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Veröffentlicht: 24.10.2014, 10:36 Uhr

Schwere Nebenwirkungen Spielsüchtig durch Parkinson-Arznei?

Parkinson-Medikamente haben offenbar unerwünschte Nebenwirkungen auf die Impulskontrolle: Eine amerikanische Datenbank zeigt, dass manche Patienten Spiel-, Kauf- oder Sexsucht entwickeln.

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© dpa Spielsucht als Arznei-Nebenwirkung?

Eine bestimmte Gruppe von Arzneimitteln, die insbesondere für Parkinson-Patienten und vom Restless-Legs-Syndrom Betroffene verwendet werden, kann Impulskontrollstörungen auslösen – das ist die Bilanz einer Studie im Fachmagazin „Jama Internal Medicine“ (doi:10.1001/jamainternmed.2014.5262). Amerikanische Wissenschaftler um Thomas Moore vom Institute for Safe Medication Practices in Virginia haben für die Studie eine Datenbank mit Arzneimittel-Nebenwirkungen der Überwachungsbehörde FDA ausgewertet.

Unerwünschte Nebenwirkung

Innerhalb von zehn Jahren registrierte die FDA 1580 Fälle, in denen eine Impulskontrollstörung als unerwünschte Nebenwirkung einer Medikamenteneinnahme auftrat – die Patienten entwickelten beispielsweise Spielsucht (628 Fälle), ein übersteigertes Sexualverhalten (465 Fälle)oder eine pathologischen Kaufsucht (202 Fälle). 710 dieser 1580 Fälle standen mit der Einnahme von Dopaminrezeptor-Agonisten in Verbindung; 62 Prozent der Patienten waren diese Mittel wegen Parkinson, 24 Prozent wegen des Restless-Legs-Syndroms verschrieben worden, bei dem unwillkürliche Bewegungen der Beine auftreten.

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Die Betroffenen waren im Mittel 55 Jahre alt, zwei Drittel waren Männer. Die Studienautoren kritisieren, dass im Beipackzettel der Dopaminrezeptor-Agonisten nicht vor Impulskontrollstörungen gewarnt wird. In einem begleitenden Kommentar bezeichnet Joshua Gagne von der Harvard Medical School das Ergebnis der Studie als überzeugend, dass es sich um statistische Artefakte handle, sei fast auszuschließen. In einem zweiten Kommentar fordern zwei amerikanische Mediziner, den Mechanismus aufzuklären, über den die Arzneimittel eine Störung der Impulskontrolle auslösen – und herauszufinden, warum viele Patienten verschont von dieser Nebenwirkung bleiben.

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