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Veröffentlicht: 16.02.2013, 11:54 Uhr

Riechstörungen Die Nase als Wegweiser

Ärzte unterschätzen Riechstörungen noch häufig. Dabei können sie ein Fingerzeig sein, um schwere Leiden wie Parkinson früh zu erkennen.

von Nicola von Lutterotti
© REUTERS Geruchssinn als Qualifikation: Ein Käseerzeuger prüft sein Produkt.

Störungen des Geruchssinns fristen in der Medizin ein Mauerblümchendasein. Dabei beeinträchtigen sie nicht nur die Lebensqualität, sondern gefährden mitunter auch die Gesundheit. Riechen ist nämlich eng verknüpft mit Schmecken: Lässt die Geruchswahrnehmung nach, verschlechtert sich zugleich auch der Geschmackssinn. Selbst das leckerste Gericht erzeugt dann keine Gaumenfreuden mehr - ein Grund, weshalb die Betroffenen vielfach depressiv werden. Darüber hinaus tragen diese ein erhöhtes Risiko für Lebensmittelvergiftungen. Denn wer verdorbene Speisen weder riecht noch schmeckt, kann sich davor schwerlich in Acht nehmen. Aber auch Bränden und anderen „riechbaren“ Gefahren sind Personen mit geringem oder fehlendem Geruchssinn - einer Hyposmie oder Anosmie - vergleichsweise schutzlos ausgeliefert. Wichtig ist es daher, die sensorische Störung wenn immer möglich anzugehen und die Betroffenen zudem über die einschlägigen Risiken aufzuklären.

Die Praxis sieht freilich anders aus. Ernüchternde Ergebnisse lieferte jedenfalls eine Untersuchung von HNO-Ärzten und Arbeitsmedizinern um Boris Haxel von der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Universität in Mainz. Wie die Autoren im Fachjournal „HNO“ (Bd.5, S.432) berichten, hatten die Teilnehmer ihrer Studie, insgesamt 105 Jugendliche und Erwachsene mit teilweise vollständig fehlendem Geruchssinn, zuvor etliche Ärzte konsultiert - und zwar die meisten mindestens einen HNO-Arzt, zwei Drittel einen Hausarzt und einige wenige einen Neurologen oder einen anderen Facharzt. Lediglich 37 Prozent der Patienten wurden von den behandelnden Ärzten allerdings an ein spezialisiertes Zentrum für Riech- und Schmeckstörungen überwiesen und nur ein Bruchteil über die potentiellen Gefahren ihres Geruchsdefizits informiert. Dabei hatten dreißig Prozent der Betroffenen schon einmal angebrannte Speisen auf dem Herd nicht bemerkt, zwanzig Prozent Brandrauch nicht wahrgenommen, zehn Prozent versehentlich verdorbene Lebensmittel verzehrt und sieben Prozent giftige Stoffe am Arbeitsplatz nicht erkannt.

Polypen können schuld sein

Wie viele Menschen solchen Gefahren ausgesetzt sind, lässt sich bislang nicht mit Sicherheit sagen. Laut Schätzungen suchen in Deutschland jährlich rund 79.000 Personen wegen Riechstörungen einen Arzt auf. Etliche Beobachtungen sprechen aber dafür, dass der Anteil an Betroffenen weitaus größer ist. Demnach dürften rund fünf Prozent der Bevölkerung an einer Anosmie und etwa zwanzig Prozent an einer Hyposmie leiden. Zu den häufigsten Ursachen für solche olfaktorischen Störungen zählt eine eingeschränkte Luftzufuhr zu den Riechzentren in der Nase, etwa weil Schwellungen oder Polypen den Weg versperren. Außerdem sind Riechdefizite häufiger die Folge einer hartnäckigen Erkältung. Von Viren ausgelöst, kommen solche postviralen Riechstörungen vorwiegend bei älteren Personen vor. Frauen seien hiervon zudem sehr viel öfter betroffen als Männer, erklärt Thomas Hummel von der HNO-Klinik der Technischen Universität in Dresden, einer der Autoren des Berichts. Gelegentlich können Beeinträchtigungen des Geruchssinns auch von Kopfverletzungen, Medikamenten, Entgleisungen des Stoffwechsels und anderen Erkrankungen herrühren. Mitunter handelt es sich dabei auch um eine angeborene Störung.

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