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Immuntherapie : Die Schattenseiten der neuen Krebsmedizin

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Am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg wird ein Patient auf die Immuntherapie vorbereitet. Bild: Uwe Anspach, dpa

„Checkpoint-Hemmer“ sind fantastische Krebsmedikamente. Doch sie haben ihren Preis. Je öfter die Immuntherapien zum Zuge kommen, desto öfter findet man auch Nebenwirkungen.

          Krebs allein vom körpereigenen Immunsystem beseitigen zu lassen, ohne den Tumor zu behandeln, gehört zu den großen Visionen der Medizin. Die Checkpoint-Hemmung greift genau diese Vision auf. Sie entfesselt das Immunsystem und hetzt eine spezielle Klasse von Immunzellen auf den Tumor, die sogenannten T-Lymphozyten oder T-Zellen. Eine solche Therapie wirkt zwar nicht bei jedem Patienten, aber wenn sie wirkt, sind die Aussichten auf ein langfristiges Zurückdrängen des Tumors groß, selbst bei denjenigen, denen die Ärzte nur noch eine kurze Lebenserwartung bescheinigt haben. Viele Experten sind davon überzeugt, dass die Checkpoint-Hemmung bald zur vierten Säule der Krebsmedizin werden wird, neben Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung.

          Je mehr Patienten mit dieser neuen Therapie behandelt werden, desto deutlicher treten allerdings auch die Schattenseiten zutage. Die Entfesselung des Immunsystems hat ganz offensichtlich ihren Preis. Die körpereigene Abwehr richtet sich nicht nur gegen den Tumor, sondern auch gegen die gesunden Gewebe, Organe und Drüsen des Körpers. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Fieber, Hautausschläge, Juckreiz, Entzündungen des Darms, der Leber, der Niere, der Lunge, der Hirnanhangdrüse, der Schilddrüse und der Nebennieren.

          Mit weiteren Nebenwirkungen ist zu rechnen

          Die meisten Nebenwirkungen gelten angesichts der Schwere der Krebserkrankungen als vertretbar, aber es sind auch dramatische Autoimmunreaktionen bekannt geworden. Eine amerikanische Forschergruppe berichtete erst kürzlich im „New England Journal of Medicine“ von zwei Fällen einer tödlich verlaufenden Herzerkrankung, einer sogenannten Myokarditis.

          Eine T-Lymphozyte (blau) dockt an einer Krebszelle an. Der Krebs wird so vom körpereigenen Immunsystem bekämpft.
          Eine T-Lymphozyte (blau) dockt an einer Krebszelle an. Der Krebs wird so vom körpereigenen Immunsystem bekämpft. : Bild: Science Photo Library

          Die Herzen waren von den entfesselten T-Zellen regelrecht abgestoßen worden - geradeso, als seien sie Spenderorgane gewesen. Es sind auch einige Fälle von plötzlich auftretendem Typ-1-Diabetes registriert worden, bei denen die entfesselten T-Zellen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört haben („Diabetes Care“). Weil die Checkpoint-Hemmung ein neues Therapieprinzip ist, muss mit der Entdeckung weiterer seltener Nebenwirkungen gerechnet werden.

          Blutbildungsstörungen als mögliche Nebenwirkung

          Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn haben unlängst in dem gemeinsam herausgegebenen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit die in Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen veröffentlicht. Beim Paul-Ehrlich-Institut sind bis Oktober vergangenen Jahres 956 Einzelfallberichte zur Checkpoint-Hemmung eingegangen. Sie decken sich im Wesentlichen mit den bereits bekannten Nebenwirkungen.

          Dem Institut in Langen sind auch neun Fälle von Myokarditis gemeldet worden. Vier endeten tödlich. Unter den deutschen Spontanmeldungen waren zudem zehn Meldungen über eine starke Verminderung aller Blutzellen oder nur der Granulozyten. Diese Symptome sind bisher noch nicht mit einer Checkpoint-Hemmung in Verbindung gebracht worden. Sie könnten bislang unbekannte Nebenwirkungen sein. Allerdings räumen die Behörden ein, dass auch andere Ursachen für diese Blutbildungsstörungen möglich sind.

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