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Allergiebehandlung Frühzeitig an Allergene gewöhnen

17.08.2009 ·  Für den, der schon als Kind Erdnüsse isst, besteht ein geringeres Risiko, dass er später unter diesem Nahrungsmittel leidet: Deutet sich durch neue Erkenntnisse der Ärzte ein Paradigmenwechsel in der Allergiedebatte an?

Von Martina Lenzen-Schulte
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Wer so früh wie möglich von Allergie auslösenden Lebensmitteln ferngehalten wird, der hat später im Leben weniger Allergien zu befürchten. Schwangere und stillende Mütter, so hieß es über lange Zeit, sollten beispielsweise Erdnüsse, Fisch und Eier meiden und sie auch ihren Kindern im ersten Lebensjahr vorenthalten, damit diese später seltener unter Allergien gegen die Nahrungsmittel leiden. Die Empfehlung galt insbesondere für Familien, in denen bereits ein hohes Allergierisiko bekannt war. Jetzt soll das Gegenteil wahr sein. Je früher man als Risikokind mit Nahrungsmittelallergenen in Kontakt komme, desto besser sei man vor Allergien geschützt. Göran Wennergen von der Kinderuniversitätsklinik in Gothenburg (Schweden) begründet die Kehrtwende in der Zeitschrift "Acta Paediatrica" (Bd. 98, S. 1085).

Ein Hauptargument dafür, dass jetzt die schwedischen Leitlinien und unlängst auch die deutsche Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur Allergieprävention geändert wurden, stammt aus einer israelisch-englischen Vergleichsstudie. Sie zeigte, dass das Allergierisiko bei den israelischen Kindern, die bereits im ersten Lebensjahr Erdnüsse erhalten hatten, später im Leben um ein Vielfaches geringer war als bei der Vergleichsgruppe aus Großbritannien, denen Erdnüsse lange versagt geblieben waren.

Forschung im Fluss

Inzwischen mehren sich auch die Hinweise, dass der frühe Kontakt mit Nahrungsmittelallergenen wie Fisch und Eiern nicht schadet. Fischkonsum vermindert sogar das Risiko für Hautekzeme, und Mütter, die in der Schwangerschaft Fisch nicht meiden, schützen ihr Kind womöglich vor Asthma und anderen allergischen Erkrankungen. Warum das so ist, ist erst in Ansätzen erforscht. Was Erdnüsse angeht, so weisen einige immunologische Forschungsergebnisse darauf hin, dass die über die Nahrung aufgenommenen Substanzen über bestimmte Abwehrzellen Toleranz erzeugen können.

Inzwischen gibt es eine Fülle von Studien, die Vorurteile über frühe Allergisierungsfaktoren ins Wanken bringen. Eine Fundgrube hierfür sind die Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe um Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie am GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München. Die Forscher haben zum Beispiel in einer großen Studie entkräften können, dass es Kinder vor Asthma, Heuschnupfen oder Ekzemen schützt, wenn man das Zufüttern fester Nahrung noch länger als vier oder sechs Monate hinauszögert.

Ihre Arbeiten zeigen indes auch, dass Allergien von vielen Faktoren abhängen und der Zeitpunkt des Kontakts mit bestimmten Nahrungsmitteln nur eine von vielen Einflussgrößen ist. Schließlich darf man aus der Tatsache, dass vorbeugende Enthaltsamkeit nachteilig ist, nicht den Schluss ziehen, das tauge zur Therapie. Steht etwa die Diagnose Erdnussallergie fest, so gibt es an der Notwendigkeit zur Vermeidung des Allergens - vorerst - keinen Zweifel.

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