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Seuchen : In den Zeiten der Cholera

Auf dem Weg zur Pumpe: Um sauberes Trinkwasser zu holen, schickt man in Malawi auch die Kinder los, wie hier in der Nähe der Stadt Nkhotakota am Malawi-See. Bild: Obie Oberholzer/laif

Die tödliche Seuche ist in Europa längst vergessen, in Afrika grassiert sie noch immer. Aber in Malawi hat man ihr jetzt den Kampf angesagt.

          Wasser zieht Menschen unwillkürlich an. Überall. Wie stark diese Anziehungskraft gerade auf Kinder wirkt, ließ sich vor anderthalb Wochen auch am Malawi-See beobachten: Kaum war das Ufer erreicht, streiften sich die ersten schon ihre T-Shirts ab und stürzten sich von einem der im Sand liegenden Kanus in die blauen Wellen. „Ich kann diese Magie nicht erklären, aber die Kinder könnten jetzt stundenlang so im Wasser hüpfen, spielen und schwimmen“, sagte Adrian Chikumbe. Als Sprecher des malawischen Gesundheitsministeriums begleitete er die Besucher aus Deutschland, von denen so mancher ein bisschen traurig war, es den Kindern nicht gleichtun zu dürfen.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die muntere Schar war unserer Delegation vom nahen Dorf zum Strand gefolgt, nachdem auch die letzten Kinder im Schatten eines Baumes ihre Impfspritze erhalten hatten. Bei manchen flossen Tränen, aber sie trugen damit zum Erfolg der landesweiten Impfkampagne gegen Masern und Röteln bei, die Mitte Juni mit Unterstützung von WHO und Unicef innerhalb von einer Woche nahezu acht Millionen Kinder erreichen sollte. Und in ihrem zentral gelegenen Verwaltungsbezirk Salima am Malawi-See konnten mit 216.813 Geimpften sogar deutlich mehr Kinder im Alter zwischen 9 Monaten und 14 Jahren mit der neuen Kombination geschützt werden, als ursprünglich erhofft, meldete die Zeitung „The Nation“ vor wenigen Tagen. Auch mit der Vitamin-A-Ausgabe und der Anti-Wurm-Therapie für Kleinkinder habe man das Ziel übertroffen.

          Dabei hatte ein Streik der Lehrer die Verteilung der von der Global Alliance for Vaccination and Immunisation (GAVI) finanzierten Vakzine erschwert. Statt in die Schulen mussten die Impfhelfer vermehrt auf die Dörfer gehen, um die Zielgruppen zu finden. Zahlreiche Mütter nahmen stundenlange Fußmärsche in Kauf und brachten ihre Kinder zur „Katemera“, was „Impfung“ in der Landessprache Chichewa heißt. Solches Engagement würde man sich auch in Deutschland wünschen.

          Wasser als Risiko

          Wasser hat in Malawi allerdings einen weitaus größeren Einfluss auf die Lebensverhältnisse, als es die malerische Szene am See darstellen könnte. Zwar gehörten die Einbaum-Kanus Fischern, die damit ihre Fänge einholen – frischer „Chambo“ ist begehrt; und während die Kinder spielen, waschen Frauen nur ein paar Meter weiter Wäsche. Aber das südlich des Äquators liegende afrikanische Land, dessen 17 Millionen Einwohner mehrheitlich in Armut leben, muss sich noch mit grundlegenden Schwierigkeiten auseinandersetzen: Wie erhält die Bevölkerung selbst in entlegenen Gebieten Zugang zu sauberem Trinkwasser? Wie lassen sich sanitäre Anlagen einrichten und einfachste Hygieneregeln durchsetzen?

          Durchfallerkrankungen gehören zu den häufigsten medizinischen Diagnosen neben Malaria und Atemwegsinfekten. Und seit 1973 die ersten Cholera-Fälle auftraten, wird Malawi in einigen Regionen bald jedes Jahr von dieser Seuche heimgesucht, insbesondere zur Regenzeit, die meist im November beginnt. Zehn der insgesamt 28 Verwaltungsdistrikte gelten als stark gefährdet, in der Saison 2001/2002 kam es zu der bisher größten Cholera-Epidemie mit mehr als 33.000 Fällen und nahezu 1000 Toten.

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