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Krebsrisiko : Diabetiker sind nicht nur zuckerkrank

  • -Aktualisiert am

Insulinwertmessung: Auch bei Kindern keine Seltenheit mehr Bild: dpa

Doppelt betroffen: Als wäre Diabetes nicht genug, begünstigen erhöhte Konzentrationen von Insulin die Zellteilung und somit das Krebsrisiko. Ärzte müssen dies künftig bei der Therapie von Zuckerkranken berücksichtigen.

          Spezialisten für Diabetes sehen ihre Aufgabe darin, sich um den Blutzuckerspiegel ihrer Patienten zu kümmern. Noch, sollte man hinzufügen, denn bald müssen sie sich wohl zusätzlich als Krebstherapeuten betätigen. Der Zusammenhang zwischen der Zuckerkrankheit und einem erhöhten Krebsrisiko ist nämlich inzwischen so klar, dass daraus schon erste Handlungsanweisungen für einen anderen Umgang mit Diabetikern gezogen werden. Das war unlängst auf der Fachtagung „Insulin und Krebs“ zu hören, die Ernst Chantelau von der Medizinischen Universitätsklinik der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf veranstaltet hatte. Welche Folgerungen sich aus den Erkenntnissen ergeben können, erläuterte Jutta Berster, Diabetologin am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München, am Beispiel des Darmkrebses. Typ-II-Diabetiker - das sind gut 90 Prozent aller Zuckerkranken - haben ein auf das Dreifache erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

          Wenn ein Diabetes diagnostiziert wird, sollte vor jeder Einstellung des Blutzuckerspiegels eine Darmspiegelung vorgenommen werden - unabhängig vom Alter des Patienten. Zudem sollten Diabetiker in kürzeren Abständen überwacht werden, als das bei der Suche nach Darmkrebs üblicherweise vorgesehen ist. Bei den Empfehlungen handelt es sich um einen ersten Vorstoß, die Fachwelt für diese Risiken der Zuckerkrankheit sensibel zu machen. Tägliche Praxis ist diese Vorgehensweise zwar noch nicht. Aber in der Fachwelt werde zunehmend anerkannt, dass man einen Diabetiker als möglichen künftigen Krebspatienten sehen müsse, sagte Frau Berster in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Dass es gute Gründe für eine solche Einschätzung gibt, bewiesen zahlreiche neuere Erkenntnisse, die in Düsseldorf vorgestellt wurden. Fehlernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht sind in aller Regel die Ursache dafür, dass die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin ins Blut abgibt, um den überschüssigen Zucker etwa in Muskeln und in die Leber einzuschleusen. Das ereignet sich gut ein Jahrzehnt vor der eigentlichen Diagnose eines Diabetes.

          Wachstumsfaktor Insulin

          Da die Organe zunehmend weniger auf Insulin reagieren, weist das Blut dieser noch symptomfreien Personen über Jahre hinweg eine ständig erhöhte Konzentration des Hormons auf. Insulin könne aber ein machtvoller Wachstumsfaktor sein - auch wenn es leider fälschlich in den Lehrbüchern nicht unter diesem Titel geführt werde, wie Zvi Laron von der Universität Tel Aviv sagte. Hinzu kommt, dass Insulin einen weiteren Motor der Zellteilung aktiviert, den Insulin-like growth factor oder IGF. Es fördert dessen Wirkung nicht nur dadurch, dass es seine Produktion steigert. Vielmehr besetzt es auch zunehmend die Bindungsproteine, die sonst für die Blockade des IGF sorgen. Infolgedessen steht eine größere Menge frei zur Verfügung und kann seine krebsfördernde Wirkung ausüben. Doch damit nicht genug. Der Endokrinologe Francesco Frasca von der Universitätsklinik in Catania in Italien präsentierte die Ergebnisse seiner ausgeklügelten Versuchsanordnungen, die es ihm ermöglichten, auf molekularer Ebene die unheilige Allianz zwischen Insulin und IGF sichtbar zu machen.

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