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Die Ursache von Krebs : Einfach nur Pech gehabt?

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Alter als Krebsrisiko

Je älter die Zelle wird, desto mehr solcher Fehler schleichen sich ins Erbgut ein. Vor drei Jahren entdeckten Harvard-Wissenschaftler, dass selbst in den Blutstammzellen gesunder Menschen mutierte Krebsgene zu finden sind. Bei jedem zehnten über siebzig Jahre Alten sind sie zu entdecken, bei jedem fünften über neunzig. „Das muss nicht zwangsläufig zu einer Leukämie führen, aber es zeigt: Der wichtigste Krebsrisikofaktor ist das Alter“, sagt Trumpp. Ähnliches gelte im Prinzip für fast alle anderen Tumoren. Auch das spräche für die Richtigkeit von Vogelsteins These. „Deshalb kann man wahrscheinlich die Entstehung von Krebs nicht komplett verhindern. Aber man kann sie hinauszögern – Umweltfaktoren haben wohl einen entscheidenden Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der sich ein Tumor entwickelt“, sagt Trumpp. Jede Verzögerung kann immerhin bedeuten, dass der Krebs bis zum Lebensende nicht wirklich zum Ausbruch kommt.

Trotzdem scheint das überarbeitete Konzept von Vogelstein und Tomasetti noch Lücken zu haben. Das macht ein Beispiel klar: Das Prostatakarzinom ist in den Vereinigten Staaten bis zu 25 Mal häufiger als in Japan, und das Erkrankungsrisiko japanischer Männer, die nach Nordamerika umziehen, gleicht sich schon nach kurzer Zeit fast an. Das deutet stark auf Umwelteinflüsse hin. Vogelstein und Tomasetti hingegen taxieren den Einfluss des Faktors R, wie sie die unsichtbare Hand des Schicksals nennen, beim Prostatakrebs auf 95 Prozent. Die britische Organisation Cancer Research UK, auf deren Daten sich Tomasetti und Vogelstein wiederholt berufen haben, geht sogar davon aus, dass kein einziger Fall von Prostatakrebs durch Prävention verhindert werden kann.

Der immer noch nicht überzeugte Song Wu interpretiert den Befund anders. Gerade an diesem Beispiel sehe man doch, „dass wir viele Umweltfaktoren noch nicht kennen oder noch nicht richtig verstehen. Da muss noch viel geforscht werden.“ Ähnlich äußert sich Karin Michels, Leiterin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie der Universitätsklinik Freiburg. Sie meint, dass Unterschiede wie beim Vorkommen des Prostatakarzinoms stärker auf Umweltfaktoren und Lebensumstände zurückzuführen sind, als es Vogelsteins Analyse nahelegt. „Durch die Stammzellteilungsraten allein lassen sich solche Unterschiede sicherlich nicht erklären“, sagt sie.

Prävention bleibt wichtig

Trotzdem klingt Karin Michels ein bisschen frustriert, wenn sie einräumt, dass man in ihrem Fach bisher immer wie auf eine Wand gestoßen sei: „Es ist uns nie gelungen, den Großteil der Krebserkrankungen mit Lebensstil- und Umweltfaktoren zu erklären – ganz anders zum Beispiel als bei Herzinfarkt und Diabetes. Dass der Zufall hier eine Rolle spielen muss, war vielen von uns eigentlich schon lange klar.“ Dennoch seien etwa vierzig Prozent der Krebsfälle verhinderbar: „Das heißt, dass man eine nicht zu vernachlässigende Chance hat, durch Prävention gesund zu bleiben.“

Sollte das nicht gelingen, stecken eben möglicherweise allzu oft nicht das unvernünftige Leben, nicht die Zigarren, der Whisky oder die vielen Grillwürste hinter einem Tumor – und auch nicht die Sonnenbrände der Kindheit oder ein anderes vermeintliches Verschulden. Mit dem Segen der Wissenschaft kann man nun sagen, dass es auch ganz einfach ein tragischer Zufall sein kann.

Quelle: F.A.S.

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