14.08.2007 · Der Biotechnologiebranche wird eine große Zukunft vorausgesagt, doch bisher ist von dem Aufschwung noch nichts zu merken. Immerhin konnte der Stellenabbau der vergangenen Jahre gestoppt werden, auch wenn viele Unternehmen nur wenige Mitarbeiter haben.
Von Judith LembkeDie Zukunft klingt verheißungsvoll: Im Jahr 2020 sollen in der Biotechnologiebranche mehr Menschen in Deutschland beschäftigt sein als heute in der Chemieindustrie - und die zählt immerhin noch 440.000 Mitarbeiter. Das hat zumindest eine Studie des Fraunhofer-Instituts ergeben, die im vergangenen April veröffentlicht wurde. Doch die Realität ist davon noch Lichtjahre entfernt.
Bislang zählt die deutsche Biotechnologie noch nicht einmal ein Zehntel dieser Mitarbeiter. Laut einer Studie, die im Auftrag des Bildungsministeriums erstellt wurde, arbeiten 14.150 Menschen in Biotech-Unternehmen. Laut einer Studie von Ernst & Young, die von einer engeren Definition eines „Biotech-Unternehmens“ ausgeht, arbeiten 9760 Beschäftigte in der Branche.
Das deutsche Silicon Valley liegt bei München
Einig sind sich beide Analysen jedoch darin, dass es im vergangenen Jahr nicht zu einem starken Stellenzuwachs in der Industrie gekommen ist. In den Jahren nach dem starken Aufschwung zur Jahrtausendwende war die Mitarbeiterzahl kontinuierlich gesunken. Aufgrund der sehr guten Finanzsituation der Unternehmen wurden 2000 und 2001 viele Menschen eingestellt, die in Zeiten des Abschwungs nicht gehalten werden konnten. Dieser Trend wurde immerhin gestoppt.
Dass die Mitarbeiterzahlen jedoch nicht proportional zu den Neugründungen des vergangenen Jahres gestiegen sind, hat etwas mit der Struktur der Unternehmen zu tun. Nach wie vor ist der Großteil der Firmen sehr klein: 43 Prozent beschäftigten weniger als 10 Mitarbeiter; knapp 15 Prozent der Unternehmen haben mehr als 50 Angestellte und 1,5 Prozent mindestens 250 Mitarbeiter.
Der Bildungsstandard der Mitarbeiter ist in der Biotechnologie sehr hoch: Knapp 50 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Die meisten „Biotechnologen“ wohnen in Bayern. Denn der Münchener Vorort Martinsried konnte seinen Ruf als deutsches Silicon Valley der Biotechnologie behaupten. Doch auch Baden-Württemberg wird als Biotech-Standort immer stärker, vor allem der Rhein-Neckar-Kreis zählt immer mehr Unternehmen. Auch Berlin ist ein guter Standort: Gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen teilt es sich den dritten Platz.