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Prostata-Krebs : Die Angst des Mannes vor dem Test

  • -Aktualisiert am

3D-Modell einer Prostata Bild: dpa

Lange wurden Ängste geschürt - vor dem PSA-Test, der Prostatakrebs nachweisen soll, und vor der Operation. Das rächt sich: Urologen entdecken immer mehr Tumore im Spätstadium. Der Test ist besser als sein Ruf.

          „Nach dem unnötigen Test folgt die unnötige Operation“ - solche Sätze findet man in Artikeln, die Patienten vorgeblich vor überflüssigen Eingriffen warnen wollen. Urologen wurden zu Abzockern, die Männern den PSA-Test unbegründet anbieten, und ihnen nach Diagnose eines Prostatakrebses eine Operation aufschwatzen. Jahrelang sah man die Karawane der Warner durchs Land ziehen, ganze Expertenkarrieren fußen auf der Kritik an der Prostatavorsorge und -therapie. Was wirklich tragisch ist: Die Zweifel an der Studie, die den PSA-Test so schlechtmachte, gibt es nicht erst seit heute. Und gute Studien, die zeigen, dass auf ganz lange Sicht die operierten Patienten doch häufiger noch besser fahren als die, die den Tumor an Ort und Stelle belassen haben, die sind auch bekannt.

          Sie wurden nur nicht so publik gemacht, sie waren einfach nicht sexy genug, um mahnend den Finger zu heben und sich wieder über unnütze Maßnahmen im Gesundheitssystem zu echauffieren. Ärzte, die Patienten ausnehmen wie eine goldene Gans, eignen sich gut als Projektionsfläche. Es ist eine nachdenklich stimmende Ironie der Studiengeschichte, dass die Teilnehmer an der PLCO-Studie schlauer waren als das Studiendesign. Denn statt brav zu denen zu gehören, die den PSA-Test bleiben lassen, haben die Teilnehmer die Chance, die sich ihnen bot, genutzt. Unschön für die Methodik, schön für die Menschen, die so gerettet wurden.

          Eine weitere Ironie dieser Debatte liegt darin, dass die Kritiker von Test und Therapie den Testern und Therapeuten Angstmache vorwerfen. Aber sie tun ebendies, sie machen Angst vor der Operation. Wer am Ende immer Angst hat, ist der Patient. Er hat Angst, einem Therapeuten auf den Leim zu gehen, der ihm zu einem Eingriff rät, der vielleicht gar nicht nötig ist. Er hat aber auch Angst vor dem Tumor in seinem Innern, viele leiden psychisch massiv darunter. Mit einem Tumor zu sterben, was viele Aufklärer für so völlig nebenwirkungsfrei halten, hat eben auch seinen Schrecken. Von den vielen Männern, die nach wie vor und immer öfter am Prostatakrebs sterben, ganz zu schweigen.

          Quelle: F.A.Z.

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