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Kinderärzte-Kongress : Die Nachsorge ist ein schwarzes Loch

  • -Aktualisiert am

Frühgeborenes im Kinderkrankenhaus auf der neuen Bult in Hannover Bild: dpa

Die deutschen Kinderärzte erleben täglich die Folgen sozialer Ungleichheit. Wichtige Impulse erhält die Pädiatrie derzeit durch Langzeitstudien, etwa zur Entwicklung sehr früh geborener Kinder.

          Dem Ausdruck „Neue Morbiditäten“ kommt eine Schlüsselfunktion zu, wenn Kinderärzte gegenwärtig über ihr Fachgebiet diskutieren. Auch beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Hamburg wurde der Begriff zum Dreh- und Angelpunkt vieler Vorträge. Gemeint sind Krankheiten im Kindes- und Jugendalter, die noch eine Generation zuvor viel seltener waren: Zum einen psychische und psychosomatische Störungen, zum anderen chronische Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Allergien oder chronische Schmerzen. Mit ihnen ändert sich die Pädiatrie insgesamt, als praktische Aufgabe und als Forschungsgebiet: „Noch vor wenigen Jahrzehnten hat es einen Kinderarzt gegeben, der vor allem mit Impfungen und der Behandlung von Infektionskrankheiten befasst war“, sagte René Santer, einer der Tagungsorganisatoren und stellvertretender Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. „Heute wünschen wir uns Praxen, in die auch ein Sozialarbeiter und ein Psychologe integriert sind“, sagt Santer.

          Vieles von dem, was in den Hamburger Vorträgen und Symposien thematisiert wurde, klang zunächst altbekannt und reichlich strapaziert: Die Debatte über Internetkonsum und Computersucht wurde ebenso aufgegriffen wie die seit 2007 vorliegenden Daten des Gesundheitssurvey KiGGS. Doch inhaltlich fügten die einzelnen Vorträge der Debatte dann doch einiges hinzu, in Form einer oftmals radikaler und desillusionierter gewordenen Sicht: „Armut macht am meisten krank“ - auf dieses Fazit liefen gleich mehrere Symposien zur Sozialpädiatrie zielsicher zu. Ulrike Ravens-Sieberer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf stellte die Ergebnisse der Bella-Studie vor, ein vertiefendes KiGGS-Modul zum seelischen Wohlbefinden und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Nur knapp 17 Prozent der Kinder aus Familien mit hohem, aber 31 Prozent der Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status zeigen der Studie zufolge psychische Auffälligkeiten. Ohnmachtserfahrungen, Ablehnung und stärkere Belastungen im Alltag könnten die höheren Zahlen erklären, sagte der Neuropädiater Harald Bode vom Uniklinikum Ulm, der ebenso wie andere Experten in Hamburg Maßnahmen der Politik forderte, zu denen auch ganz konkret finanzielle Hilfen gehören müssten.

          Neben solchen gravierenden Schwierigkeiten gibt es in der Kinderheilkunde auch Probleme, die früher unlösbar waren und inzwischen überwunden sind: Mit Hilfe der Hochleistungsmedizin haben etwa Krebspatienten im Kindesalter und extrem früh geborene Kinder heute viel größere Überlebenschancen. 60 000 Kinder werden jährlich in Deutschland vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Es gibt heute auch Kinder, die nach Abschluss der 23. Schwangerschaftswoche und wenigen Tagen mehr eine Chance haben zu überleben.

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