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Veröffentlicht: 06.07.2005, 00:00 Uhr

Psychotherapie Mangel an Psychotherapie nach Kehlkopfoperation

Viele Patienten, die nach einer Kehlkopfoperation ohne ihr natürliches Sprechorgan leben müssen, bedürfen einer psychotherapeutischen Unterstützung. Aber darin besteht ein Mangel.

Viele Patienten, die nach einer Kehlkopfoperation ohne ihr natürliches Sprechorgan leben müssen, bedürfen einer psychotherapeutischen Unterstützung. Aber darin besteht ein Mangel, wie Wissenschaftler der Universität Leipzig herausgefunden haben. Rund 20000 Menschen leben in Deutschland ohne Kehlkopf. Die Arbeitsgruppe um Reinhold Schwarz hat mehr als 300 dieser Patienten zu ihrer Lebenssituation befragt. Wie die Forscher in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (Bd. 130, S. 1484) berichten, dauert es oft mehr als zwei Jahre, bis sie sich mit einer Ersatzstimme artikulieren können.

Außerdem leiden die Patienten unter anderem an Einschränkungen ihres Geruchs- und Geschmackssinns, an störendem Hüsteln, häufigem Schlucken, Kurzatmigkeit und Erschöpfung. Eine große Hilfe sind ihnen die Partner. Dennoch, nach Auffassung der Experten habe sich in der Untersuchung ein ernstzunehmender Mangel an psychotherapeutischer Betreuung gezeigt - nur ein Patient befand sich in professioneller Behandlung.

Dabei kam es immerhin bei etwa 20 Prozent der Betroffenen zu Depressionen, Angststörungen und übermäßigem Alkoholkonsum. Jeder dritte klagte über Niedergeschlagenheit. Verbesserungswürdig ist von daher die psychotherapeutische Versorgung, stellen die Forscher fest. Wichtig sei dabei die Kooperation von Psychologen, Ärzten, Selbsthilfegruppen und Logopäden.

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