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Veröffentlicht: 16.04.2017, 10:09 Uhr

Eizellspende Wenn das Baby zum Fremdkörper wird

Eizellspenden werden immer beliebter. Doch das „Projekt“ birgt Risiken, die bisher verharmlost wurden. Das Leben von Mutter und Kind steht auf dem Spiel.

von Martina Lenzen-Schulte
© dpa Die embryonale DNA ist dem Körper der Schwangeren völlig fremd. Das kann zu Komplikationen führen.

Die Eizellspende wird zum favorisierten Verfahren von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. In den Vereinigten Staaten kommen bereits 75 Prozent aller künstlich gezeugten Kinder von Frauen jenseits der 40 nur mit Hilfe eines Dritten zustande, bevorzugt einer Eizellspenderin. In Europa beläuft sich die Zahl der Eizellspenden auf rund 30.000 pro Jahr, so die offiziellen Daten von 2013, die aber aktuell sicher schon weit übertroffen werden, da der Markt rapide wächst. Hierzulande ist die Eizellspende verboten – noch. Denn die Forderungen nach einer Legalisierung werden in Deutschland immer lauter, nicht zuletzt von Reproduktionsmedizinern.

Sie wollen nicht nur den Kinderwunschtourismus stoppen und gewährleisten, dass die Frauen nach deutschen Standards behandelt werden. Es geht auch darum, dass diese Schwangeren sorgfältig überwacht werden. Die Sorgen sind begründet. Denn solche Schwangerschaften mit einer genetisch fremden Oozyte sind in deutlich höherem Maße risikobehaftet als jene, die mit einer eigenen Eizelle zustande kamen.

Ropa © dpa Vergrößern Für lesbische Paare gibt es neue Möglichkeiten. Durch das so genannte Ropa-Verfahren sind beide Mütter mit dem Kind verwandt.

Aus der – freilich unbegründeten – Angst vor rechtlichen Konsequenzen verschweigen viele Frauen, die im Ausland mittels Oozytenspende schwanger wurden, nicht selten die Umstände einer solchen Zeugung. Dem leisten kundenorientierte Fertilitätskliniken dadurch Vorschub, dass sie ihnen zweierlei Unterlagen für ihren Frauenarzt nach Deutschland mitgeben – medizinische Fake News sozusagen –, mittels deren sich der Eingriff bei Bedarf verschleiern lässt. Infolgedessen können sich die hier behandelnden Ärzte und Geburtshelfer nicht auf die Gefahren für Mutter und Kind während der Schwangerschaft und Geburt einstellen.

Körper kann von fremder DNA überfordert werden

Eine soeben erschienene Studie aus Skandinavien verdeutlicht, welche Risiken hier vor allem zu erwarten sind. Sie resultieren aus der Tatsache, dass die Gebärmutter, anders als man zunächst hoffte, kein vollkommen von der körpereigenen Abwehr abgeschirmter Raum ist. Ein Embryo ist stets ein Fremdkörper, er enthält zur Hälfte das Erbgut des Vaters. In einem fein austarierten System zur gezielten Unterdrückung der Immunantwort gelingt es dem weiblichen Organismus zwar, diesen halb fremden Organismus über neun Monate hinweg zu akzeptieren, sonst würde jedes Ungeborene gnadenlos abgestoßen wie ein Organtransplantat.

Ist die embryonale DNA fast völlig fremd, ist diese Duldung offenbar häufig überfordert. Sie wird nicht zuletzt über Mediatoren direkt in der Plazenta, dem Mutterkuchen, getriggert. So erklärt man sich, dass die Präeklampsie, die inzwischen als ein Problem der aus dem Ruder gelaufenen Immuntoleranz gedeutet wird, in diesen Schwangerschaften deutlich überrepräsentiert ist.

Gefahren für Mutter und Ungeborenes

Es handelt sich um eine chronische Blutdruckerhöhung bei der Schwangeren, die in lebensbedrohliche epileptische Krampfanfälle münden kann. Es kann sich außerdem ein „HELLP“-Syndrom entwickeln, bei dem sich die roten Blutkörperchen auflösen (Hämolyse), die Leber in Mitleidenschaft gezogen wird (elevated liver enzymes) und die Blutplättchen, die Thrombozyten, abnehmen (Thrombozytopenie).

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