03.09.2007 · Das Gehirn gehört zu den Organen, die durch das HI-Virus besonders stark geschädigt werden können. Nach neuen Erkenntnissen richtet der Aidserreger nicht nur Zellen zugrunde, sondern hemmt auch noch die Neubilding von Nervenzellen.
Der Aidserreger schadet dem Gehirn auf zweierlei Weise. Schon länger weiß man, dass das Immundefizienzvirus HIV bestimmte Zellen im Gehirn zugrunde richtet. Nun haben Forscher um Stuart Lipton vom Burnham Institute for Medical Research in La Jolla (Kalifornien) herausgefunden, dass der Erreger außerdem den Nachschub an frischen Nervenzellen hemmt.
Schon vor einiger Zeit war den Pathologen aufgefallen, dass man im Gehirn von Aidspatienten nur wenige teilungsfähige Nachkommen neuronaler Stammzellen, sogenannte Progenitorzellen, findet. Dieser Mangel hat direkt etwas mit dem Aidserreger zu tun, wie die amerikanischen Forscher in der Zeitschrift „Cell Stem Cell“ (Bd. 1, S. 230) darlegen.
Protein wird blockiert
Das Virus blockiert mit seinem Oberflächenprotein gp120 den Zellzyklus in diesen Zellen, so dass keine neuen Nervenzellen mehr entstehen können. Betroffen sind vor allem Progenitorzellen in einem bestimmten Bereich in der für Gedächtnis und Lernen zuständigen Hippocampusregion. Die hemmende Wirkung des Aidserregers auf neuronale Stammzellen haben die Forscher zwar an Mäusen beobachtet, aber vieles spricht dafür, dass auch beim Menschen mit einer Blockade der Neurogenese im Hippocampus zu rechnen ist.
Seit einiger Zeit nimmt die Zahl der dementen Aidskranken zu. Das hängt mit der längeren Überlebenszeit der Patienten zusammen. Die antiviralen Medikamente, mit denen sie behandelt werden, halten zwar die Krankheit in Schach. Sie dringen aber kaum bis in das Gehirn vor, so dass mit der Zeit immer weniger Nervenzellen im Hippocampus durch frische ersetzt werden können. Es kommt daher darauf an, Arzneimittel zu entwickeln, die den Erreger auch jenseits der Bluthirnschranke bekämpfen.