Ursachen für die zunehmenden Resistenzen sind. Beinahe reflexartig wird dabei immer ein Grund genannt: Die humanpathogenen Keime beziehen den Großteil ihrer Antibiotika-Resistenzen aus der Massentierhaltung, weil ihnen die dort selektionierten Resistenzgene über kontaminiertes Fleisch zugetragen werden. Alison Mather vom Wellcome Trust Sanger Institute in England und ihre Kollegen setzen nun mit einer Arbeit in der Zeitschrift „Science“ ein Fragezeichen hinter diese Argumentation (doi: 10.1126/science.1240578).

Die Forscher zeigen, dass eine bestimmte Gruppe von Salmonellen in Schottland über 22 Jahre nur gelegentlich Resistenzgene von den lokalen Rinderbeständen bezogen hat. Die in Menschen und Rindern vorkommenden Salmonellen unterscheiden sich stark. Die beim Menschen gefundenen Mikroben enthielten viel mehr Resistenzgene. In den grundlegenden Stoffwechselanlagen hingegen fand man keine Unterschiede. Hätten die beim Menschen gefundenen Salmonellen die meisten Resistenzgene von den Salmonellen der Rinder bezogen, müsste deren Kollektion eine Teilmenge der Resistenzgene aus den Rinderpopulationen sein. Doch das ist nicht der Fall.

Hochgepriesene Analysetechnik

Die Forscher haben die multiresistente Variante des Brechdurchfall-Erregers, Salmonella typhimurium DT104, untersucht, der vor dreißig Jahren erstmals nachgewiesen wurde. Der Erreger war lange Zeit die am häufigsten vorkommende Salmonella-Spezies. Dass die tierischen und humanen DT104-Populationen in Schottland kaum Resistenzgene ausgetauscht haben, wurde mit Genom-Analysen gezeigt. Mather und ihre Kollegen haben über 370 Isolate aus mehr als zwei Jahrzehnten vollständig sequenziert und in phylogenetische Stammbäume gruppiert.

Noch nie zuvor haben Wissenschaftler so viele, zur gleichen Zeit und über einen so langen Zeitraum gesammelte Proben aus Rindern und Menschen bis zum letzten Basenpaar unter die Lupe genommen. Diese Analyse sei neuester Stand der Technik, mit der nun die Geschichte von DT104 in seinen menschlichen und tierischen Wirten erhellt werde, schwärmen Mark Woolhouse und Melissa Ward von der Universität Edinburgh in einem Begleitkommentar (doi: 10.1126/science.1243444). Bedeutet dieses Lob nun auch, dass der Eintrag von Resistenzgenen aus den Kuh-, Hühner- und Schweineställen in die humanpathogenen Salmonellen-Populationen viel geringer ist als bisher angenommen? Oder gelten die vorgelegten Ergebnisse nur für Schottland, nur für die dortigen Rinder und nur für die dortigen Populationen an DT104?

Lückenhafte Untersuchung

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Antibakterielle Seifen Viel Schaum um nichts

Herbstzeit – Erkältungszeit. Spätestens wenn die Grippewelle anrollt, greifen viele Verbraucher zu Seifen und Waschlotionen mit antimikrobiellen Zusatzstoffen. Doch die nützen wenig und schaffen neue Probleme. Mehr Von Georg Rüschemeyer

16.11.2014, 08:00 Uhr | Wissen
In Filialen von Aldi-Süd Lachs mit Bakterien belastet

Lachsprodukte der Marke Icewind werden von Aldi-Süd zurückgerufen. Darin wurden Listerien gefunden, die besonders für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden können. Mehr

14.11.2014, 19:58 Uhr | Aktuell
Kuriose Bundesliga-Eigentore Als Piplica der Ball auf den Kopf fiel

Der Gladbacher Weltmeister Christoph Kramer überwindet seinen eigenen Torwart aus über 40 Metern. Es war nicht das erste kuriose Eigentor in der Bundesliga. Erinnern Sie sich noch an Pfaff, Winklhofer oder Piplica? Mehr

10.11.2014, 12:47 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.09.2013, 15:00 Uhr