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Low-Fat-Diät : Eine einzige fette Lüge

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Eigentlich eine feine Sache, so ein Burger. Das Brötchen kann man sogar weglassen. Bild: Getty

Jahrzehntelang hieß es: Finger weg von tierischen Fetten. Doch dass sie krank machen, wurde nie bewiesen. Nun hat sich das endlich auch in Deutschland herumgesprochen.

          Wo sind die Warnungen vor dem Erzfeind geblieben? Den Anteil an Fett als Energielieferant auf allerhöchstens dreißig Prozent begrenzen? Steht nirgends mehr. Wenn Milchprodukte, dann fettarm? Gestrichen. Gesättigte Fette meiden? Fehlanzeige. Was ist los bei den obersten Ernährungsberatern der Republik? Die „10 Regeln“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind seit kurzem fast komplett fettwarnungsfrei. Eine Revolution.

          Es ist der bislang letzte Akt eines Dramas mit tragischen Helden, Bösewichten, Narren und wahrscheinlich vielen unschuldigen Opfern. Dabei hatte alles recht seriös und sinnvoll begonnen – verglichen jedenfalls mit der ersten Promi-Fastenkur, die von Lord Byron empfohlen wurde. Der war vor gut zweihundert Jahren für seine Kartoffel-Essig-Diät fast so berühmt wie für seine Gedichte. Den frühen Ernährungsforschern dagegen ging es nicht um die schlanke Linie. Sie wollten nur wissen, was der schwer arbeitende Mann braucht, um arbeitsfähig zu bleiben. Und wie man bei wachsender Bevölkerung die Massen möglichst günstig satt bekommt.

          Die ersten Empfehlungen orientierten sich an der Arbeiterkost. Daran hat sich lange nichts geändert

          1859 war es ein niederländischer Arzt namens Jakob Moleschott, der die ersten Nährstoffempfehlungen veröffentlichte. Er hatte sich schlicht angesehen, was solche Männer so aßen. Ergebnis: Im Durchschnitt etwa 2900 von dem, was später Kilokalorien hieß, mehr als die Hälfte davon bestand aus Kohlenhydraten, 18 Prozent aus Eiweiß, 26 Prozent aus Fett. Ihm folgte der deutsche Carl von Voit, der ein recht ähnliches „Kostmaß“ aufstellte.

          Es waren Ist-Werte, erhoben an einer weder seinerzeit noch heute repräsentativen Population: männlich, mit viel körperlicher Betätigung und nicht gerade reich. Das bedeutete, dass viele günstige Sattmacher wie Kartoffeln und Rüben auf den Teller kamen, Fett dagegen eher weniger. Auch ob die Kost „gesund“ war, wurde überhaupt nicht gefragt. Im Grunde aber gelten die so gewonnenen Richtwerte in ihren prozentualen Anteilen bis heute. Der DGE galten sie bis vor zwei Wochen als allgemeingültige, gesundheitsfördernde Soll-Werte.

          Der Patriot isst Roggenbrot

          Dabei ging es in den gut 150 Jahren Ernährungsforschung seither fast immer turbulent und kontrovers zu. Es waren aber nur zum Teil neue Erkenntnisse, beispielsweise über Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die immer wieder zu Aktualisierungen zwangen. Maßgeblich war vor allem die jeweilige politisch-wirtschaftliche Lage. In Deutschland etwa waren nach dem Ersten Weltkrieg die Devisen knapp, die Einfuhr von Futtermitteln war teuer. Deshalb wurden Produkte vom heimischen Acker gefördert. „Der Patriot isst Roggenbrot“ ist ein populärer Slogan jener Zeit. Mehr heimisches, saisonales Gemüse wurde schon damals propagiert. Und auch die öffentlichen Diskussionen unterschieden sich häufig nur wenig von denen der Gegenwart. Während der Weimarer Republik etwa propagierten vor allem die Vertreter der Lebensreformbewegung eine noch stärkere Abkehr von tierischen Produkten.

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