21.03.2008 · Schutz durch Zuckermoleküle: Schweizer Forschern ist es gelungen, einen Bluttest zu entwickeln, mit dem sich Antikörper gegen Malaria-Erreger nachweisen lassen. Diese Arbeiten könnten ein wichtiger Schritt zu einer wirksamen Impfung sein.
Von Uta BilowBis zu einer halben Milliarde Menschen erkranken jährlich an Malaria. Immer noch kann dem Leiden, das vor allem in Afrika weit verbreitet ist, nicht in gewünschtem Maße vorgebeugt werden. Jetzt ist es Forschern an der ETH Zürich gelungen, einen Bluttest zu entwickeln, mit dem sich Antikörper gegen Malaria-Erreger nachweisen lassen. Diese Arbeiten könnten ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer wirksamen Malaria-Impfung sein.
Der Test basiert auf Zuckermolekülen, die als GPI (Glycosyl-phosphatidyl-inositol) bezeichnet werden. Diese überziehen pelzartig die Oberfläche des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum, der durch die Anopheles-Mücke übertragen wird. Peter Seeberger und seine Arbeitsgruppe haben herausgefunden, dass diese Zuckermoleküle beim Menschen eine spezifische Immunantwort auslösen können. Das Immunsystem bildet dann Antikörper, die vor der Krankheit schützen.
Afrikanisches Blut mit Antikörpern
Wie die Forscher in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Nature Chemical Biology“ (doi:10.1038/nchembio.75) berichten, können sie die Antikörper mit einem speziellen Chip nachweisen. Er besteht aus einem Objektträger, auf den insgesamt 64 kleine Felder aus etwa stecknadelkopfgroßen Punkten aufgedruckt sind. Jedes Feld besteht aus mehreren „Häufchen“ von unterschiedlichen GPI, die überdies in verschiedenen Konzentrationen vorliegen. Gibt man etwas Blut auf einen solchen Chip, verbinden sich entsprechende Antikörper – sofern vorhanden – spezifisch mit gewissen Zuckermolekülen. Welche das sind, machen Anfärbungen sichtbar.
Die Untersuchungen zeigten, dass das Blut von Erwachsenen aus Malariagebieten Afrikas spezifische Antikörper gegen einzelne GPI enthält. Diese Personen können zwar erkranken, ihr Immunsystem erkennt aber die GPI-Moleküle als Fremdkörper und blockt deren toxische Wirkung. Bei Europäern, die nicht in Risikogebieten leben, fehlten hingegen die entsprechenden Antikörper. Waren europäische Probanden mit Malaria infiziert, nahm die Anzahl der Antikörper stark zu.
Impfstoff in Reichweite?
Aus den Bluttests konnten die Wissenschaftler ersehen, welche der verschiedenen GPI-Moleküle eine Immunantwort gegen Malaria auslösen. Diese Erkenntnisse wollen sie dazu nutzen, einen Malaria-Impfstoff zu entwickeln. Ein entsprechender Zuckerkonjugat-Impfstoff befindet sich derzeit in der vorklinischen Phase. Besonders Kleinkindern in den Malariagebieten könnte eine solche Vakzine zugutekommen. Denn von den zwei Millionen Menschen, die jedes Jahr an Malaria sterben, sind weit mehr als die Hälfte Kinder unter zwei Jahren.