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Psychiatrie und Psychosomatik : Zweierlei Hilfe für dieselben Patienten

  • -Aktualisiert am

Ein Facharzt für Psychiatrie im Gespräch mit einem Patienten Bild: dpa

Ein alter Streit geht in eine neue Runde: Psychiater und Fachärzte für psychosomatische Medizin sehen sich für weitgehend dieselben Erkrankungen zuständig, etwa Depressionen und Angststörungen.

          Der Konflikt ist so alt wie das Fachgebiet selbst: Den Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie gibt es seit 1992, und seitdem wurde immer wieder um ihn gerungen. Der Streit begann schon im gleichen Jahr, denn damals nannte sich auch das Fachgebiet Psychiatrie um, in „Psychiatrie und Psychotherapie“. Damit war die Auseinandersetzung begründet. Es ging dabei um die Zuständigkeit für die Versorgung einer wachsenden Zahl von Patienten, deren Erkrankungen psychotherapeutische Behandlung erfordern. Mehrfach wurde in den vergangenen zwanzig Jahren im Zuge der Debatten um die Zuständigkeit sogar vorgeschlagen, den Facharzt für Psychosomatik wieder abzuschaffen.

          Jetzt geht die Auseinandersetzung zwischen Psychiatern und Fachärzten für psychosomatische Medizin in eine neue Runde. Im vergangenen November teilte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), die Fachgesellschaft der Psychiater, offiziell mit, zukünftig auch den Begriff „Psychosomatik“ im Titel führen zu wollen. Das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) werteten das als „feindliche Übernahme“, so überschrieb das „Deutsche Ärzteblatt“ im Januar die Berichterstattung zum Thema. „Ungewöhnlich, befremdlich und einzigartig“ sei es, dass eine medizinische Fachgesellschaft eine andere ohne Konsens versuche zu vereinnahmen, äußerten sich die Fachärzte für psychosomatische Medizin.

          „Keine Subdisziplin der Psychiatrie“

          Sie lieferten dabei gleich stichhaltige Argumente für ihre Alleinstellung mit: 1500 Psychotherapiestunden unter Supervision müssen Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatik ableisten. Bei den Psychiatern sind es nur 240 Stunden. Damit sei die Zuständigkeit klar abgesteckt. Zudem habe das Fachgebiet Psychosomatische Medizin seine Wurzeln in der somatischen Medizin, äußerten sich die DKPM- und DGPM-Vertreter im „Ärzteblatt“. Zu keiner Zeit sei die Psychosomatik eine Subdisziplin der Psychiatrie gewesen.

          Die Eigenständigkeit des Faches betonte Wolfgang Herzog als Kongressleiter auch noch einmal beim diesjährigen Jahreskongress des Fachgebietes Psychosomatik in Heidelberg. Er spezifizierte auch die Schwerpunkte, die sein Gebiet verfolgt. Die Psychosomatik sei ein Fach, das sich besonders für Therapien und die Therapieforschung einsetze. Bevölkerungsbasierte Untersuchungen haben ergeben, dass neunzehn Prozent der Erwachsenen gleichzeitig unter einer körperlichen und einer psychischen Erkrankung leiden. Mit diesen Konstellationen befasst sich die Psychosomatik, wobei es zum einen um biologische Faktoren geht, die beides beeinflussen, zum anderen auch um Wechselwirkungen auf der Verhaltensebene, etwa bei Diabetespatienten, die aufgrund einer Depression ärztlichen Empfehlungen, zum Beispiel zur Gewichtsregulation, nicht Folge leisten und so ihre körperliche Erkrankung verschlimmern.

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