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Tierfutter : Wie gefährlich sind Pilzgifte?

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Aflatoxine in Futter: Es gibt einen Trend zu mehr Fällen. Und auch in handelsüblicher Kuhmilch werden bisweilen Pilzgifte nachgewiesen. Was bewirken sie im Körper?

          Aflatoxine sind potente Gifte, die von Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus gebildet werden. Aflatoxin B1 gilt als das gefährlichste Aflatoxin. Und auch im Vergleich mit anderen Giften ist Aflatoxin B1 hochtoxisch. Schon zehn Mikrogramm Aflatoxin B1 pro Kilogramm Körpergewicht sind für einen Menschen tödlich - während etwa Strychnin erst ab 500 Mikrogramm lebensbedrohliche Wirkungen entfaltet. Aflatoxin B1 und andere Toxine des Pilzes Aspergillus flavus kommen besonders häufig in Erdnüssen, Ackerbohnen, Baumwollsamen, Mais, Reis, Sojabohnen und Weizen vor, also in fetthaltigen Pflanzensamen. „Im allgemeinen ist Aspergillus flavus aber nicht in Deutschland zu finden, er benötigt wärmere Klimata“, erklärt Josef Kamphues, der Direktor des Instituts für Tierernährungder Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Tauchen Aflatoxine in Futtermitteln auf, dann handelt es sich meistens um ein importiertes Problem.“ Meist tauche Aflatoxion M1, ein Metabolit von B1, plötzlich in untersuchten Milchproben auf. Daraufhin werde dann kontrolliert, was die Milchkühe zuvor gefressen haben.

          Verzehren Tiere belastete Futtermittel, können Aflatoxine sowohl in die Milch als auch in Organe und ins Fleisch gelangen. Allerdings gelten Rückstände in Fleisch und Organen als weniger gefährlich für den Menschen, weil Aflatoxine im Gewebe so gebunden sind, dass sie in unwirksamer Form vorliegen.

          Leberschäden und Gewichtsverlust

          Im aktuellen Fall haben die Behörden mitgeteilt, dass es sich um besonders stark belastete Futtermittel handelt. Fressen Tiere stark mit Aflatoxinen belastetes Futter, können sie zunächst selbst erkranken. Die Aflatoxine gehen Bindungen mit großen Molekülen in Zellen ein, unter anderem mit der DNA, die auf diese Weise geschädigt wird. Vergiftete Tiere verlieren Gewicht oder nehmen während der Mast weniger zu, geben weniger Milch, erleiden Leberschäden oder entwickeln Leberkrebs. Die Leberschädigungen gelten auch beim Menschen als größte Gefahr.

          Wegen der Risiken für Mensch und Tier werden Futtermittel und Lebensmittel regelmäßig auf Aflatoxine kontrolliert. „Die Bundesländer haben uns in den vergangenen fünf Jahren 361 Untersuchungen bei Fleisch und Fleischerzeugnissen auf Aflatoxin B1 gemeldet. Davon war keine positiv“, teilt eine Sprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) in Berlin mit. Bei 1045 Untersuchungen von Milch und Rohmilch auf Aflatoxin M1, einem Metaboliten von B1, seien hingegen 38 Proben positiv gewesen.

          Forschung seit den siebziger Jahren

          Bei den Futtermitteln war in der jüngeren Vergangenheit eine Tendenz zu mehr Fällen zu erkennen. Im Jahr 2011, geht aus einem Bericht des BVL hervor, wurden 1800 Proben auf Aflatoxine untersucht. In 28 (also 1,5 Prozent) dieser Untersuchungen konnte ein Giftgehalt nachgewiesen werden, der festgesetzte Höchstmengen überschritt. Damit ist die Beanstandungsquote um 1,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr - 2010 wurden nur 0,4 Prozent der Proben beanstandet; 2009 waren es sogar nur 0,2 Prozent. Bei den meisten beanstandeten Proben handelte es sich um Ölsaaten oder Erzeugnisse daraus.

          Die Forschung zu Aflatoxinen und Aspergillus flavus sei in den siebziger Jahren weltweit intensiviert worden, sagt Josef Kamphues. In Deutschland dominierten allerdings andere Pilze in Lebens- und Futtermitteln, die in unserem Klima besser zurechtkommen. Häufig finde man vor allem Fusarientoxine, die von einer anderen Schimmelpilzgattung produziert werden und regelmäßig in Mais und Weizen vorkommen.

          Quelle: F.A.Z.

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