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Schwangeren-Studie : Jodmangel beeinflusst die Intelligenz des Ungeborenen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

In vielen Ländern nehmen Schwangere zu wenig Jod zu sich, auch in Deutschland. Für die Kinder hat das später Folgen, wie eine neue Langzeitstudie zeigt.

          Ein ausgeprägter mütterlicher Jodmangel während der Schwangerschaft kann das Gehirn des Ungeborenen nachhaltig schädigen. Aber auch ein mildes bis mäßiges Joddefizit der werdenden Mutter scheint die Hirnentwicklung des Fötus zu beeinträchtigen. Hinweise auf eine solche Gefahr liefern zumindest die Erkenntnisse britischer Wissenschaftler, die in einer umfassenden Analyse die Daten von knapp tausend Mutter-Kind-Paaren ausgewertet haben. Wie Sarah Bath von der Abteilung für Ernährungswissenschaften der University of Surrey in Guildford und ihre Kollegen in der Zeitschrift „Lancet“ (doi.org/10.1016/S0140-6736(13)60436-5) schreiben, wiesen zwei Drittel der Probandinnen im ersten Schwangerschaftsdrittel einen milden bis mäßigen Jodmangel auf.

          Die betreffenden Frauen hatten offenkundig zu wenig jodhaltige Speisen - etwa Meeresfische und Milchprodukte - verzehrt. Acht bis neun Jahre später untersuchten die Wissenschaftler dann die kognitiven Fähigkeiten der Nachkommen. Kinder, die im Fötalstadium zu wenig Jod erhalten hatten, schnitten dabei deutlich schlechter ab als jene mit ausreichender Jodversorgung im Mutterleib. So war ihr Intelligenzquotient vergleichsweise niedriger. Darüber hinaus fiel es ihnen auch schwerer, flüssig und fehlerlos vorzulesen und Textinhalte zu verstehen. Je ausgeprägter der Jodmangel der werdenden Mutter gewesen war, desto größer war der kognitive Rückstand des Kindes im Alter von acht und neun Jahren - und das unabhängig von anderen die geistigen Fähigkeiten beeinflussenden Faktoren, etwa der Ernährung, der Familiensituation, der emotionalen Stabilität, dem sozialen Hintergrund der Eltern und dem Bildungsstand der Mutter.

          Mangel auch in westlichen Ländern

          In einem Editorial verweist Alex Stagnaro-Green von der School of Medicine der George Washington University in Washington auf die Relevanz, aber auch die Brisanz der von den britischen Forschern entdeckten Zusammenhänge. Anders als in den Entwicklungsländern komme ein schwerer Jodmangel in den reichen Nationen zwar nur selten vor. Auch in der westlichen Welt lasse die Jodversorgung aber vielfach zu wünschen übrig, ja verschlechtere sich in teilweise beunruhigender

          Weise. Ein solcher Trend lässt sich auch in Deutschland beobachten. Wie aus dem aktuellen Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (http://www.dge-medienservice.de/fach-und-schulungsmedien/ernahrungsbericht-2012.html) hervorgeht, nehmen Schulkinder mittlerweile deutlich weniger Jod zu sich als in früheren Jahren. Eine der Ursachen hierfür scheint zu sein, dass die Lebensmittelindustrie - offenbar aus finanziellen und regulatorischen Gründen - in wachsendem Maße auf jodhaltiges Speisesalz verzichtet. Dabei stammen etwa neunzig Prozent der täglich verzehrten Salzmenge von industriell verarbeiteten Speisen wie Wurst, Käse und Brot. Der Gewürzstreuer auf dem Tisch und das Salz im Nudelwasser fallen hingegen kaum ins Gewicht. Eine weitere, zunehmend wichtige Jodquelle sind Milchprodukte.

          Zu wenig Jodsalz in Fertigprodukten

          Den Verfassern des Ernährungsberichts zufolge hat sich die Jodkonzentration herkömmlicher Kuhmilch - bedingt durch die Beimischung von Jod ins Tierfutter - zwischen den Jahren 2004 und 2010 von 97 Mikrogramm pro Liter auf 110 bis 122 erhöht. Diesem Umstand sei es vermutlich zu verdanken, dass sich die Jodversorgung der Bevölkerung in den letzten Jahren trotz des verminderten Jodsalzgehalts in industriell verarbeiteten Lebensmitteln nicht noch mehr verschlechtert hat. Was den Bedarf dieses für die Funktion der Schilddrüse unerlässlichen Spurenelements angeht, gelten laut der Deutschen Gesellschaft folgende Richtwerte: Säuglinge sollten demnach täglich 40 bis 80 Mikrogramm Jod aufnehmen, Kleinkinder und Jugendliche zwischen 100 und 200, Erwachsene 200, schwangere Frauen 230 und stillende Mütter 260 Mikrogramm. Die Realität sieht allerdings anders aus. So haben Untersuchungen bei repräsentativen Bevölkerungsstichproben ergeben, dass die Jodzufuhr von Erwachsenen und Kindern im unteren Normbereich, teilweise auch deutlich darunter liegt.

          Quelle: F.A.Z.

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