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Veröffentlicht: 09.01.2014, 08:00 Uhr

Versagen der Medizin: Homöopathie Ein Ritterschlag für Quacksalber?

Verfechter der Homöopathie nutzen klinische Studien als Waffe, um glaubwürdig zu wirken. Es könnte an der Zeit sein, die Grenzen evidenzbasierter Methoden anzusprechen.

von Martina Lenzen-Schulte
© Dieter Rüchel

Roland Zimmermann, der Leiter der Frauenklinik am Universitätsspital in Zürich, wagte einiges, als er jüngst auf dem Perinatalmedizin-Kongress in Berlin öffentlich die Ansicht äußerte, Globuli & Co hätten im Kreißsaal nichts zu suchen. Der Schweizer Frauenarzt stemmt sich damit nämlich gegen eine weit verbreitete Praxis: 93,4 Prozent der geburtshilflichen Abteilungen, so das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland, bieten den werdenden Müttern homöopathische Globuli an („Forschende Komplementärmedizin“, Bd. 16, S. 111). Zimmermann begründete seine Absage damit, dass es für die Wirksamkeit der homöopathischen Mittel keine wissenschaftliche Evidenz gebe. Fast zeitgleich widmete sich eine andere Tagung in München just den wissenschaftlichen Belegen für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien: Auf dem Internationalen Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“ wurden unter anderem die Zehn-Jahres-Ergebnisse einer so genannten placebokontrollierten Studie vorgestellt, die die Wirksamkeit verschiedenster homöopathischer Arzneien bei der ADHS-Symptomatik von Kindern belegen soll.

Wahrscheinlich etwas zu vollmundig heißt es in einer Pressemitteilung der LMU München dazu: „Langzeitstudie zeigt Wirksamkeit der klassischen homöopathischen Behandlung von AD(H)S bei Kindern“. Das jedenfalls schreibt Sigrid Kruse, die Leiterin des Bereichs Homöopathie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals in München. Diese angesehene Kinderklinik ist nicht die einzige Universitätsklinik, die in Sachen Homöopathie eigene Abteilungen unterhält und Forschungsmittel bereitstellt.

Woran sich noch halten?

Das ist der widersprüchliche Stand der Dinge in Sachen Homöopathie am Anfang des Jahres 2014 im deutschsprachigen Raum: kategorische Verneinung jedweder wissenschaftlichen Evidenz für ihre Wirksamkeit auf der einen Seite, Belege für eine Wirksamkeit aus klinischer Forschung mit (zumindest dem Namen nach) hochwertigen placebokontrollierten Studien auf der anderen. Woran sich noch halten? Eine Auflösung der Paradoxie ist im nächsten Heft der „Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen“ (ZEFQ Bd. 107, S. 606) nachzulesen. Unter dem Titel „Scientabilität – ein Konzept zum Umgang der Evidenz-basierten Medizin mit homöopathischen Arzneimitteln“ widmet sich Christian Weymayr der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, derzeit übliche Nachweismethoden der Evidenz-basierten Medizin auf die Homöopathie anzuwenden. Als Ko-Autor des Buches „Die Homöopathie-Lüge“ stellt sich Weymayr damit dem Dilemma, das die Wirksamkeitsprüfungen der modernen Medizinforschung in Form randomisiert-kontrollierter Studien (randomized controlled clinical trials, RCT) mit sich bringen. Hinter den RCTs verbirgt sich eine wichtige und gängige Form klinischer Studien, die in der Regel die Wirksamkeit eines neuen Medikamentes zum Beispiel gegen ein Placebopräparat testet. Eine Gruppe von zu behandelnden Patienten – etwa mit überhöhtem Blutdruck – erhält zufallsverteilt zur einen Hälfte das Testpräparat, zur anderen Hälfte ein wirkstofffreies Placebo. Nach definierten Zeitabschnitten misst man, ob die neue Substanz den Blutdruck zu senken vermag und wie stark. Das wird sodann mit verschiedenen statistischen Rechenmethoden als „Signifikanz“ ausgewiesen.

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