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Multiple Sklerose : Mehr Schübe nach Therapie

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Hormonbehandlungen, denen sich Frauen wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches unterziehen, können andere Erkrankungen verschlimmern. Ein Beispiel ist die Multiple Sklerose.

          Hormonbehandlungen, denen sich Frauen wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches unterziehen, können andere Erkrankungen verschlimmern. Ein Beispiel hierfür ist die Multiple Sklerose. Sie befällt die Betroffenen schon in jungen Jahren, besonders häufig leiden Frauen im gebärfähigen Alter daran. Im Gehirn kommt es zu Nervenschäden und infolgedessen zu Lähmungen, weil die isolierenden Myelinumhüllungen der Nervenstränge von Entzündungszellen angegriffen werden. Eine Multiple Sklerose tritt in der Regel in Schüben auf und zwingt die Patienten schlimmstenfalls in den Rollstuhl.

          Nehmen an Multipler Sklerose erkrankte Frauen Hormone zur Stimulation ihrer Eierstöcke, so ist das Risiko, dass sich ihre Erkrankung verschlimmern könnte, siebenfach erhöht. Das geht aus einer kleinen Studie aus Argentinien mit insgesamt sechzehn Patientinnen hervor. Jorge Correale vom Raúl Carrea Institut für neurologische Forschung in Buenos Aires und seine Kollegen haben die Folgen einer Kinderwunschbehandlung bei Patientinnen, die gleichzeitig an einer Multiplen Sklerose litten, genauer beziffern wollen. In früheren Studien war bei rückblickender Betrachtung schon der Verdacht aufgekommen, dass bei diesen Kranken mit einer Risikoerhöhung infolge der Therapien zur Unterstützung der Zeugung zu rechnen ist.

          Mehr Rückfälle

          Die argentinischen Ärzte haben nun dokumentiert, wie sich für ein ausgewähltes Kollektiv im Verlauf der Erkrankung die Hormontherapie auswirkt. Die an Multipler Sklerose erkrankten Frauen hatten insgesamt über 26 Behandlungszyklen hinweg Follikel-stimulierende Hormone vom Typ der GnRH-Agonisten erhalten. Diese wirken über ein zentrales Steuerzentrum im Gehirn und unterstützen jene Gelbkörperphase im weiblichen Zyklus, die für eine gelingende Eireifung entscheidend ist. 75 Prozent der Frauen erlitten nach der Infertilitätsbehandlung einen Schub ihres Nervenleidens, 58 Prozent dieser Rückfälle ereigneten sich im Laufe von drei Monaten nach der Hormonbehandlung („Annals of Neurology“, online, doi:10.1002/ ana.23745).

          Gleichzeitig bewiesen Bilder des Gehirns, die mittels Magnetresonanztomografie angefertigt und in denen neue Multiple Sklerose-Herde erkennbar werden, dass sich die so dokumentierte Krankheitsaktivität um das Neunfache gesteigert hatte. Das Team um Correale konnte mit Labormodellen zeigen, dass eine Hormonbehandlung zur Unterstützung des Kinderwunsches das Eindringen von potentiell schädlichen Entzündungszellen aus dem Blut in das Gehirngewebe begünstigt. Offenbar wird dies über den Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) vermittelt. Ob der Schaden auch im Rahmen dieser Studie über eine vermehrte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke zustande kam, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Unklar ist auch, wie sich die hier festgestellten, kurzfristigen Folgen langfristig auf den Verlauf einer Multiplen Sklerose auswirken. In einem Kommentar zu dieser Studie betonte die Sprecherin der amerikanischen Neurologenvereinigung jedoch mit Nachdruck, dass künftig junge Patientinnen, die an Multiple Sklerose leiden und über eine Kinderwunschbehandlung nachdenken, über dieses Rückfallrisiko aufgeklärt werden müssten.

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