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Nebenwirkungen bei Kindern : Hustensäfte für den Giftschrank

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Manche Medikamente, die Kinder bekommen, sind brisante Mischungen. Bild: H.Seyberth, privat

Rezeptfreie Medikamente können für Säuglinge und Kleinkinder höchst bedenkliche Nebenwirkungen zeigen. Ein Positionspapier deutscher Kinderärzte rüttelt nun vor dem Herbst auf.

          Noch ist die Erkältungssaison nicht angebrochen, aber die Kinderärzte warnen schon jetzt vor all den Hustensäften und Erkältungsmitteln, die jede Apotheke rezeptfrei an Eltern verschnupfter und fiebernder Kinder verkauft. In einem aktuellen Positionspapier, das am kommenden Freitag im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlicht werden wird (Bd. 37, S. 1822), legt die Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin den Finger in eine Wunde, die schon lange schwelt. Im Fokus der Kritik stehen so genannte „Antihistaminika der ersten Generation“, die früher gegen Allergien verabreicht wurden.

          Diese Wirkstoffe hemmen jedoch nicht nur jene H1-Rezeptoren, die allergische Reaktionen hervorrufen, sie wirken auch andernorts im Körper, nicht zuletzt zentral im Gehirn. So können sie anhaltend sedieren und dadurch bis zu 24 Stunden lang schläfrig machen. Bei älteren Kindern zeigt sich das darin, dass sie tagsüber müde sind, bis zur Benommenheit. Es kommt zudem zu Konzentrationsstörungen, mitunter auch zu Krämpfen und Halluzinationen.

          Hinter rezeptfreien Medikamenten können gefährliche Nebenwirkungen für Kinder lauern.
          Hinter rezeptfreien Medikamenten können gefährliche Nebenwirkungen für Kinder lauern. : Bild: picture-alliance/ ZB

          Kleinkinder und Säuglinge sind am ehesten durch einen Herz-Kreislauf-Kollaps und die Dämpfung der Atemfunktionen gefährdet. Auch wegen anderer Nebenwirkungen wurden diese Substanzen längst durch Antihistaminika der neueren Generation ersetzt, und sie werden Erwachsenen als Mittel gegen Allergien längst nicht mehr empfohlen.

          Allerdings werden diese Altsubstanzen weiterhin Kindern verabreicht. Sie sind wegen ihrer beruhigenden, einschläfernden Wirkung, aber auch, weil sie gegen Erbrechen helfen, bei Eltern beliebt. Obendrein sind sie ohne ärztliches Rezept erhältlich. Doxylamin findet sich zum Beispiel im Sedaplus Saft oder im Sirup Mereprine gegen Unruhe und Schlafstörungen.

          Bedenkliche Medikamenten-Cocktails

          Es ist ebenfalls in dem harmlos anmutenden, als pflanzlicher Saft bezeichneten Curatan nach E. Gallner enthalten, der in der alternativmedizinischen Szene kursiert. Bevor künftig Hebammen oder andere Helfer junger Mütter, die auf solche naturheilkundlichen Beruhigungssäfte schwören, diese für den Säugling empfehlen, müssten sie kritischer als bisher auf die potenten pharmakologischen Ingredienzien schauen. Ebenso beliebt sind Emesan und Vomex A, die als Zäpfchen oder Saft gegen Erbrechen und Übelkeit verabreicht werden. Sie enthalten Diphenhydramin und Dimenhydrinat, die neben der gewünschten Wirkung auch infolge ihrer Hemmung des Sekretflusses in den Speicheldrüsen und der Lunge für Mundtrockenheit, Atemstörungen und Verstopfung sowie für die Hemmung der Blasenentleerung und Herzrhythmusstörungen verantwortlich sein können.

          Das geht auf die atropinartige, anticholinerge Wirkung der Substanzen zurück. Einen bedenklichen Cocktail hält mit Doxylamin, Ephedrin, Dextromethorphan und Paracetamol nicht zuletzt Wick MediNait bereit.

          Kinderärzte warnen vor Hustensäften und Erkältungsmitteln für Kinder.
          Kinderärzte warnen vor Hustensäften und Erkältungsmitteln für Kinder. : Bild: ZB

          Hannsjörg Seyberth, der langjährige Leiter der Universitätskinderklinik in Marburg und Sachverständiger für Arzneimittelsicherheit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, ist die treibende Kraft hinter dem Positionspapier. „Wir möchten nicht nur auf die Problematik dieser frei verkäuflichen Produktpalette aufmerksam machen. Gleichzeitig erscheint es uns dringend notwendig, dass die Zulassungsbehörden, die Arzneimittelkommission, die Giftnotrufzentralen, die gerichtsmedizinischen Institute und die Hersteller kooperieren, damit wir für Deutschland endlich eine bessere Datengrundlage erhalten“, sagte der Experte für pädiatrische Pharmakologie in einem Gespräch.

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