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Wassermangel und Dürre : Große Not in Ostafrika - aber was und wer hilft?

Wasser muss dieses Mädchen der Turkana an einem Bohrloch holen. Die anhaltende Dürre setzt aber nicht nur dieser Region im Nordwesten Kenias zu. Bild: Reuters

Der Wassermangel in Ostafrika ist akut - und das wird nicht das einzige Problem bleiben. Es droht eine neue Hungersnot.

          Überall entlang der Straßen liegen Kadaver: Ziegen, Kühe, Kamele. Von ihren Herden sind vielen somalischen Nomaden oft nur wenige Tiere geblieben, wenn überhaupt. „Ihnen fehlt somit die Lebensgrundlage“, berichten Martina Dase und Anna Blässer am Telefon, Mitarbeiterinnen der internationalen Organisation „Save the Children“, die Ende Februar in dem autonomen Teilstaat Puntland unterwegs waren. Manch ein Viehzüchter sei derart verzweifelt gewesen, dass er sich das Leben genommen habe, das passiere normalerweise nie. Und solche, durch mehrere Quellen bestätigte Fälle sind besonders erschreckend, weil sie nicht nur tragische Einzelschicksale schildern, sondern zeigen, dass die Menschen hier allmählich jegliche Hoffnung verlieren.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die anhaltende Dürre zermürbt die Bewohner dieser Region ebenso wie jene in den ausgedorrten Teilen Nigerias, des Jemens und Äthiopiens; in Kenia hat die Regierung inzwischen den Notstand ausgerufen, und die Vereinten Nationen erklärten für Teile Südsudans eine Hungersnot: Rund hunderttausend Menschen sind unmittelbar vom Verhungern bedroht. In dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land wirken sich die Folgen der Trockenheit bereits dramatisch aus, und man geht davon aus, dass fünf Millionen Nahrungsmittelhilfe benötigen.

          Eine Laune der Natur

          Das Horn von Afrika und weitere Teile Ostafrikas werden wiederholt zum Krisengebiet, denn die lebenswichtigen Regenzeiten brachten in den vergangenen fünf Jahren nur wenig Wasser. Verantwortlich ist dafür wahrscheinlich eine Laune der Natur - und keine Folge des Wetterphänomens El Niño, wie häufig kolportiert wird. „Dass Regen in der betroffenen Region ausbleibt, kann immer wieder passieren. Auch ohne El Niño“, sagt der Kieler Klimaforscher Mojib Latif. Zudem würde ein starker El Niño, wie Anfang 2016, eher für Starkregen am Horn von Afrika sorgen; für Dürre sorgt das entgegengesetzte Wettermuster, La Niña. Auch dass eine Warmwasseranomalie im Indischen Ozean die Dürre auslöste, hält Latif für unwahrscheinlich. Grundsätzlich unterliegen die beiden Regenzeiten innerhalb eines Jahres in Ostafrika großen Schwankungen. Warm ist es immer, nur selten nass. Jetzt befürchten Klimaforscher, dass die Hauptregenzeit, die im März/April beginnt und bis Mai/Juni dauert, wiederholt wenig bis gar keinen Regen bringt. So wird diese Saison kaum retten können, was durch ausbleibende Ernten bereits verloren ist. Es mangelt an Getreide und anderen Feldfrüchten, Milch, Fleisch - an Wasser.

          Für mehr als zwanzig Millionen Menschen könnten die Nahrungsmittel fehlen oder knapp werden. Aus diesem Grund forderte nun auch UN-Generalsekretär António Guterres die internationale Gemeinschaft zu einer „strong and urgent action“ auf: Zeit zu handeln, um den zerbrechlichen Staaten zu helfen, die Katastrophe noch abzuwenden. Eine Tragödie sei es bereits. Guterres verwies unter anderem auf die alarmierenden Angaben von Unicef, dass 2017 in diesen Gebieten 1,4 Millionen Kinder einer schweren akuten Mangelernährung zum Opfer fallen könnten. Es besteht die Gefahr, dass sich die Hungersnot von 2011 nicht nur wiederholt, sondern sich die Krise sogar verschärft. Damals starben laut Schätzungen 250.000 Menschen in Somalia, und allein dort sollen jetzt mehr als sechs Millionen humanitäre Hilfe brauchen, rund eine Million gelten als akut unter- oder mangelernährt. Bei rund einem Drittel davon handelt es sich um Kinder unter fünf Jahren, und mehr als 50.000 droht Lebensgefahr.

          Mütter suchen Hilfe

          Was diese Zahlen in der Realität bedeuten, darüber sprechen Martina Dase und Anna Blässer und schildern Begegnungen mit besorgten Dorfältesten, entkräfteten, oft mutlosen Männern, Frauen und Kindern, deren dünne Ärmchen den Grad ihrer Auszehrung widerspiegeln. Dase und Blässer erlebten bei ihren Besuchen in Flüchtlingslagern und in einem Krankenhaus, das ihre Organisation half in der Regionalhauptstadt Gawore aufzubauen, wie der Andrang und die Verzweiflung zunehmen. Außerdem kommen derzeit mehr geschwächte Mütter mit ihren Babys an, um diese behandeln zu lassen. In einer Spezialabteilung versucht man dann, die unterernährten Kleinkinder „stufenweise“ zu stabilisieren, sie therapeutisch mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu versorgen. Zur Not per Transfusion. Nicht jedes schafft es, für manche kommt die Hilfe zu spät: Das mussten die beiden Frauen aus Deutschland bitter erfahren.

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