http://www.faz.net/-gwz-74bwm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.11.2012, 12:40 Uhr

Rotavirus-Impfung Kleineres Risiko für Kinder?

Die Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung sind streng, nur Babys dürfen sie erhalten. Die Beschränkungen zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten - gerade in Entwicklungsländern.

von
© dpa In vielen Ländern ist die medizinische Versorgung von Säuglingen unzureichend

Die strengen Altersgrenzen für die Rotavirus-Impfung zu lockern, könnte mehr Kindern das Leben retten, als durch Impfkomplikationen gefährdet werden - vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Durchschnittseinkommen. Das schreiben Wissenschaftler von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention und der London School of Hygiene and Tropical Medicine in der Zeitschrift „PLoS Medicine“ (doi: 10. 1371/journal.pmed.1001330). Die Impfung gegen das Virus, das starke Durchfälle auslöst, erhöht das Risiko für eine gefährliche Darminvagination, die Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen.

Christina Hucklenbroich Folgen:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied deshalb, dass die Impfung, die mehrere Gaben erfordert, vor dem Alter von fünfzehn Wochen begonnen und vor dem Alter von 32 Wochen abgeschlossen sein sollte. Der Grund für diese Beschränkung ist, dass ältere Kinder ohnehin ein erhöhtes Risiko haben, eine Darminvagination zu erleiden. Die Altersgrenzen führten gerade in armen Ländern mit schlechtem Zugang zu Ärzten dazu, dass viele Kinder die Impfung verpassen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Sie errechneten, dass man zusätzlich 47 200 Todesfälle durch Rotavirus-Infektionen verhindern könnte, wenn man die Altersbeschränkung aufheben würde. Knapp dreihundert Todesfälle durch Darminvaginationen würden dann allerdings zusätzlich auftreten.

Lockerung unter bestimmten Umständen

Experten von der WHO räumten nach dieser Berechnung ein, dass unter bestimmten Umständen die Chancen, die sich auch durch eine Impfung älterer Kinder böten, die Risiken überträfen. Somit müssten die Altersempfehlungen in einigen Regionen abgeschafft werden. In Deutschland rechnet die am Robert-Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission die Impfung gegen das Rotavirus nicht zu ihren Empfehlungen, sie rät aber auch nicht davon ab. Vor einer generellen Empfehlung benötigen die Experten noch Daten zur Sicherheit des Impfstoffs und zur Krankheitslast.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zika-Virus Die entscheidende Schlacht findet im Dorf statt

Olympia im Schatten der Zika-Epidemie: Das Virus, das schwere Schäden im Mutterleib verursachen kann, breitet sich weiter aus und ist ansteckender als gedacht. Due kalifornische Virologin Eva Harris schildert, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Mehr Von Jakob Simmank

12.08.2016, 20:37 Uhr | Wissen
Syrische Fernsehbilder Erste Zivilisten sollen belagertes Aleppo verlassen haben

Dutzende Menschen, vor allem Frauen und Kinder, verlassen unter Aufsicht von Soldaten ein zerbombtes Stadtviertel. Diese Aufnahmen hatte das syrische Fernsehen am Samstag veröffentlicht. Mehr

31.07.2016, 17:40 Uhr | Politik
So lange arbeiten Angestellte in anderen Ländern Bekloppte Finnen, Dänen, Niederländer?

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Idee der Rente mit 69 heftig attackiert. Er sollte sich umschauen. Zehn EU-Länder sind weiter als Deutschland. Mehr Von Heike Göbel und Kerstin Schwenn, Berlin

22.08.2016, 10:38 Uhr | Wirtschaft
Computercamp im Sauerland Ferien für Nerds

In den Sommerferien findet im Schullandheim im sauerländischen Föckinghausen jedes Jahr eine oder mehrere Wochen ein Computercamp für Kinder und Jugendliche statt. Wie viel ist dran am Nerd-Klischee à la Big Bang Theory? Mehr

05.08.2016, 19:35 Uhr | Beruf-Chance
Wetteraukreis Behörde warnt vor Kaninchenseuche

Im Wetteraukreis sind viele Kaninchen an einer Seuche gestorben. Die Krankheit ist nicht auf den Menschen übertragbar. Es gibt aber Möglichkeiten, die Tiere zu schützen. Mehr

12.08.2016, 16:00 Uhr | Rhein-Main