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Veröffentlicht: 23.01.2016, 19:55 Uhr

Potenzmittel aus Asien Das Viagra des Himalaja

In Nepal riskieren Sammler ihr Leben für Yarsagumba. Der Raupenpilz ist mittlerweile so teuer wie Gold. Doch steigert das Naturheilmittel wirklich die männliche Potenz?

von Stephanie Geiger
© Geiger Hybrid aus Raupe und Pilz: Yarsagumba ist eine lukrative Einkommensquelle.
 
Das Viagra des Himalaja: Pilz aus Nepal verspricht Potenzsteigerung
 
Macht der Yarsagumbapilz wirklich potenter und warum ist er so verdammt teuer?

Die Yarsagumba kramt Thari Bista ganz zum Schluss hervor. Als sie merkt, dass sie mit den buddhistischen Kultgegenständen und den tibetisch-nepalesischen Kunstwerken kein Geschäft machen kann, hält sie plötzlich ein gelbes Seidenbeutelchen in Händen. „Braucht ihr vielleicht Yarsagumba?“, flüstert sie, als würde sie etwas Verbotenes tun, obwohl außer uns niemand in dem kaum zehn Quadratmeter großen Raum ist. Die Frau hatte ihn uns zwar als ihre kleine Kapelle beschrieben, aber er entpuppte sich dann doch als Verkaufsraum. „1000 Rupies das Stück“, sagt sie. Das sind umgerechnet rund zehn Euro.

Der Handel mit Yarsagumba, dem „Viagra des Himalaja“, blüht. In manchen abgelegenen Regionen hat Yarsagumba der nepalesischen Landbevölkerung zu einem bescheidenen Wohlstand verholfen. Yarsagumba ist ein Hybrid aus Raupe und Pilz, der nur im Himalaja in Höhen über 3500 Metern vorkommt. Das Besondere: Ein Parasit befällt eine Raupe und zersetzt sie. Am Ende ist nur noch die mit dem Myzel des Parasiten gefüllte Hülle der Raupe übrig.

Produktion männlicher Sexualhormone

Weil Yarsagumba Heilkräfte zugeschrieben werden, finden die Raupenpilze seit alters her Anwendung in der traditionellen Medizin der Himalajaregion. Dort verabreichen die Heiler Yarsagumba bei Lungen- und Nierenleiden. Bis in die neunziger Jahre war Yarsagumba der westlichen Welt weitgehend verborgen geblieben. Als jedoch zwei chinesische Mittel- und Langstreckenläuferinnen bei den Asienspielen mit beeindruckenden Rekorden aufhorchen ließen, nannte der Trainer den geheimnisvollen Raupenpilz als Grund für die Leistungssteigerung.

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Besondere Kräfte versprechen sich auch die überwiegend männlichen Käufer, zunächst vor allem in China, wo mittlerweile sogar Alibaba, das chinesische Amazon, Yarsagumba im Angebot hat. Der Raupenpilz wird als Aphrodisiakum gekauft. Studien wie die der Stanford-Universität, in der festgestellt wurde, dass der regelmäßige Verzehr von Yarsagumba sich im Urin nachweisen lässt und zu einer verstärkten Produktion männlicher Sexualhormone führt, und Tierversuche, die zu ähnlichen Ergebnissen kamen, steigerten die weltumspannende Nachfrage.

Sturz in die Tiefe

Thari Bista betreibt neben dem Kunsthandel in dem kleinen Dorf Dakmar auch eine Lodge für Trekking-Touristen, die durch das frühere Königreich Mustang wandern. Sie ist nicht überzeugt von solchen Studien, und auch an die Wirkung auf die Manneskraft glaubt sie nicht, wie sie uns unmissverständlich mit ihren wenigen Brocken Englisch klar macht. Doch weil das Produkt gewünscht wird, hat sie es in ihr Angebot aufgenommen. „Amerikaner und Russen kaufen oft und viel Yarsagumba“, erzählt Thari Bista. Das gestiegene Interesse wirkt sich nicht nur auf den Geldbeutel der Landbevölkerung aus, sondern auch auf den Preis. Kostete zu Beginn der neunziger Jahre das Kilogramm Yarsagumba sechs Dollar, müssen jetzt je nach Qualität 30000 Dollar für das Kilogramm bezahlt werden. Die federleichten Yarsagumba, die so groß sind wie ein Zeigefinger und getrockneten Chilis ähneln, sind so teurer wie Gold. Doch während der Goldpreis von Zeit zu Zeit schwächelt, zeigte die Kurve bei Yarsagumba konstant über Jahre nach oben.

38171275 © Geiger Vergrößern Verkauft und genießt Yarsagumba: Lodge-Betreiberin Karma

Ein wahrer Goldrausch setzt deshalb jedes Jahr in der Monsunzeit ein. Überwiegend im Juni und Juli schwärmen die Yarsagumba-Sammler aus. „Auf 25 Dollar kann es ein einziger von ihnen pro Tag bringen“, sagt in Kathmandu Dinesh Tamang Blon, der den Hype seit vielen Jahren beobachtet. In Nepal ist das viel Geld. Das durchschnittliche Jahreseinkommen lag dort 2013 bei 730 Dollar.

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